Startups in London und Berlin als innovative Vorreiter in der Krise

Ein Artikel von red | 14.05.2020 - 06:05

Anstatt der Produktion von Spirituosen oder High-End-Mode werden in den Fabriken Händedesinfektionsmittel und Masken hergestellt. Multinationale Automobilkonzerne wie Mercedes arbeiten mit dem University College London zusammen, um Beatmungsgeräte zu entwickeln. Startups auf der ganzen Welt nutzen ihre Flexibilität und passen sich an die neue Situation an, erweitern ihr Produktangebot oder ihre Dienstleistung.

Londoner sowie Berliner Startups in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Medtech, Edtech und Fintech haben sich dieser Herausforderung bereits frühzeitig gestellt. In den letzten Wochen gab es in beiden Städten viele Unternehmen, die als Reaktion auf die Covid-19-Krise Widerstandsfähigkeit und Innovation bewiesen haben.  

Medizin: Unterstützung an vorderster Front

Health-Apps wie Ada Health und Babylon Health möchten den derzeitigen Druck auf die öffentlichen Gesundheitsdienste verringern. Beide Startups führen neue Funktionen in ihre Apps ein, die Nutzer dabei unterstützen sollen, einfache Symptome von Covid-19 zu erkennen. Die Mitfahrdienste ViaVan und Ola bieten kostenlose oder ermäßigte Fahrten für Mitarbeiter des Gesundheitswesens an.

Um das britische Gesundheitssystem NHS zu unterstützen, gehen Unternehmen neue Wege: Das 3D-Druckstudio Hobs 3D konzentriert sich nun auf die Herstellung von Atemschutzventilen und -masken. Ein Arzt für Notfallmedizin gründete DeliverAid, eine Plattform, die Mahlzeiten für NHS-Mitarbeiter bereitstellt und lokale Lebensmittelhändler unterstützt. Die Lieferservice-App Deliveroo spendet 500.000 kostenlose Mahlzeiten an den NHS, während Fully Charged Mitarbeitern des NHS in London kostenlos Elektrofahrräder zur Verfügung stellt. 

Lernen: Sprachkompetenz für zu Hause

Da die Schulen in England weiterhin geschlossen bleiben und auch in Deutschland Schulen zunächst sukzessiv öffnen werden, stellen Edtech-Firmen ihre Plattformen für eine kostenlose Nutzung zur Verfügung, um die Schüler zu Hause zu beschäftigen. So hat beispielsweise Lingumi, eine App aus London zum Englischlernen für Vorschulkinder, kostenlose Pakete und Videos entwickelt. Die Berliner Sprachlern-App Babbel bietet allen Schülern und Studenten einen kostenlosen Zugang für einen Monat.

Technik: Schwarmwissen für kreative Lösungen

Online-Hackathons, bei denen nach Lösungen für Covid-19 gesucht wird, finden vermehrt statt. The Global Hack, der vom 13. bis 15. März stattfand, brachte 15.000 Programmierer, Ingenieure und Designer aus der ganzen Welt zusammen. In Deutschland nahmen beim 48-stündigen WirVsVirus-Hackathon 48.000 Menschen teil mit der Mission gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Anfang April launchte das britische Unternehmen Dataswift Hack from Home, einen globalen virtuellen Hackathon, um technologische Lösungen im Kampf gegen die Verbreitung von Covid-19 zu finden.  

Wir sind beeindruckt von der Widerstandsfähigkeit, Anpassungsfähigkeit und Innovationskraft, die Unternehmen in der globalen Pandemie an den Tag legen, um anderen zu helfen und ihre Communities zu unterstützen. Es gibt viele Beispiele von Unternehmen aus London und Berlin, die belastbar und anpassungsfähig sind.

Laura Citron, CEO bei London & Partners

Startup-Coaching: Hilfe aus den eigenen Reihen

Durch neue Projekte von Unterstützungsnetzwerken können Startups Online-Mentoring und -Coaching nutzen, um sich den aktuellen Märkten anzupassen und die Krise zu überstehen. Zudem bieten einige bestehende Dienste ihren Service pro bono an: Coaches und Mentoren der Berlin Startup School stellen beispielsweise kostenlose Online-Beratung zur Verfügung und All Together unterstützt in Großbritannien durch Pro-Bono-Coaching und Geschäftsberatung von der Pandemie betroffene Unternehmen.

Beispiele von Startups in London und Berlin

Ada Health

Das in Berlin gegründete Health-Startup Ada Health hat einen kostenlosen globalen COVID-19 Screener entwickelt. Menschen können mit diesem ihre Symptome erkennen und erhalten Handlungsempfehlungen. Der detaillierte Fragenkatalog der App ist gemeinsam mit medizinischen Experten entstanden. Die Plattform möchte die Gesundheitssysteme entlasten, indem sie Unterstützung und Lösungen für Menschen anbietet, die nicht als Risikogruppe zählen.

Ylenia Gortana

Das Berliner Modelabel Ylenia Gortana ist berühmt für sein Wear Tec Sortiment, darunter eine modische Tech-Jacke, die mit Sensoren ausgestattet ist, um als Musikinstrument zu fungieren. Das Unternehmen hat sich angesichts der aktuellen Situation von der Herstellung von Luxusbekleidung abgewandt und produziert und verkauft nun handgemachte chirurgische Masken.

Hobs 3D

Ein 3D-Druck-Studio in London, das normalerweise große lebensechte Modelle von Bauplänen herstellt, druckt nun Atemschutzventile und -masken für den NHS. In Zusammenarbeit mit universitären Forschungsabteilungen im Vereinigten Königreich hat Hobs 3D Prototypen gebaut und Modelle hergestellt, die in Krankenhäusern für Covid-19-Tests eingesetzt werden.

Starling Bank

Eines der Londoner Fintech-Startups hat die ‘Connected Card’ eingeführt, eine Ersatz-Debitkarte, die Kunden mit ihrem bestehenden Konto verknüpfen und an vertrauenswürdige Dritte weitergeben können. Freunde oder Nachbarn können im Namen des Kontoinhabers für Besorgungen und Einkäufe bezahlen. Die Karte reduziert den Bedarf an Banküberweisungen, Schuldscheinen sowie Bargeldzahlungen und ist nur für Einkäufe in Geschäften verwendbar.   

InkPact

Ein Tech-Startup, das zwischenmenschliche Beziehungen durch handgeschriebene Briefe fördert, hat die #CoLoveLetters Kampagne ins Leben gerufen. Das Londoner Unternehmen InkPact verschickt kostenlos 2.000 handgeschriebene Briefe an diejenigen, die lebenswichtige Gesundheitsleistungen erbringen oder isoliert sind, um diese Menschen aufzumuntern. Die Briefe können entweder an Individuen oder an eine Organisation geschrieben werden

Babbel

Die kostenpflichtige App zum Deutschlernen stellt ihre Dienste weltweit einen Monat lang kostenlos für Schüler und Studenten zur Verfügung, die von Schul- oder Universitätsschließungen betroffen sind. In den USA können Studenten an Hochschulen sogar drei Monate lang kostenlos auf Babbel-Unterricht zugreifen.