#getinspired: Metaco – warum die Infrastruktur zählt

Ein Artikel von Dunja Koelwel | 11.08.2020 - 06:54

Erzählen Sie doch ein wenig über Ihr Unternehmen?

Adrien Treccani:  Metaco ist ein Startup-Unternehmen in der französischsprachigen Schweiz und bekannt als Technologie-Dienstleister im Bereich von Krypto-Währungen und digitalen Assets. 

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Adrien Treccani, CEO von Metaco 

Was ist Ihr USP, was unterscheidet Sie von Ihren Konkurrenten?

Adrien Treccani:  Metaco ist ein Technologieunternehmen, das sich rein auf die Bereitstellung einer soliden Infrastruktur für digitale Vermögenswerte für Banken konzentriert. Einige Unternehmen auf dem Markt sind entweder in der Lieferkette regulierter Dienstleistungen nach oben gerückt (was wir nicht tun, so dass wir vollständig auf unsere Kunden ausgerichtet sind und uns auf die Technologie konzentrieren), oder sie konzentrieren sich in erster Linie auf kryptoeigene Unternehmen (z.B. Kryptobörsen), die sehr unterschiedliche Anforderungen haben. Als solches hat Metaco viele Arten von Banken unterstützt, von Privatbanken, FintechBanken, Retailbanken und Global Custodian Banks.  

Was war die Idee, die zur Gründung von Metaco führte?

Adrien Treccani:  Wir waren der festen Überzeugung, dass Kryptowährungen zu einer neuen, mehrere Billionen umfassenden Anlageklasse werden würde und dass die Tokenisierung sich als Norm für alle möglichen traditionellen Anlageklassen etablieren würde. Unser Timing war nicht ideal, da wir zu früh auf den Markt kamen. 2016 waren die Banken noch nicht wirklich bereit einzusteigen, das Ökosystem war zu jung und die Kundennachfrage gering. Der Markt ist eigentlich erst 2017 entstanden. Unser Vorsprung ermöglichte es uns jedoch, wichtige Kunden und Partner zu gewinnen und die Dynamik bis heute aufrechtzuerhalten. 

Wer ist Ihre Zielgruppe?

Adrien Treccani:  Wir wenden uns an Tier1-Tier3-Bankinstitute und Anbieter von Finanzinfrastrukturen, hauptsächlich in Westeuropa und Südostasien. Unsere Aktivitäten in Nordamerika sind im Entstehen begriffen. 

Kürzlich hat Metaco neu 17 Millionen Schweizer Franken aufgebracht. An der Finanzierungsrunde beteiligten sich auch etablierte Banken. Heißt das, dass Krypto-Währungen in der Finanzwelt Einzug halten?

Adrien Treccani:   Ja. Krypto-Währungen und ganz allgemein digitale Vermögenswerte kommen auch in der traditionellen Finanzwelt an.  2017 war das Jahr der Einführung von Kryptowährungen bei Privatkundenbanken. 2018 war das Jahr des Proof of Concepts (POCs) im Bankwesen, als die Banken mit Blockchain und Distributed Ledger Technology (DLT) experimentierten, Anwendungsfälle testeten und die Kundennachfrage validierten.

Seit 2019 konnten wir beobachten, wie Banken Geschäftsfälle validierten und in Produktion gingen, insbesondere in Ländern wie Deutschland, der Schweiz und Singapur, in denen die Aufsichtsbehörden klare Regelungen für digitale Vermögenswerte haben. Dieser Trend hat sich im Jahr 2020 erheblich beschleunigt. Obwohl sich die produktiven Umsetzungen unserer Kunden hauptsächlich auf Kryptowährungen konzentrieren, wollen selbst die konservativsten Institutionen, die sich mit den Kryptowährungen noch nicht wohl fühlen, sicherstellen, dass sie über Fähigkeiten im Hinblick auf Tokenisierung und Asset-Servicing verfügen. Interessanterweise haben die US-Regulierungsbehörden gerade angekündigt, dass sie die Einführung von Kryptowährungen im Bankensektor begrüßen; ich gehe davon aus, dass der Markt einen Boom erleben wird. 

Welche Unterstützung erwarten Sie von Avaloq und Giesecke?

Adrien Treccani:  Als Technologieunternehmen brauchen wir starke Partner, die uns bei der Entwicklung und dem Vertrieb unserer Lösungen unterstützen. Avaloq ist ein führender Anbieter von Kernbankeninfrastrukturen und ein Pionier im Bereich Digital Assets; das Unternehmen hat SILO, die Digital Asset Management-Plattform von Metaco, vollständig integriert, so dass nun jede der 150 Banken, die mit Avaloq arbeiten, digitale Assets wie Kryptowährungen und Token nutzen kann.

Giesecke+Devrient ist ein führendes Sicherheitsunternehmen, das aktiv Lösungen für physisches Geld und digitalen Zahlungsverkehr entwickelt hat; die Verbindung zu Giesecke+Devrient erlaubt uns, bestehende Kompetenz im Bereich der Digitalisierung nationaler Währungen (auch Central Bank Issued Digital Currencies / CBDC genannt) auszubauen und wir haben einen unglaublichen Partner gefunden, der unsere bestehende Partnerschaft mit der in Lausanne ansässigen SICPA ergänzt. 

Die Krypto-Frage: Was ist Ihre Einschätzung von Facebook’s Libra? Und was sind Ihre "bevorzugten Krypto-Währungen"?

Adrien Treccani:  Ich bin sehr gespannt auf die Libra-Initiative. Stable Coins (d.h. Kryptowährungen, die durch nationale Währungen gedeckt sind und daher eine geringe Volatilität aufweisen) mit einem Potenzial für die Massenanwendung sind in der Digital AssetSzene notorisch vermisst worden. Die Idee eines Ökosystems, das in der Lage ist, Peer-to-Peer-Transaktionen mit einer quasi-nationalen Währung, die von soliden Institutionen unterstützt wird, zu verarbeiten, ergibt durchaus Sinn. Ich sehe Libra nicht als Konkurrenz zu bestehenden Kryptowährungen, sondern eher als notwendige Ergänzung: bitcoin wird seine Alleinstellungsmerkmale (z.B. deflationäres Modell, völlig ‘permissinoless’ und zensurresistent) beibehalten.  

Bevorzugte Kryptos: - Bitcoin: weil Bitcoine ein großes Potenzial zur Absicherung gegen Inflationsdruck hat und weil sich die Kryptowährung in den letzten 10+ Jahren als äußerst widerstandsfähig gegen alle Arten von Angriffen erwiesen hat. - Ethereum: weil es die erste Plattform ist, die den Begriff der Smart Contracts, die heute so viele unglaubliche Anwendungsfälle haben, erfolgreich eingeführt hat. - Einige der DeFi-Initiativen, die versprechen, viele Finanzprozesse zu revolutionieren (z.B. Dai, Augur).