Technologie-Trends 2020: Security Automation und Management digitaler Identitäten

Ein Artikel von Herbert Sebald | 18.02.2020 - 12:20
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Das wichtigste Thema des Jahres ist Security Automation, denn im Rahmen der Digitalisierung und nicht zuletzt auch aufgrund der DSGVO werden Sicherheits-Aufgaben vielfältiger und umfangreicher. Auf den Plätzen zwei bis fünf stehen das Management von digitalen Identitäten, der Aufbau neuer Plattformen für Vertrieb, Kundenkontakt, ERP oder das Internet of Things (IoT), Schutz vor Bedrohungen durch IoT-fähige Geräte und der Einsatz von DevOps. Stark an Bedeutung gewonnen haben die digitale Geldbörse, Lösungen für virtuelle oder erweiterte Realität sowie der digitale Zwilling. Am deutlichsten war der Bedeutungszuwachs bei den Themen Security Automation und Cognitive Security, die eng zusammenhängen.

Weitere Ergebnisse

  • Der Einsatz intelligenter Technologien wie Machine Learning, Predictive Analytics oder Bilderkennung kommt nur langsam voran. Problem Nummer eins ist nach wie vor der Mangel an geeigneten Mitarbeitern. Die Situation hat sich gegenüber dem letzten Jahr aber leicht entschärft.
  • Die Nutzung von Cloud-Diensten ist in den vergangenen acht Jahren stetig gestiegen. Inzwischen kommen mehr als 70 Prozent aller IT-Services aus einer Cloud.
  • Die Abhängigkeit von Cloud-Anbietern schätzen die Nutzer der Dienste derzeit weder als vernachlässigbar gering noch als besorgniserregend hoch ein. Mehr als drei Viertel erwarten allerdings, dass sie in Zukunft steigt.
  • Knapp 61 Prozent der Unternehmen tauschen Daten entlang ihrer Lieferkette aus. Bei der Weitergabe von Daten an Dritte – beispielsweise Partner außerhalb der Lieferkette oder Wettbewerber – halten sie sich aber stark zurück.
  • Im Gegensatz zum Vorjahr deckt sich die Projektliste in diesem Jahr weitgehend mit der Prioritätenliste. Gearbeitet wird vor allem an der Implementierung der Technologien, die derzeit die höchste Bedeutung oder stark an Bedeutung gewonnen haben.

Offen für Regulierungen

Die Mehrheit der Studienteilnehmer findet es sinnvoll, sich selbst ethische Rahmenbedingungen zu geben, die Entscheidungen von intelligenten Systemen zu dokumentieren und Algorithmen aufzubewahren, was in einigen Anwendungsfeldern bereits Pflicht ist. Mehrheitlich Zustimmung finden auch die externe Überprüfung der Sicherheitsmaßnahmen gegen die Manipulation lernender Systeme sowie die Überprüfung der Trainingsdaten im Hinblick auf Diskriminierung. Letztere könnte von Externen oder einer unabhängigen Instanz innerhalb des Unternehmens durchgeführt werden, wie es bei anderen Compliance-Themen üblich ist.

Offenlegungspflichten für Algorithmen sowie die Beschränkung des Betriebs von intelligenten Systemen auf europäische Cloud-Anbieter treffen auf ein geteiltes Echo. Dagegen lehnt die Mehrheit die Offenlegung von Trainingsdaten und die Beschränkung der Einsatzgebiete durch den Gesetzgeber ab. „Unternehmen, die intelligente Technologien nutzen, erwarten, dass sie den Konkurrenzdruck weltweit deutlich verschärfen werden. Deshalb möchten sie nicht riskieren, durch zu große Restriktionen international den Anschluss zu verlieren“, erklärt Dr. Sven L. Roth.

Gezieltes Change Management

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Der erfolgreiche Einsatz intelligenter Technologien korreliert mit der Intensität, mit der Mitarbeiter informiert, mobilisiert und qualifiziert werden. Weitere Erfolgsfaktoren sind die Definition einer Strategie, die Veränderung von Prozessen, Umstrukturierungen und aktives Technologie-Management. Erfolgreiche Unternehmen betreiben ihre intelligenten Systeme auch häufiger als andere selbst. Sie schneiden generell bei der Digitalisierung und speziell bei der Erschließung neuer Geschäftsfelder in anderen Branchen deutlich besser ab als andere Unternehmen.

Der Sprung von einzelnen Pilotprojekten in die breite Anwendung ist offenbar immer noch schwierig. Deshalb sollten sich Unternehmen nicht verzetteln und nach den ersten Erfolgen zu viele Projekte gleichzeitig initiieren. Sie sollten besser klein anfangen, eine skalierbare technische Plattform aufbauen und einen Use Case nach dem anderen umsetzen.

Thomas Heimann, Enterprise Architect Director bei Capgemini und Co-Autor der IT-Trends-Studie