Warum Banken den Eintritt in den NFT-Markt wagen sollten

Ein Artikel von Bernd Oppold, Partner KPMG FS | 20.06.2022 - 08:50

Auf dem Markt der Krypto-Assets ist mächtig Bewegung. Während das gesamte Handelsvolumen der sogenannten Non-Fungible Token (NFT) im ersten Quartal 2021 noch bei rund zwei Milliarden US-Dollar gelegen hat, sind es aktuell bereits 16 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Plus von 714 Prozent, wie die Marktanalysten des Portals NonFungible.com in ihrem aktuellen Bericht herausgefunden haben. Ein Wachstum, das Begehrlichkeiten weckt – ob bei Kunsthändlern, Krypto-Nerds, NFT-Liebhabern oder sogar bei Gangster-Rappern. So hat vor kurzem auch der Sänger „Haftbefehl“ eine eigene NFT-Kollektion veröffentlicht – die bereits nach 24 Stunden ausverkauft war. Nur eine Branche hält sich derzeit noch zurück: Die der Banken- und Finanzdienstleister.

Trend mitgehen oder Chance verstreichen lassen?

Dabei befinden sich gerade diese Institutionen aktuell am Scheideweg. Noch können sie den Eintritt in den Markt ohne größere Probleme vornehmen. Lassen sie sich jedoch zu lange Zeit, droht ein Szenario, wie es in den letzten Jahren auch im Bereich Zahlungsverkehr eingetreten ist. Hier haben sich die Institute von digitalen Anbietern wie Paypal oder Klarna überflügeln lassen.

Dass sich der Markteintritt lohnt, zeigt beispielsweise die Entwicklung im Bereich der Online-Broker. Hier hat allen voran der deutsche Anbieter Trade Republic, der mittlerweile Aktien von Unternehmen anbietet, die im Zusammenhang mit NFTs stehen und bereits mehr als zwei Millionen Kunden generiert hat. Das Besondere daran: Trade Republic hat sehr viele Menschen angesprochen, die vorher kaum etwas mit Aktien am Hut hatten. So hat sich das FinTech seinen Markt mehr oder weniger selbst geschaffen. Diese prägnanten Marktpositionen werden nicht allzu oft vergeben.

Deshalb ist es für Banken und Finanzdienstleister jetzt an der Zeit, sich zumindest mit der Thematik auseinander zu setzen, um ihre Rolle in dem noch jungen Markt sichern zu können. Das bietet den Vorteil, dass der Markt schon bereitet ist – in diesem Fall durch die Anwender – und die Finanzunternehmen nun auf erste Learnings reagieren oder mögliche Servicelücken füllen können.

Neue Technik, altes Geschäft: Das Giro-Konto für NFTs?

An dieser Stelle hält der NFT-Markt gleich eine ganze Reihe an Möglichkeiten bereit. Und so stehen die Chancen der Banken und Finanzdienstleister für einen erfolgreichen Eintritt sogar sehr gut. Schließlich könnten sie dort eine Art Verwalterrolle einnehmen, die es so noch nicht gibt. Aktuell werden die NFTs weitgehend dezentral gehandelt, beispielsweise über die Plattform OpenSea, beziehungsweise unmittelbar Peer-to-Peer (P2P). Dort landen die Tokens dann in einem privaten Wallet. An dieser Stelle könnten die Banken und Finanzdienstleister einsteigen und ihren Kunden einen Speicherplatz bieten – etwa in Form eines Multi Signature Wallets, das von der Bank oder dem Finanzdienstleister betrieben wird, mit einem Aktiendepot vergleichbar, aber eben vor unautorisierten Zugriffen geschützt ist.

Für die Anwender hat das gleich mehrere Vorteile: Sie haben einen leichteren Zugriff, zentral bei der Bank oder dem Finanzdienstleister. Sie müssen nicht mehr in den Tiefen des Internets nach Wallet-Anbietern suchen, sondern nur noch bei ihrem Berater anklopfen. Und sie müssen sich nicht mehr in komplizierte Prozesse begeben, die sie eventuell nicht bis ins letzte Detail verstanden haben. Eine Bank, beziehungsweise ein Finanzdienstleister kann hier Sicherheit geben.

Drei Schritte in die NFT-Welt von morgen

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Autor: Bernd Oppold, Partner KPMG FI.

Trotzdem tun sich die etablierten Geldhäuser schwer, den Schritt in die Kryptowelt zu wagen. Das ist grundsätzlich nichts Neues. Schließlich ist der Markt sehr jung und die Assetklasse für viele noch eine große Unbekannte. Das gepaart mit einer noch sehr undurchsichtigen Regulierung sorgt bei etablierten Playern für eine gewisse Skepsis. Dabei könnten gerade sie einen entscheiden Teil dazu beitragen, diese Unsicherheiten zu mindern. Zum Beispiel im Bereich der Klassifizierung. Denn nicht immer ist klar, ob ein Token auch als Finanzprodukt klassifiziert werden kann. Hierzu ist ein geschulter Blick notwendig. Banken und Finanzdienstleister könnten diesen Blick einnehmen und Transparenz für ihre Kunden hinsichtlich der Regulierung schaffen, die im jeweiligen Einzelfall gilt.

Im zweiten Schritt können Banken und Finanzdienstleister dabei helfen, den Markt bekannt zu machen – und so ihr eigenes Geschäft befeuern. Einfachstes und effektivstes Mittel dafür: Use Cases entwickeln. Wenn Kunden an konkreten Anwendungsfällen sehen, wie NFTs funktionieren, lassen sich mögliche Berührungsängste schnell abbauen. Use Cases können etwa der Handel mit NFTs aus den Bereichen Kunst oder Musik sein, also ein digitales Bild oder ein Musiktitel. Aber auch Sportereignisse sind denkbar. Die NBA etwa hat Videoclips tokenisiert. Fans können diese NFTs handeln. Gleiches wäre auch hierzulande denkbar.

Der nächste Schritt führt Banken und Finanzdienstleister dann ins Metaverse – das Internet von morgen. Hier spielen NFTs bereits eine immer größer werdende Rolle, wie auch schon in dem Bereich Gaming, und erhöhen damit die Popularität von NFTs. Der Rapper „Haftbefehl“ ist diesen Schritt übrigens schon gegangen und hat allen seiner NFT-Käufern Tickets für ein Metaverse-Konzert geschenkt. Ob das jedoch ein seriöser Use Case für Banken ist, scheint zumindest streitbar.