Payment auf Plattformen: Das Startup Banxware

Ein Artikel von Dunja Koelwel | 01.10.2020 - 10:53

Mit einem kleinen Team arbeitet Wohlfarth in der Nähe der Friedrichstraße an dem neuen Fintech Banxware. Und es soll schon bald losgehen: Das Kreditstartup befinde sich in Gesprächen mit großen Plattformen und Banken, die als Partner fungieren. Das Prinzip: Ein Restaurant, das auf einer Essenslieferplattform seine Gerichte verkauft, holt sich über die Plattform einen Kredit. Die Technologie stammt von Banxware. „Ein typischer Kunde erhält 15.000 bis 30.000 Euro und muss den Kredit in 12 bis 18 Monate zurückzahlen“, erklärt Mitgründer Fabian Heiß. Wenn der Händler Umsatz über die Plattform erzielt, wird ein Teil des Geldes einbehalten, um den Kredit abzuzahlen. Ein vergleichbares Kredit-Produkt gibt es etwa von Paypal. Und die Bank ING vergibt seit einiger Zeit Kredite an Amazon-Händler.

Was ist das Geschäftsmodell von Banxware?

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Miriam Wohlfarth ist Geschäftsführerin und Gründerin von Ratepay sowie Gründerin von Banxware und verantwortet die Bereiche Marketing und Vertrieb. Mit fast 20 Jahren Erfahrung im Online-Payment und Vertrieb war sie zuletzt Country Manager Deutschland des international agierenden Payment Service Providers Ogone (Ingenico Payment Services). Davor baute sie für die Royal Bank of Scotland (RBS) und deren Payment-Services-Tochter Bibit in Deutschland das Geschäft im elektronischen Zahlungsverkehr maßgeblich mit auf.

Miriam Wohlfarth: Banxware ist ein Software-as-a-Service Anbieter für integrierte Finanzdienstleistungen. Wir sind eine Middleware und ermöglichen es jedem Unternehmen, Darlehen sowie weitere Bankdienstleistungen an ihre Kunden oder Händler anzubieten.

Unser erstes bereits fertiggestelltes Produkt ist eine Sofort-Kreditlösung, die es Händlern auf digitalen Plattformen, Marktplätzen und bei Zahlungsdienstleistern ermöglicht, einen Kredit voll digital zu beantragen, digital abzuschließen und das Geld sofort ausbezahlt zu bekommen. Das Ganze dauert maximal 15 Minuten, bis das Geld auf dem Konto ist.

Unsere Lösung ist dabei voll integriert in das entsprechende Frontend und der Corporate Identity der Plattform. Die Kreditentscheidung erfolgt sofort online und wir übernehmen das gesamte Kreditmanagement über die Banxware-Lösung. Die Rückzahlung erfolgt durch die zukünftigen Umsätze des Händlers direkt aus den digitalen Zahlarten.
 
Unsere Vision geht jedoch noch weiter. Wir sehen, dass in Zukunft Banken nicht mehr die Kundenschnittstelle besetzen werden. Bankdienstleistungen werden zu einem Bestandteil eines größeren Ganzen. Im Payment-Bereich hat sich das schon sehr weit durchgesetzt. Beispiel uber: Die Abwicklung der Zahlung passiert einfach – vollkommen integriert in das eigentliche Produkt “Transport”. Was mit Payment heutzutage schon Standard ist, werden wir für viele weitere Finanzprodukte ermöglichen wie  Kredite, Konten, Kredit- oder Debitkarten.

Im Grunde ist das Geschäftsmodell „Payment auf einer Plattform. Wieso ist diese Idee erst jetzt reif für den Markt? Musste erst Präsenz geschaffen werden durch die ganzen Plattform-Diskussionen über Alibaba und Co?

Miriam Wohlfarth: Die hohe Nachfrage im Markt ergibt sich letztlich aus zwei Entwicklungen, die aus der zunehmenden Digitalisierung resultieren:

Erstens, die Banken verlieren mehr und mehr die Kundenschnittstelle und werden damit zur reinen Infrastruktur. Sie sind dadurch vermehrt auf Innovation von außen angewiesen, um ihre Kunden zu erreichen. Zudem führen zunehmende regulatorische Anforderungen dazu, dass Kundenidentifikationsprozesse immer komplexer werden und nur mit Einsatz von AI und ML wirklich schnell und effizient durchgeführt werden können. Diese Form der Technologie können nur Fintechs liefern, vor allem diejenigen, die sich auf den Bereich spezialisiert haben.

Die zweite Entwicklung ist der zunehmende Trend nach Online Plattformen, der zu einem erhöhten Wettbewerb der Plattformen untereinander führt. Um Händler schließlich für sich zu gewinnen und langfristig an sich zu binden, müssen Plattformen ihren Kunden einen zentralen Mehrwert liefern.
Aufgrund steigender Regulierung und mangelnder Digitalisierung ist der Kreditvergabeprozess bei traditionellen Banken oftmals nur sehr mühselig und langsam. Können Online Plattformen ihren Händlern Kredite und andere Finanzservices bieten und dann auch noch in Echtzeit, verbessert sich ihre Wettbewerbsposition im Markt deutlich.

Letztlich ist also die zunehmende Digitalisierung und der erhöhte Wettbewerb der Treiber und der Grund, dass Banken und Plattformen sich einen starken Partner und ein Technologieunternhemen, wie Banxware an die Seite stellen. So profitieren Sie von unseren Innovationen und den schnellen Prozessen während sie sich voll und ganz auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. 

Banxware baut einen Teil des Kernbanksystems selbst auf. Was sind da die Herausforderungen?

Miriam Wohlfarth: Eines vorab: Wir sind keine Bank, – wir bauen daher also kein Kernbankensystem. Wir haben schon sehr früh festgestellt, dass wir zu große Abstriche eingehen und einen hohen Integratoinsaufwand haben würden, wenn wir auf die bestehenden Kernbanksysteme der Banken setzen. Der Grund, weshalb wir uns für ein modernes, modulares und cloudbasiertes Kernbankensystem entschieden haben, ist, dass wir eine herausragende User Experience und höchstmögliche Flexibilität erreichen, dabei aber keine Abstriche in Sachen Sicherheit und regulatorischer Konformität eingehen wollen.

Händler, die über uns einen Kredit beantragen, haben innerhalb von 15 Minuten den Kreditbetrag ausbezahlt auf ihrem Konto. In diesen 15 Minuten passiert das gesamte Onboarding, die Verifizierung, die Kreditentscheidung und schließlich die Auszahlung - das könnte eine Bank niemals leisten.

Um diese Geschwindigkeit zu ermöglichen, ist es wichtig, dass wir nicht von den Prozessen der Banken abhängig sind, sondern unsere eigenen Prozesse gestalten können und dafür benötigen wir auch eigene Systeme. Das macht die Zusammenarbeit mit sowohl Banken als auch Plattformen leichter. 

Mit all diesen Services gibt es viele Berührungspunkte mit Banken. Wie laufen die Gespräche?

Miriam Wohlfarth: Sehr gut. Wir sind mit vielen Banken im Gespräch. Wir ermöglichen Banken ja schließlich über einen Multiplikator, nämlich die Plattform, auf einen Schlag den Zugang zu großen Kundengruppen, die bisher schwer erreichbar waren. Das ist für die meisten Banken sehr lukrativ und somit ist das Interesse groß. 

Was würden Sie sich von Banken wünschen, was vermissen Sie dort?

Miriam Wohlfarth: Banken müssen aufwachen! Sie haben längst die Kundenschnittstelle verloren und sind auf die Zusammenarbeit mit Fintechs angewiesen, um Zugang zu Innovation und Kunden zu erhalten. Banken brauchen Fintechs und Fintechs brauchen Banken. Es besteht also eine gegenseitige Abhängigkeit und das ist in meinen Augen ein guter Grund sich auf eine Kooperationen einzulassen.