Payment auf Plattformen: Die Initiative des Otto Konzerns

Ein Artikel von Dunja Koelwel | 01.10.2020 - 11:07

Nun ist es offiziell: Otto weitet seine Aktivitäten im Bereich Payment aus und baut eine eigene Payment-Gesellschaft auf. Ziel ist es, Kunden und Marktplatzpartnern auf otto.de künftig die Zahlungsabwicklung aus einer Hand anzubieten: übersichtlich, einfach und komfortabel. Ein logischer, nächster Schritt im Rahmen der Geschäftsmodell-Transformation hin zur Plattform. Als Payment-Dienstleister will Otto künftig die vollständige Abwicklung des Payment-Vorgangs übernehmen. Es geht darum, die technische Anbindung und Abwicklung von Online-Bezahlmethoden wie Rechnungskauf, Ratenzahlung oder Kreditkarte einheitlich zur Verfügung zu stellen. Otto werde sich dabei um alle Formalitäten im Bezahlprozess wie Rahmenverträge mit Zahlarten und Risikoprüfungsprozesse kümmern und dafür sorgen, dass rechtliche Anforderungen eingehalten werden.

Sie werden mit Ihrem Team eine eigene Payment-Gesellschaft aufbauen – was heißt das konkret für den Konzern Otto?

Mirko Krauel: Otto transformiert sein Geschäftsmodell zur Plattform und baut in diesem Zuge auch einen eigenen Marktplatz auf. Damit öffnen wir uns für Dritte, die zukünftig ihre Waren auf otto.de verkaufen. Als Payment-Dienstleister übernehmen wir diese komplette Zahlungsabwicklung zwischen unseren Kunden und den Verkäufern im Onlineshop. Wir bauen sozusagen eine eigene, virtuelle Ladenkasse auf. Es geht darum, die technische Anbindung und Abwicklung von Online-Bezahlmethoden, wie beispielsweise Rechnungskauf, Ratenzahlung oder Kreditkarte einheitlich zur Verfügung zu stellen. 

Und was soll diese Gesellschaft leisten?

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Mirko Krauel ist seit 2019 Head of Payments bei Otto. Davor hat er als CEO die Otto Group Tochter Collect AI aufgebaut: Das Hamburger Fintech bietet eine Software-Plattform für interaktive Rechnungen und intelligentes Mahnwesen, basierend auf Künstlicher Intelligenz. Seine langjährige Payment-Expertise nutzt er bei Otto für den Aufbau einer eigenen Payment-Gesellschaft – den nächsten, logischen Schritt in der Transformation des Unternehmens hin zur Plattform.

Mirko Krauel: Wir kümmern uns um die Schnittstelle zwischen Kunden und Verkäufern auf otto.de. Das hat viele Vorteile: Für unsere Kunden wird der Bezahlvorgang am Ende einer Bestellung dadurch einheitlich und übersichtlich gestaltet. Sehr vereinfacht könnte man sagen: Eine Rechnung pro Bestellung und die Nutzung aller Zahlungsarten, wie Rechnungs- oder Ratenkauf, für alle Käufe, die auf otto.de, getätigt werden – unabhängig davon bei welchem Händler sie kaufen.

Für alle Verkäufer auf otto.de gibt es das Payment-Rundum-Sorglos-Paket. Wir kümmern uns um alle Formalitäten beim Bezahlprozess, wie zum Beispiel Rahmenverträge mit Zahlarten oder Risikoprüfprozesse und wir sorgen dafür, dass rechtliche Anforderungen eingehalten werden. Bei Otto verfügen wir über jahrzehntlange Erfahrung, unter anderem beim Thema Risikoprüfungen. Davon können künftig auch unsere Partner profitieren und sich auf ihr Kerngeschäft – den Verkauf von Waren – konzentrieren.

Startschuss wann?

Mirko Krauel: Die Gesellschaft wird in den nächsten Wochen gegründet und übernimmt sukzessive erste, kleinere Aufgaben. Ein weiterer Schritt ist die Beantragung einer Lizenz zur Erbringung von Payment-Dienstleistungen bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, kurz BaFin. Vorbehaltlich der Zustimmung der BaFin ist im Frühjahr 2022 mit dem GoLive zu rechnen.

Stehen die Lösungen nur Unternehmen innerhalb des Otto Konzerns zur Verfügung oder soll die Lösung für alle offen sein?

Mirko Krauel: Mit unserer Payment-Gesellschaft konzentrieren wir uns auf die Abwicklung der Zahlung zwischen Endkunden, Marktplatz und Marktplatzpartnern - und zwar auf otto.de. In weiteren Ausbaustufen ist es denkbar, das Angebot auf interessierte Händler und Marktplätze der Otto Group auszuweiten. Wir entwickeln keine Produkte, für andere Plattformen außerhalb der Otto Group.

Im Grunde ist ja das Geschäftsmodell „Payment auf einer Plattform“. Wieso ist diese Idee erst jetzt reif für den Markt? Musste erst Präsenz geschaffen werden durch die ganzen Plattform-Diskussionen über Alibaba und Co?

Mirko Krauel: Mit dem Start der Transformation zur Plattform stand zunächst das große Thema Partneranbindung im Zentrum unserer Aktivitäten. Die Anbindung läuft mittlerweile automatisiert. Um möglichst schnell mit dem Partnermodell loszulegen, haben wir in den vergangenen Monaten zunächst auf externe Zahlungsdienstleister gesetzt. Jetzt gehen wir den nächsten Schritt und bauen eine eigene Payment-Gesellschaft auf. Diese Möglichkeit haben wir von Anfang an mitgedacht, da wir als Unternehmen in diesem Themenfeld über eine jahrzehntelange Erfahrung verfügen, beispielsweise bei Rechnungs- und Ratenkauf.

Mit all diesen Services haben Sie auch viele Berührungsprunkte mit Banken. Wie laufen die Gespräche?

Mirko Krauel: Das Thema hat für reges Interesse gesorgt und wir sind mit verschiedensten Parteien aus dem Finanzsektor in einem guten Austausch.

Was würden Sie sich von Banken wünschen, was vermissen Sie dort?

Mirko Krauel: Wir arbeiten mit erfahrenen internen und externen Fachexperten an dem Aufbau unseres eigenen Payment-Dienstleisters. Generell gilt: Wir bewegen uns hier im regulierten Bereich. Genauigkeit und enorm hohe Qualität sind das oberste Credo.