ePayment: Wenn Wachstum zur Konsolidierung führt

Ein Artikel von Marc Schluep, Head Strategy Merchant Services von Worldline | 18.08.2021 - 12:40
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zufriedene geschäftsfrau lehnt sich entspannt zurück © contrastwerkstatt - Fotolia

Während der Corona-Pandemie haben deutsche Verbraucher an den Kassen vornehmlich mit Giro- und Kreditkarte sowie Smartphone oder Smartwatch bezahlt. Der Unternehmensberater PwC prognostiziert, dass sich der durch die Krise angekurbelte Trend des bargeldlosen und mobilen Zahlens bis 2025 noch beschleunigen wird. Veränderte Shopping-Gewohnheiten im stationären Handel begünstigten maßgeblich die Etablierung von elektronischen Zahlungsmethoden – Kunden präferierten den komfortablen Weg des kartenbasierten bzw. kontaktlosen Zahlens, um Bargeldtransaktionen zu vermeiden.

Dieses gesteigerte Interesse spiegelt sich besonders in den Unternehmensbewertungen von auf den Zahlungsverkehr fokussierten Finanzdienstleistern und Fintechs wider: Zwar zählen Mastercard und VISA weiterhin zu den zwanzig wertvollsten Unternehmen weltweit. Jedoch haben Fintechs diesbezüglich in den letzten Jahren massiv aufgeholt – ihre Bewertungen erreichen heute ebenfalls Milliardenbeträge. Die mit 31 Milliarden Euro bisher höchste Kapitalisierung eines europäischen Fintechs erzielt Klarna, Anbieter von Kaufabwicklungs- und Ratenzahlungsservices. Dem gegenüber steht die Bewertung des noch relativ jungen US-amerikanischen Payment-Dienstleisters Square: Diese steht heute bei über 120 Milliarden US-Dollar.

Die Konsolidierung der Payment-Branche

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Autor: Marc Schluep, Head Strategy Merchant Services von Worldline © nilssandmeier.com

In den USA hat bereits früh eine Konsolidierung der Payment-Branche begonnen. Im Vergleich dazu sind europäische Banken und Finanzdienstleister in dieser Entwicklung zurückhaltender vorgegangen. Bestrebungen in diesem Bereich verfestigten sich erst mit der Etablierung des einheitlichen Währungsraums SEPA und der damit einhergehenden Vereinheitlichung gesetzlicher Vorgaben.

Die Verbindung von Acquirer und Processor zu größeren Unternehmen setzte zunächst auf regionaler Ebene ein und breitete sich daraufhin auf europäischer Ebene aus. Als größte Konsolidierer setzen sich in Europa Worldline und Nexi in Szene. Die französiche Worldline hat beispielsweise Ende 2020 mit Ingenico einen weltweiten Anbieter von Bezahlterminals gekauft, und die italienische Nexi wird voraussichtlich noch in diesem Jahr die Akquisition von SIA sowie von Nets abschliessen.

Die Folge solcher Konsolidierungsmaßnahmen: Der Finanzmarkt schrumpft auf eine überschaubare Anzahl von Anbietern. Dies fördert den sogenannten Netzwerkeffekt. Kann ein elektronisches Zahlungsmittel bei praktisch allen Händlern eingesetzt werden, nutzen Kunden dieses entsprechend öfter. Gleichzeitig führt die steigende Nutzung seitens der Konsumenten dazu, dass mehr Händler das Zahlungsmittel akzeptieren.

Es bedingen sich Händler und Verbraucher also gegenseitig. Von der einfachen Girokarte bis hin zur Smartwatch und Apple Pay: Die Anzahl verschiedener elektronischer Zahlungsmittel hat in den letzten Jahren zugenommen. Die Kundenvorteile sind ebenso vielfältig und reichen von der mobilen Nutzung eines Zahlungsmittels bis zur Integration verschiedener Services in eine einzige Anwendung. 

Mit der zunehmenden Verbreitung und Nutzung des elektronischen Zahlens steigt aber auch die Abhängigkeit der Gesellschaft von den entsprechenden Infrastrukturen. Deren Skalierbarkeit, Stabilität und Verfügbarkeit sind zu einer unabdingbaren Voraussetzung für das Funktionieren der Volkswirtschaft geworden. Dies bedeutet, dass die Anbieter von Zahlungsverkehrsinfrastrukturen sehr hohe Investitionen in die entsprechenden Lösungen tätigen. Die hohen Kosten zahlen sich auf Dauer jedoch wieder aus, denn je mehr Transaktionen verarbeitet werden, desto niedriger fällt der Preis pro Zahlung aus. 

Die Payment-Branche lockt Investoren an

Nicht nur die eingangs erwähnte Verlagerung vom Bargeld zu elektronischen Zahlungsmitteln hat dazu geführt, dass Zahlungsdienstleister attraktive Wachstumsperspektiven haben und entsprechend die Aufmerksamkeit von Investoren auf sich ziehen. Die Branche ist auch deshalb interessant, weil sich die Skaleneffekte positive auf die Margenentwicklung niederschlagen, sie nur bedingt von Konjunkturschwankungen betroffen ist und somit stabile Cashflows generiert. Entsprechend haben auch große Private Equity-Häuser wie bspw. Bain Capital, Advent International oder Hellman & Friedman seit Jahren in Zahlungsdienstleister investiert und die weltweite Konsolidierung stark mitgepräg