Bitcoin, Klima-Retter oder Klima-Killer?

Ein Artikel von red | 03.06.2021 - 07:14
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Block-Builders.de beleuchtet das Thema in einer umfassenden Infografik.   © Block-Builders.de

Bitcoin, Klima-Killer oder gar Klima-Retter? Während die einen der Auffassung sind, dass die ressourcenintensive Technologie sofort abgeschaltet gehört, betonen andere, dass Bitcoin-Miner größtenteils auf grünen Strom setzen, und mehr noch, die erneuerbare Wende sogar forcieren. 

Erst unlängst prangerte Tesla-Chef Elon Musk die negative Energiebilanz von Bitcoin an. Doch wie steht es tatsächlich um den Verbrauch? Hierzu liefert die Forschung Antworten, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Während aus einer Erhebung der Universität Cambridge hervorgeht, dass sich der jährliche Bitcoin-Energieverbrauch auf etwa 143,67 Terawattstunden (TWh) beläuft, kommen Dan Held & ARK Investment zu dem Ergebnis, dass es lediglich 50,8 TWh sind.

Nimmt man den zweiten Wert, dann stünde Bitcoin beispielsweise im Vergleich zum Edelmetall Gold alles andere als schlecht da: hier liegt der geschätzte jährlich aufgewendete Energieverbrauch bei 125 TWh, wie die Infografik aufzeigt. Das Bankensystem benötigt pro Jahr etwa 650 TWh – allerdings sei an dieser Stelle erwähnt, dass ein absoluter Vergleich wenig aussagekräftig ist, da sich Anzahl der Transaktionen und Usecases beträchtlich voneinander unterscheiden.

Miner bevorzugen China

Für lautstarke Kritik sorgt indes der Umstand, dass sich sehr viele Bitcoin-Miner in China niedergelassen haben. 65,08 Prozent der monatlichen Hashrate fallen auf das Reich der Mitte. Potenziell problematisch ist dies deshalb, da der billige Kohlestrom in China eine ungünstige Klimabilanz aufweist. Allerdings ist dies lediglich eine Momentaufnahme.

Bereits heute setzen 76 Prozent der Bitcoin-Miner auf erneuerbare Energien. Allerdings ist hier ein zweiter Blick vonnöten: dass jene auf grünen Strom setzen, bedeutet nicht, dass die Mining-Anlagen ausschließlich hiermit betrieben werden. Wie die Infografik aufzeigt, sind Schätzungen zufolge etwa 39 Prozent des Mining-Stroms tatsächlich grün, doch auch hierzu kursieren unterschiedliche Zahlen.

Zahlreiche Akteure der Krypto-Industrie sind sich den Umweltproblematiken überaus bewusst, unterschiedliche Projekte geben Zeugnis davon ab. Genesis Mining nutzt beispielsweise Wärme, die beim Krypto-Mining entsteht, um Gewächshäuser in Schweden zu beheizen. Die Bitfury Group wiederum nutzt überschüssigen Strom aus leistungsstarken Wasserkraftwerken für das Bitcoin-Mining. Darüber hinaus hat sich nicht nur die IOTA-Stiftung das Thema Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben, auch der Gründer der nach Marktkapitalisierung zweitgrößten Kryptowährung, Ethereum, forciert ein Update. So werde Ethereum bald „vom Energieverbrauch eines mittelgroßen Landes zum Energieverbrauch eines Dorfes“ übergehen.

Kryptowährungen verbrauchen Energie. Wie viel allerdings, hierüber streiten sich die Forscher. Noch kontroverser wird indes die Frage diskutiert, ob jene Kosten den Nutzen übersteigen. Dass zahlreiche Bitcoin-Akteure die Zeichen der Zeit erkennen und auf nachhaltige Energien umschwenken sowie alternative Konzepte forcieren, zeigt, dass die Energiebilanz nicht in Stein gemeißelt ist: schließlich wollen sie nicht den Ast absägen, auf dem sie sitzen. An einem gibt es wenig Zweifel: während der Stromverbrauch von Kryptowährungen in aller Munde ist, werden Diskussionen um den Ressourcen-Bedarf einer Vielzahl anderer Produkte und Technologien nur in der Peripherie geführt.