Der digitale Euro wird Realität

Ein Artikel von red | 27.07.2021 - 09:59

Ein digitaler Euro kann noch in diesem Jahr Realität werden, herausgegeben von privaten Unternehmen und über DLT verwirklicht. Zu diesem Ergebnis kommt das Whitepaper „Der Zahlungsverkehr der Zukunft: Programmierbare Zahlungen im Bereich IoT“, das gemeinsam von der Hamburger PPI, der Cash on Ledger Technologies, der Digital Euro Association und dem Frankfurt School Blockchain Center veröffentlicht wurde. Nur durch eine solche elektronische Währung lässt sich das gewaltige Potenzial des Internet of Things (IoT) heben. Die im IoT möglichen neuartigen, teils revolutionären Geschäftsmodelle benötigen effiziente, automatisierte und echtzeitfähige Zahlungsmethoden. Und das möglichst frühzeitig. „Selbst wenn sich die Europäische Zentralbank in diesem Jahr entscheidet, einen digitalen Euro herauszugeben, wird dieser nicht auf einer DLT basieren und kaum vor 2026 verfügbar sein. Das ist zu spät“, sagt Anja Kamping, Senior Consultant bei  PPI und Mitautorin des Whitepapers.

DLT ist Mittel der Wahl

Private Unternehmen arbeiten daher längst an eigenen Lösungen rund um digitale Währungen, die vor allem für die Industrie und den Bereich IoT von besonderem Nutzen wären. Technisch basieren die Alternativen zu einer digitalen Zentralbankwährung (CBDC) auf der DLT. Bei dieser sind die Informationen auf vielen verschiedenen Computern eines Netzwerks abgelegt, die sich gegenseitig auf die Echtheit der vorhandenen Daten kontrollieren. Zudem verspricht die Nutzung von DLT-basierten Smart Contracts erhebliches Automatisierungspotential für jegliche Geschäftsprozesse und -modelle.

Dabei kann zunächst eine technologische Verbindung zwischen dem konventionellen SEPA-System und einer DLT-basierten Anwendung geschaffen werden. Diese sogenannte Triggerlösung ist jedoch nur ein Behelf, denn sie beseitigt die Limitationen von SEPA nicht: die Notwendigkeit der menschlichen Autorisierung, die langen Zahlungslaufzeiten und damit inhärent die fehlende Möglichkeit echter Delivery-versus-Payment-Funktionen. „Eine Triggerlösung als kurzfristige Maßnahme hilft, eine gewisse Zeit zu überbrücken. Wir brauchen mittel- bis langfristig ein Zahlungsverkehrs-system, dass die Limitationen aufhebt und vollautomatische Zahlungen auch zwischen Maschinen zulässt“, erklärt Prof. Dr. Philipp Sandner, Gründer und Leiter des Frankfurt School Blockchain Center und Mitautor des Whitepapers.

Native DLT-basierte Zahlungsmittel

Die im Whitepaper untersuchten potenziellen Lösungen erfüllen die Voraussetzungen für automatisierte Zahlungen im IoT. Zur Diskussion stehen Stablecoins, also Token, die einen bestimmten realen Gegenwert nachbilden – zukünftig wohl als tokenisiertes E-Geld bezeichnet – oder tokenisiertes Giralgeld. Für dieses existieren bislang kaum Regularien. Bei der EU ist hingegen die Verordnung „Markets in Crypto-Assets“, kurz MiCA, in Planung, die Stablecoins/tokenisiertes E-Geld reguliert.

Unter MiCA würde für werthaltige Token die E-Geld-Richtlinie greifen, sodass Stablecoins zu tokenisiertem E-Geld werden könnten. Das bisher erhebliche Gegenparteirisiko bei Euro-Stablecoins wäre dann deutlich reduziert und diese somit eine gangbare Alternative zu Giralgeld. Ein öffentlicher digitaler Euro wäre natürlich wünschenswert, aber es ist eher fraglich, ob dieser dann auch auf DLT basieren würde. Und nur damit lassen sich die die Limitationen in Bezug auf Micropayments, Streaming Money und Integration von Maschinen in den Zahlungsprozess auflösen. Die Emittierung von tokenisiertem E-Geld durch private Unternehmen ist daher nach Meinung der Autoren des neuen Whitepapers die wohl wahrscheinlichste und mittelfristig sinnvollste Lösung.

Das Whitepaper steht auf der Website der PPI kostenlos zum Download zur Verfügung.