Serie Metaverse

"Bei Zukunftsthemen nicht den Anschluss verpassen"

Ein Artikel von Jean-Philippe Tonyigah und Boris Lisdat, beide beim Sparkassen Innovation Hub | 30.06.2022 - 12:17

Bereits heute interessieren sich 61 Prozent der Menschen, die in Deutschland leben, für das Metaverse und die damit verbundenen Entwicklungen. Das wurde durch eine Datenerhebung von annalect im Januar 2022 ermittelt. Ein weiteres Marktforschungsinstitut, Gartner, befragte Menschen im Alter von 16 bis 60 Jahren und erwartet demnach, dass innerhalb der nächsten vier Jahre ca. 25 Prozent der Menschen eine Stunde pro Tag im Metaverse verbringen werden. Beeindruckende Zahlen, die sich mit der Einschätzung des Sparkassen Innovation Hubs aus Hamburg decken: Dieser fand heraus, dass das Metaverse und Virtual- und Augmented-Reality Tech-Themen mit großem Zukunftspotenzial und neuen Touchpoints sein werden.

Der Sparkassen Innovation Hub (S-Hub) ist Innovation Lab und Think Tank der Sparkassen-Finanzgruppe. Die Hauptaufgabe des S-Hubs besteht darin, Zukunftsthemen zu erkennen, sie einzuordnen und ihr wirtschaftliches Potenzial einzuschätzen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf den jüngeren Generationen als wichtige Kundengruppen. Der S-Hub versucht deshalb, die Welt durch die Brille von Jugendlichen und sogar Kindern zu sehen. Dabei kam jüngst heraus, dass besonders relevante Themen in der Zukunft vor allem mit Technologie zusammenhängen: NFTs, Blockchain, Krypto, alternative Realitäten und das Metaverse. Die Zeitenwende ist auffällig. Es ist noch gar nicht so lange her, dass Themen wie das KNAX-Konto die finanzielle Gegenwart und Zukunft der jungen Generationen prägten und Onlinebanking als innovative Entwicklung galt, die von vielen konservativen Sparern zu Beginn mit Misstrauen beäugt wurde.

Dieses rasante Entwicklungstempo birgt das Risiko, dass Finanzinstitute den Anschluss verpassen, denn die Mitglieder der Gen Z, die etwa zwischen 1997 und 2012 geboren wurden, und die der Gen Alpha, die seit 2012 geboren werden, werden mit einem dicken Informationskatalog über Wertpapieranlagen und einer beiliegenden CD-ROM weder erreicht noch überzeugt werden können. Deshalb setzt sich der S-Hub schon heute mit den relevanten Themen auseinander. Im Fokus steht aktuell unter anderem das Metaverse. 

Gamification Ansatz: Wertpapiere im Metaverse

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Jean-Philippe Tonyigah ist Innovation Strategist beim Sparkassen Innovation Hub. Er sammelte bereits viel Erfahrung im Marketing und arbeitete unter anderem für XING und Olympus Europa. Seit 2020 ist er für den Sparkassen Innovation Hub tätig und forscht an den Themen Metaverse und Generation Alpha. 

Das Metaverse ist ein virtueller Raum, in dem Nutzer durch Avatare miteinander sowohl privat als auch geschäftlich interagieren und kommunizieren können. Das Marktpotenzial wird auf beeindruckende 800 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 geschätzt. Das Metaverse könnte damit Teil einer neuen Generation des Internets sein.

Der Unterschied zum Internet, wie wir es bisher kennen und nutzen, besteht hauptsächlich darin, dass Nutzer es mit einem zusätzlichen Gerät wie einer Virtual Reality Brille in 3D erleben können. Die Strukturen sind offen und transparent gestaltet, sodass sich jeder in der gesamten digitalen Welt frei bewegen kann. So ist es beispielsweise möglich, nach einem Besuch in der digitalen Sparkassen Filiale in ein digitales Kino zu gehen, und sich dort einen Film anzuschauen. Hauptsächlich liegt der Reiz in der sozialen Interaktion und darin, dass das Metaverse Informationen erlebbar macht: Wenn der Nutzer plötzlich im Sturm steht, weil das eigene Portfolio im Metaverse abstürzt, empfindet dieser ein unangenehmes Gefühl. Sobald das Portfolio gerettet wurde, scheint wieder die Sonne und der Nutzer fühlt sich wohl.

Ähnliche Strukturen gibt es bereits in Onlinespielen. Besonders die heranwachsenden Generationen sind mit sehr komplizierten Videospielen vertraut und begreifen komplexe Sachverhalte in diesem Zusammenhang häufig in Sekunden. Diesen Ansatz, den sogenannten Gamification Ansatz, schätzt auch der S-Hub als Potenzialfeld mit neuen Berührungspunkten ein.

Da die digitale Welt – und in Zukunft vielleicht auch das Metaverse – ein natürlicher und intuitiver Raum für die Gen Z und Gen Alpha sein werden, hat sich der S-Hub vorgenommen, auf spielerische Art und Weise den Kindern und Jugendlichen etwas über Finanzen beizubringen. Auf der Hamburger Marketing Messe OMR präsentierte der S-Hub kürzlich das erste Projekt: Ein Wertpapier Spiel im Metaverse bietet Nutzern die Möglichkeit, mit einer VR Brille eine virtuelle Börse zu betreten und dort Aktien und Fonds zu handeln. Das Projekt entwickelte der S-Hub in Kooperation mit den Event Punks und Microsoft. Das Experiment ist ein völlig neuer Ansatz, um jungen Zielgruppen die Börse und ihre Funktionsweise näherzubringen und dabei fachliche Erfahrungen zu sammeln, um zu verstehen, wie die neue Welt funktioniert. Bankfachliche Themen werden damit zielgruppengerecht aufgearbeitet und sind für Jugendliche leichter zu verstehen. 

Herausforderung und Chance für etablierte Finanzinstitute

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Boris Lisdat ist Innovation Designer beim Sparkassen Innovation Hub. Er arbeitet bereits bei Unternehmen wie Jung von Matt und IBM iX. Seit 2018 ist er für den Sparkassen Innovation Hub tätig und entwickelt Ideen und Produkte für die Sparkassen Finanzgruppe.

Ob und wie sich das Metaverse in unseren Alltag integrieren wird, ist bisher natürlich noch ungewiss. Dennoch ist es wichtig, sich mit dem Thema frühzeitig zu beschäftigen. Schätzungsweise werden im Jahr 2026 30 Prozent der Unternehmen weltweit ihre Produkte auch im Metaverse anbieten. Durch frühzeitiges Auseinandersetzen mit Zukunftsthemen verhindert der S-Hub, dass deutsche Finanzinstitute den internationalen Anschluss verpassen. In einem fortlaufenden digitalen Innovationsprozess wird der S-Hub die richtigen Touch Points mit den Sparkassen ausloten, um das Metaverse in den Kundendialog zu integrieren und somit auf die jungen Generationen und deren Ansprüche vorbereitet zu sein.