Studie

Banken nutzen künstliche Intelligenz im Breiteneinsatz

Ein Artikel von red | 31.03.2021 - 12:34
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Johanna von Geyr, Partner & EMEA Lead BFSI bei der Information Services Group (ISG): „Bankenregularien lassen sich nur dann wirtschaftlich umsetzen, wenn viele Prozesse automatisiert ablaufen. Hier kommen Methoden der künstlichen Intelligenz immer mehr zum Tragen.“

Der Umbruch bei den Geschäftsprozessen von Banken in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH) ist derzeit weitgehend technologiegetrieben. Vor allem Methoden der künstlichen Intelligenz (KI) und der Datenanalytik kommen verstärkt zum Einsatz. Dies meldet der neue „ISG Provider Lens Banking Industry Ecosystem Report DACH 2020“ der Information Services Group (ISG), einem globalen Marktforschungs- und Beratungsunternehmen im Technologie-Segment. Diese Entwicklung schlägt sich der ISG-Studie zufolge auch auf den Markt der Service-Anbieter im Bankenbereich nieder. Manche entwickelten eigene KI-Lösungen, während andere Partnerschaften mit entsprechenden Software-Anbietern eingingen.

„Die Erwartungen der Bankkunden ändern sich gerade grundlegend“, sagt Johanna von Geyr, Partner und EMEA Lead Banking, Financial Services & Insurance bei ISG. Der mobile Zugriff auf Bankinformationen und das digitale Bezahlen stünden dabei an erster Stelle. „Wenn ein Kunde heute seine Bankgeschäfte zum Beispiel per Sprachassistent durchführen möchte“, so von Geyr, „müssen die ausgelösten Transaktionen auch auf diesem Weg eindeutig und sicher sein.“ Der Markt für Technologie- und Service-Anbieter, die Banken bei solchen Lösungen unterstützen, verzeichne deshalb aktuell ein deutliches Wachstum.

Ein Beispiel ist der von der ISG-Studie untersuchte Teilmarkt der „Know-Your-Customer/Anti-Money-Laundering (KYC/AML) Implementation Services“. Die Banken sehen sich hier mit sehr unterschiedlichen Regularien in verschiedenen Weltregionen und Ländern konfrontiert. In der Schweiz gelten zum Beispiel andere Regeln als in der EU, innerhalb derer noch einmal die Euro- von den Nicht-Euro-Staaten zu unterscheiden sind. Hinzu kommt, dass die EU-Regularien wiederum federführend von Großbritannien geprägt wurden, was sich mit dem Brexit ebenfalls ändert. 

Banken sehen KYC/AML-Regularien zunehmend nicht mehr nur als Pflicht

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Im „Leader“-Quadranten des Marktsegments „Know-Your-Customer/Anti-Money-Laundering Implementation Services“ konnten sich fünf Anbieter positionieren.

 „Mit Blick auf KYC/AML haben es Banken mit einer äußerst komplexen Landschaft an Regularien zu tun, zum Beispiel bei der Kreditvergabe“, sagt Johanna von Geyr. „Diese lassen sich nur dann wirtschaftlich umsetzen, wenn viele Prozesse automatisiert ablaufen. Hier kommen Methoden der künstlichen Intelligenz immer mehr zum Tragen.“ Beispiele seien etwa der Abgleich von Kreditnehmern mit sogenannten „Blacklists“ oder die Analyse auffälliger Zahlungsströme. Kreditkartenbetreiber führten solche Analysen aus Eigeninteresse schon länger durch, während Banken nun wegen neuer Regularien nachziehen würden.

Zugleich sehen der ISG-Studie zufolge Banken die KYC/AML-Regularien zunehmend nicht mehr nur als Pflicht, sondern auch als Chance, sich Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. „Wer seine Kunden besser kennt und mehr Transparenz etwa über begleitende Informationen zu Geldtransfers erhält, ist auch in der Lage, seinen Kunden maßgeschneiderte und prompte Angebote zu machen“, so von Geyr weiter. „KI und Machine Learning könnten hier Muster automatisch erkennen, um entweder den Kundenservice zu verbessern oder Alarm zu schlagen, wenn mit Blick auf etwaige Geldwäsche Auffälligkeiten auftreten.

Manche der Technologie- und Service-Anbieter im Bankenumfeld verfügen den ISG-Analysten zufolge mittlerweile über eigene KI-Lösungen, während andere diese über Drittanbieter und Partner dazuholen. Dies sei bei den klassischen IT-Service-Providern der Fall, die auf diese Weise produktunabhängige Services gewährleisten könnten. Bei den Anbietern bestimmter Technologielösungen und der damit verbundenen Services hingegen stehe und falle deren Marktposition mit der Attraktivität ihrer spezifischen Lösung.

Die Dritten im Bunde der Service-Anbieter seien regionale Unternehmen, welche jeweils einen nationalen Markt besonders gut kennen. Diese verfügen ISG zufolge ebenfalls über nennenswerte Marktanteile, seien jedoch bei den großen internationalen Banken weniger vertreten. Von allen Anbietern gleichermaßen erwarten die Kunden laut ISG zudem umfangreiches Know-how im Bereich der Regulatorik, da dieses Thema imer wichtiger werde.

Im Teilmarkt der „Know-Your-Customer/Anti-Money-Laundering Implementation Services“ untersuchte ISG insgesamt 18 Anbieter, wovon sich fünf als „Leader“ positionieren konnten und einer als „Rising Star“. Dies ist nach ISG-Definition ein Unternehmen mit „vielversprechendem Portfolio“ und „hohem Zukunftspotenzial“.