Fünf Thesen zum Banking der Zukunft 

Ein Artikel von Anton Taubenberger, Sector Lead Banking, Q_Perior Deutschland | 05.08.2020 - 06:43

These 1: Plattformen und Ökosysteme im Banking sind unumgänglich

Fakt ist, die Bankenwelt von morgen wird eine völlig andere sein. Einige wenige Universalbanken werden Plattformen à la Amazon entwickeln, Spezialbanken und weitere Finanzdienstleister bilden das Ökosystem. Banken müssen also jetzt die Bereitschaft zur Veränderung und viel Flexibilität aufbringen. Die zentrale Frage lautet: Wie sieht künftig die Rollenverteilung auf den Finanzmärkten aus, national wie international?

Viele der klassisch strukturierten Universalbanken, wie wir sie heute kennen, wird es morgen nicht mehr geben. Doch die gängigen Banken-Services werden natürlich auch zukünftig gebraucht – und zwar besser gebündelt und mit gut auffindbaren und konsumierbaren Informationen. Manches wird heute schon von Nicht-Banken dominiert, wie der digitale Zahlungsverkehr von PayPal und Co. Ich habe drei grundsätzliche Rollen für die Bankenwelt der Zukunft identifiziert:

Die Plattformanbieter: vor allem Universalbanken mit großem Kundenvolumen

Die Produktfokussierten: kleinere Banken, die sich auf Commodities – Kontoführung, Kredite, Karten und weitere skalierbare Services – spezialisieren und mit ihrem Angebot bei den großen Plattformen andocken

Die Service-Provider: Spezialisten für komplexe, beratungsintensive Produkte für Firmenkunden, Profi-Anleger oder vermögende Privatkunden

These 2: Banken brauchen eine moderne IT-Landschaft und FinTech-Strategie

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Die Herbstfärbung überzeugt in strahlenden Farben © Shutterstock

Viele Banken arbeiten heute noch mit jahrzehntelang gewachsenen, oft veralteten IT-Strukturen. Das reicht nicht mehr, um in den kommenden Jahren geschäftsfähig zu bleiben. Stattdessen müssen sich Banken modular aufstellen und ihre Produkte und Services in eine Layer-Architektur umbauen, um Produkte und Dienstleistungen künftig leichter anpassen zu können. Dazu gehört auch die sinnvolle Integration von FinTech-Unternehmen. So können die Erwartungen der Kunden – wie die Kontoverwaltung per App – flexibel bedient werden.

These 3: Nicht so zurückhaltend! Banken nutzen Kundendaten viel zu wenig

Banken wissen sehr viel über ihre Kunden. Allein die Kontobewegungen verraten viel über die Menschen. Das Bankgeheimnis wird aus gutem Grund sehr ernst genommen. Deshalb setzen die Geldinstitute bisher auf strikte Zurückhaltung, was den Umgang mit solchen Kundendaten betrifft. Das ist nicht mehr nötig! Solange die Vertraulichkeit bestehen bleibt und die gesetzlichen Grenzen eingehalten werden, können sie das riesige Potenzial nutzen, dass in diesen Daten steckt, und ihren Kunden Angebote machen, die genau auf ihre Bedürfnisse und Vorlieben abgestimmt sind. Kurzum, Banken können und müssen hier mutiger werden.

These 4: Weg mit der fixen Kostenstruktur! So sieht das Pricing von morgen aus

Auch beim Pricing gilt: Starre Lösungen funktionieren nicht mehr. Kunden erwarten auch von Banken, dass sie – analog zu anderen Branchen – ihre Produkte zu flexiblen, dynamischen Preisen anbieten. Daraus ergeben sich riesige Vertriebschancen. Doch bisher dominieren festgezurrte, unflexible Preis- und Produktmodelle den Markt.

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Autor: Anton Taubenberger, Sector Lead Banking, Q_Perior Deutschland 

These 5: Ein Virus transformiert die Bankenwelt – Banken müssen reagieren und sich für die Zukunft neu aufstellen

Der nahezu weltweite Lockdown hat medizinisch gesehen weitgehend den gewünschten Effekt gebracht – mit teils verheerenden Folgen für die Weltwirtschaft und letztlich auch für die Banken. Einmal mehr hat sich gezeigt, dass Banken den Herausforderungen der heutigen Zeit nur eingeschränkt gewachsen sind.

Blickt man in die Zukunft, kommt man schnell zu dem Schluss, dass eine grundlegende Transformation der Banken – insbesondere vor dem Hintergrund der notwendigen Effizienzsteigerungen und Kostensenkungen – längst überfällig ist. Megatrends wie beispielsweise die Individualisierung der Gesellschaft, das multimobile Zeitalter und neue Lebens- und Arbeitswelten werden die Bankenwelt nachhaltig verändern.

Die sich verändernde Konkurrenz zwingt Banken nun dazu, veraltete Geschäftsmodelle neu zu denken und sich mehr und mehr mit dem Thema „Plattformökonomie“ auseinanderzusetzen. Dies bedeutet allerdings auch große Investitionen in unsicheren Zeiten. Wer allerdings jetzt nicht neue Weichen stellt und notwendige Transformationen beginnt, wird die nächsten zwei bis drei Jahre möglicherweise nicht überleben. Fatale Auswirkungen auf den deutschen Bankenmarkt und auch auf den Standort Deutschland hätte dies zur Folge.