Nach der Industrie 4.0 kommt jetzt der nächste Schritt: die Society 5.0.

Ein Artikel von Kai Grunwitz, Senior Vice President EMEA bei NTT Security | 09.09.2019 - 12:19
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Die Vernetzung der digitalen Society im Überblick © NTT

Die obersten Ziele der Society 5.0 sind die Verbesserung der Lebenswelt und die Erhöhung der Lebensqualität. Das Fundament bilden digitale Infrastrukturen, Plattformen und Services. Sie basieren auf smarten Technologien wie KI, Robotik, IoT und Blockchain, aber auch auf Augmented und Virtual Reality oder RPA. Diese Technologien haben inzwischen einen Reifegrad erreicht, der die größten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umwälzungen seit der industriellen Revolution ermöglicht. Und davon sind alle Branchen mehr oder weniger stark betroffen – die Finanzindustrie bildet hierbei keine Ausnahme. 

Smarte Technologien werden die Basis unterschiedlichster Anwendungsfälle bilden: für die Vernetzung von Fortbewegungsmitteln mit „Smart Mobility“, für eine nachhaltige Ressourcennutzung mit „Smart Resources“, für einen höheren Bewohnerkomfort in der „Smart City“, für den Aufbau hochmoderner Produktionsumgebungen in der „Smart Factory“, für einen schlanken Staat mit „Smart Government“ und für eine intelligente Gesundheitsfürsorge mit „Smart Healthcare“. 

Bei der Umsetzung der Society 5.0 gibt es drei zentrale Aufgaben: gesellschaftliche Akzeptanz schaffen, die Nutzenargumentation vorantreiben und die Bildungssysteme anpassen. Die gesellschaftliche Akzeptanz ist die Grundvoraussetzung, um die Society 5.0 erfolgreich zu gestalten. Dazu ist eine überzeugende Nutzenargumentation unabdingbar. Es muss gezeigt werden, welche generellen Chancen und konkreten Vorteile die Society 5.0 bietet. Vor allem auch das Bildungssystem muss darauf ausgerichtet werden – und zwar in Forschung und Lehre gleichermaßen. Durch die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung der Lebenswelt sind Universitäten wie Schulen in der Pflicht, ihre Bildungsprogramme für Digital Natives anzupassen, gerade auch hinsichtlich der Qualifizierung der nächsten Generation für den Arbeitsmarkt von morgen. 

Im Kontext von Socity-5.0-Modellen muss zudem immer klargestellt werden, dass eine reine Technologie- und Innovationsgläubigkeit der falsche Ansatz ist. Gesellschaftliche, ethische und juristische Fragen müssen beantwortet und entsprechende Leitlinien vorgegeben werden. Auch das Thema Sicherheit spielt eine maßgebliche Rolle – gerade im Finanzbereich. Society 5.0 bedeutet auch, dass erhebliche Mengen persönlicher Daten erhoben und systemübergreifend ­geteilt werden. Das Ergreifen adäquater ­Sicherheitsmaßnahmen ist hier ein absolutes Muss; dabei wird auch an der Konzeption völlig neuer Lösungen und Services für die zunehmend vernetzten Systeme und ­Applikationen kein Weg vorbeiführen. 

Eines steht fest: Die weitere Digitalisierung ist nicht aufzuhalten – und ebenso wenig die Society 5.0. Nur so können künftige soziale und ökonomische Herausforderungen moderner Industriegesellschaften bewältigt werden. Eine offene und kritische Auseinandersetzung mit der digitalen Zukunft ist für Politik, Gesellschaft und Industrie deshalb eine absolute Notwendigkeit – und zwar nicht irgendwann, sondern hier und jetzt.