„Die Zukunft gehört Invisible Payments“

Ein Artikel von red | 25.02.2020 - 10:33
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Beim Bezahlen einer App sind Invisible ­Payments heute schon Standard

Welche Rolle spielt der Zahlungsverkehr für die Zukunft der Finanzwirtschaft?

Ralf Baust: Diese Frage müssen wir differenziert betrachten: Der klassische kontogebundene Zahlungsverkehr mit SEPA läuft stabil und vereinfacht insbesondere grenzübergreifende Zahlungen. Instant Payments (IP) hingegen haben noch nicht den Status des „New Normal“ erreicht. Immerhin: Die Basisinfrastruktur steht. Damit ist eine wichtige Voraussetzung für die schnellen Zahlungsströme in der komplett digitalisierten Wirtschaft von morgen geschaffen. Um die Banken und ihre Kunden fit für den globalen Wettbewerb der Zukunft zu machen, muss viel mehr geschehen.

Woran fehlt es konkret und was ist zu tun?

Wenn es darum geht, die Kundenschnittstelle am Point of Interaction besser zu bedienen, vermisse ich – anders als bei SEPA und IP – die politische Initiative Europas und den Druck der EZB. Wenn Finanzinstitute und Wirtschaft insgesamt europaweit nicht schnell agieren, werden sie den Markt an etablierte Player wie Mastercard, Visa und PayPal, aber auch die BigTechs Apple, Google, Facebook und andere verlieren. Statt sich durch komplexe APIs abzuschotten, müssen alle Finanzinstitute gemeinsam mit Partnern und Kunden Zahlungsströme und Transaktionen aller Art beschleunigen.

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„Instant Payments (IP) haben noch nicht den Status des „New Normal“ erreicht. ­Immerhin: Die Basisinfrastruktur steht. “  Ralf Baust, Head of Banking, NTT DATA Deutschland GmbH © CHRISTOPH VOHLER MUNICH

Wo sehen Sie die größten Chancen und Herausforderungen für die Zukunfts­fähigkeit der europäischen Finanzwirtschaft und ihrer Kunden?

Die Zukunft gehört Invisible Payments. Beim Bezahlen einer App sind sie ja heute schon Standard. Künftige Szenarien sind Machine2Machine-Zahlungen, wenn beispielsweise Komponenten von Industrie­anlagen Nutzungszeiten selbsttätig abrechnen oder Ersatzteile bestellen. Oder wenn beim Verlassen eines Parkhauses automatisch eine Zahlung erfolgt. 

Welche Technologien sind für zukunfts­fähigen Zahlungsverkehr erforderlich?

Für die genannten Szenarien bietet sich eine Trusted-Distributed-Ledger-Technology-(DLT)-Infrastruktur an, die Sensorik-generierte Informationen verarbeiten kann. Im Kern geht es ja darum, wettbewerbsfähige Zahlungsverkehrsarchitekturen für die ­Dematerialisierung von Assets im Finanzbereich und unterschiedlichste neue Geschäftsmodelle bereitzustellen. Dabei ist die intelligente Auswahl und Kombination technologischer Alternativen wie Künstliche Intelligenz, RPA, Cognitive Automation, Cloud oder eben Distributed-Ledger-Lösungen gefragt. 

Neue Zahlungsverkehr-Lösungen ent­wickeln und ausrollen erfordert Aufwand. Wie können Finanzinstitute diese Herausforderung meistern?

Das funktioniert nur mit starken Partnerschaften auf internationaler Ebene. Zum Beispiel bei Trusted Blended Payments, also vertrauensvollen, sicheren Zahlungstransaktionen im Hintergrund. Dazu müssen sich virtuelle Ökosysteme unterschiedlicher Industrienetzwerke, etwa zwischen den Finanzdienstleistern und der Fertigungsbranche zu integrierten Plattformen zusammenschließen. Hier ist Co-Creation ein sehr erfolgreiches Verfahren, mit dem Unternehmen solche Kooperationen in ­einem sicheren Umfeld aufbauen, weil es eine konsensorientierte Verteilung von ­Aufgaben und Nutzen fördert.