Banken erkennen keine Anzeichen für Geldwäsche und Menschenhandel

Ein Artikel von red | 08.10.2020 - 08:44

In der Studie werden die größten Herausforderungen und die Reaktionen der Finanzinstitute bezüglich der 22 Geldwäschedelikte (2) analysiert und aufgezeigt, inwiefern die Branche angesichts der Tatsache, dass diese Straftaten weiter zunehmen, auf diese Herausforderung vorbereitet ist und Bereitschaft zeigt, diese Probleme anzugehen.

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Menschenhandel - eine sehr reale Bedrohung im Jahr 2020

Es gibt aktuell über 2,4 Millionen Opfer von Menschenhandel. Damit ist diese Straftat, die als relevanteste Quelle für kriminelles Einkommen weltweit und somit als wesentliche Vortat für Geldwäsche gilt, eines der weltweit am häufigsten vorkommenden Geldwäschedelikte. Das Problem vergrößert sich weiter, da Banken und andere Finanzinstitute Schwierigkeiten haben, Verstöße bei Transaktionen zu erkennen und zu unterbinden.

Die jüngste Studie von BAE Systems ergab, dass mehr als ein Drittel (36%) der befragten Fachleute der Finanzinstitute sich nicht zutraut, Anzeichen von Menschenhandel bei den Transaktionen ihrer Kunden sicher zu erkennen. Weitere 28 Prozent gaben an, dass kriminelle Finanztransaktionen, die Menschenhandel ermöglichen, ihren Instituten bereits erhebliche finanzielle Verluste verursachten. Die Gesamtkosten, die den Finanzinstituten zur Aufdeckung von Finanzkriminalität entstehen, belaufen sich aktuellen Daten zufolge weltweit auf 180,9 Milliarden US-Dollar und auf 138,8 Milliarden US-Dollar in Europa.

Über ein Viertel (26%) der Finanzinstitute musste Finanzkriminalität im Zusammenhang mit Menschenhandel melden und untersuchen und drei Viertel (75%) haben kein Vertrauen in ihre Fähigkeit, Anzeichen von Menschenhandel bei Transaktionen zu erkennen.

Kunden zu Bankwechsel bereit, wenn diese keine ethische Haltung zeigen

Eine klare ethische Haltung ist den befragten Kunden der Finanzinstitute zufolge der Schlüssel zur Markentreue. Drei Viertel (75%) der Kunden würden ihre Bank oder ihr Finanzinstitut wechseln, wenn diese nicht aktiv gegen Geldwäsche vorgeht. 84% der Befragten weltweit sind der Ansicht, dass es für Banken wichtig ist, ihre ethische Haltung durch Taten zu demonstrieren. Fast die Hälfte (43%) der Fachleute der Finanzinstitute, die zu diesem Thema befragt wurden, sagten, dass sie Geldwäsche den Aufsichtsbehörden melden, da ihnen bewusst ist, dass ihre Kunden wissen möchten, dass ihre Bank sich ethisch korrekt verhält.

Wie viele Banken verfügen über eine Strategie zur Bekämpfung der Geldwäsche?

Da der Menschenhandel einen enorm wichtigen Anteil am Problem der Geldwäsche darstellt, müssen die Finanzinstitute prüfen, wie eine bessere Strategie zur Bekämpfung der Geldwäsche auf den Weg gebracht werden kann. Fast ein Fünftel (19%) der weltweit befragten Experten der Finanzinstitute sagten der Umfrage zufolge, dass sie aktuell jedoch noch nicht über eine Strategie zur Bekämpfung der abscheulichsten Geldwäscheverbrechen verfügen.

Es besteht auch eine ernste und akute Gefahr, dass die Covid-19-Pandemie einen Rückschlag bewirkt. Drei von vier Befragten (72%) sagten der Umfrage zufolge, dass Covid-19 sich auf ihre Vorgehensweise beim Aufspüren und Verfolgen von Geldwäsche und auf die Investitionen in diesen Bereich ausgewirkt hat. 43% der Banken und Versicherer gaben an, dass sie im Kampf gegen Geldwäsche in den nächsten fünf Jahren bessere Technologien benötigen und einsetzen wollen.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie

Top 10 Geldwäschedelikte, über die Finanzexperten am meisten besorgt sind

 1.  Finanzbetrug

 2.  Korruption

 3.  Beteiligung an einer organisierten kriminellen Vereinigung

 4.  Cyberkriminalität

 5.  Terrorismus

 6.  Illegaler Handel mit Drogen

 7.  Steuerstraftaten im Zusammenhang mit direkten und indirekten Steuern

 8.  Menschenhandel und Schleusung von Migranten

 9.  Insiderhandel und Marktmanipulation

10.  Piraterie 

Top 10 Geldwäschedelikte mit den größten finanziellen Auswirkungen auf Finanzinstitute

 1.  Finanzbetrug

 2.  Korruption

 3.  Menschenhandel und Schleusung von Migranten

 4.  Terrorismus

 5.  Beteiligung an einer organisierten kriminellen Vereinigung

 6.  Illegaler Handel mit Drogen

 7.  Illegaler Handel mit gestohlenen Waren und anderen Gütern

 8.  Sexuelle Ausbeutung

 9.  Piraterie

10.  Geldfälschung 

Top 10 Sorgen aus Sicht der Finanzexperten bezüglich Geldwäsche

 1.  Auswirkungen auf das Image der Branche

 2.  Persönlicher / beruflicher Reputationsschaden

 3.  Unschuldige Kunden werden betrogen

 4.  Finanzielle Kosten für Unternehmen

 5.  Auswirkungen auf die Reputation des eigenen Unternehmens

 6.  Die menschlichen Kosten krimineller Aktivitäten

 7.  Unsere Probleme, illegale Transaktionen zu stoppen

 8.  Unbeabsichtigter Beitrag zu kriminellen Aktivitäten

 9.  Schwierigkeiten bei der Identifizierung der Geldwäsche

10.  Schwierigkeit, Geldwäsche zu verhindern 

Die Studie "The global state of anti-money laundering - What consumers think and why that matters" steht kostenlos zum Download zur Verfügung.