Eine hypervernetzte Welt

Ein Artikel von red | 26.02.2020 - 14:54
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Die Sibos gehört zu den wichtigsten internationalen Events der Finanzbranche © Ben Phillips

Die Sibos 2019 mit dem Titel „Erfolgreich in einer hypervernetzten Welt“ hat neue Rekorde aufgestellt. An der jährlichen ­Leitveranstaltung der Finanzwelt, die im Londoner Exel Convention Centre stattfand, nahmen 213 Aussteller, 119 FinTechs und mehr als 11.500 Besucher aus 152 Ländern teil. Die seit Jahren steigenden Teilnehmerzahlen zeigen das wachsende, außerordentlich große Interesse von Finanzdienst­leistern, FinTechs und Beratern an einer aktiven Gestaltung des tiefgreifenden ­Wandels in der Finanzindustrie. 

Das Programm bot an vier Konferenztagen mit 680 Referenten und 375 Konferenzveranstaltungen – darunter Paneldiskussionen, Präsentationen, Vorträge und Debatten – eine umfassende Bestandsaufnahme, Analyse und Diskussion der Kernherausforderungen und „Big Issues“ der globalen Finanzindustrie. In London ging es in diesem Jahr um fünf übergeordnete Themenfelder („Streams“): Verbesserung der digitalen Ökosysteme, Geopolitik und Regulierung, Cyber-Sicherheit optimale Datennutzung sowie Faktor Mensch. Das weitgefächerte Gesamtprogramm bot zudem umfassende Informationen und Nachrichten für Marktteilnehmer sowie den unmittelbaren Austausch zu allen wichtigen Entwicklungen auf den globalen Märkten.

Geopolitik wird für die Branche zu wichtigem Faktor

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Auch Entwickler und Trendsetter der Bankendigitalisierung tauschten sich auf der Sibos aus © Ben Phillips Photography

Das Sibos-Plenum wurde von Dame ­Minouche Shafik, Director der London School of Economics and Political Science (LSE), eröffnet. Im Rahmen eines Gesprächs mit Roula Khalaf, Editor der Financial Times, erweiterte sie das Konferenzmotto um einen zusätzlichen Aspekt: ­Neben dem epochalen Umbruch durch die Digitalisierung müsse die Finanzbranche auch ein politisch wesentlich unsichereres Umfeld meistern. Vor allem der zunehmende handelspolitische Protektionismus könne auch Auswirkungen auf Institutionen wie SWIFT haben, so Shafik, da sich neben dem Dollar-basierten Welthandelssystem ein zweites Renminbi-basiertes System unter chinesischer Führung etablieren könne. Insgesamt zeichnete sie jedoch trotz aller aktuellen Herausforderungen für die Finanzbranche wie der anhaltenden Niedrigzinspolitik und dem Brexit ein vorsichtig ­optimistisches Bild hinsichtlich der Zukunftsperspektiven. Im Anschluss leitete SWIFT Chairman Yawar Shah zu den spezifischen Sibos-Themen über. Dabei stellte er zwei Punkte heraus: Erstens ist die Transformation der Branche nicht mehr ein reines Strategiethema, sondern gewinnt mit dem Aufstieg der FinTechs, dem Einstieg der BigTechs und einer beispiellosen M&A-Aktivität rapide auch an operativer Bedeutung. Zweitens sieht sich SWIFT in diesem Zusammenhang als „FinTech der Banken“ sowie Katalysator und Schrittmacher für branchenweite Standards und Initiativen in der Branche. Shah zeigte sich mit dem ­anhaltend starken Wachstum im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr zufrieden und kündigte an, dass SWIFT gerade in technologischer Hinsicht mit einer „Koali­tion der Willigen“ ­wesentlich mutiger, aggressiver und agiler voranschreiten wolle. 

Der neu berufene SWIFT-CEO Javier ­Pérez-Tasso schloss den Bogen des Eröffnungspanels, indem er auf das Spannungsfeld zwischen Innovation und Schnelligkeit auf der einen Seite sowie Cyber-Security und Compliance auf der anderen einging. Dabei gab er den SWIFT-Mitgliedsinstituten das Versprechen, dass Innovation bei SWIFT auf keinen Fall auf Kosten von ­Sicherheit, Widerstandsfähigkeit und Compliance gehen werde. In diesem Kontext zeichnete er für SWIFT das Leitbild einer „verantwortungsvollen Innovation“. Hinsichtlich der Perspektiven für SWIFT zeigte sich Pérez-Tasso optimistisch: „Es gab nie einen besseren Augenblick, um die Führung von SWIFT zu übernehmen“, sagte er. „Aufbauend auf einem leistungs­fähigen Kern können wir nun die Innova­tionschancen gemeinsam mit unseren ­Mitgliedsbanken nutzen, um Geschäfts- und Privatkunden die bestmögliche Nutzererfahrung zu bieten.“ In diesem Zusammenhang dankte er seinem Vorgänger Gottfried Leibbrandt für die konsequente Weiterentwicklung von SWIFT.      

DSGVO, PSD2 und TARGET-Konsolidierung

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Die “Big Issues“ wurden im Rahmen von Paneldiskussionen, Debatten und Vorträgen behandelt  © Sean Ebsworth Barnes\rwww.seanebsworthbarnes.com

ferenztag erwartungsgemäß auf sehr großes Interesse stießen, gehörte das Panel zum Umbruch in der europäischen Zahlungsverkehrslandschaft. Die Teilnehmer stellten die aktuellen Entwicklungen in Europa, bei ­denen an erster Stelle die Umsetzung von DSGVO und PSD2 sowie die Konsolidierung der EZB-TARGET-Systeme und die Migration auf ISO 20022 genannt wurden, in einen größeren Zusammenhang: Zum ­einen sind sie Teil der Verwirklichung des einheitlichen europäischen Zahlungsraums (SEPA), dessen Grundstein 1992 mit der Entscheidung für die Einführung des Euro im Maastrichter Vertrag gelegt wurde und der inzwischen über 500 Millionen Menschen, 20 Millionen Unternehmen und 4.000 Zahlungsdienstleister umfasst. Zum anderen spiegeln sie auch globale Innova­tionen und Trends – und treiben diese teils sogar. Fiona van Echelpoel, Deputy Director General, Directorate General Market ­Infrastructure and Payment bei der EZB, bekräftigte, dass es trotz der ambitionierten Agenda der kommenden Jahre „im Interesse aller liegt, mit voller Kraft voranzukommen.“ Darüber hinaus führte sie aus: „Die EZB hält den Trend zu Echtzeitzahlungen für äußerst wichtig, und Europa muss im Zentrum dieses Trends stehen.“ Das SEPA-Angebot für Kreditkartenzahlungen habe in der Industrie nie richtig Fuß gefasst. Die EZB sehe Echtzeitzahlungen als eine neue Chance und wolle sie vor allem im Handel, also am POS stärken, so van Echelpoel. ­Etwas vorsichtiger äußerte sich Hays ­Littlejohn, CEO von EBA Clearing. Ebenso wie Javier Pérez-Tasso wies er auf das Spannungsfeld zwischen Echtzeitzahlungen und den Vorschriften für Compliance in den Bereichen Geldwäsche, Sanktions­politik und frühzeitiger Betrugserkennung hin. „Trotz bester Absichten kann Regulierung auch gänzlich unbeabsichtigte Nebenwirkungen haben“, so Littlejohn.  

APIs, Open Banking und Big Data als Herausforderungen

Unter anderem mit der Vorstellung und ­Diskussion der Research-Berichte der Aite Group, „Payments Transformation: Criteria for Success“ und der Deutschen Bank ­„Regulation driving bank transformation“, bot der erste Tag auch tiefe Einblicke in die aktuellen technologischen und geschäftspolitischen Herausforderungen für die Finanzbranche. Der Bericht der Aite Group zeigt auf, dass es keine Patentlösung für die aktuellen Herausforderungen gibt, sondern jedes Institut seinen eigenen Weg finden muss. David Bannister, Senior Analyst im Wholesale Banking & Payments Team der Aite Group, erklärte: „Für viele Institute ist die Umsetzung der aktuellen Regulierung eine reine Compliance-Übung, aber einige sehen darin eine echte Chance zu einer grund­legenden Weiterentwicklung.“ Bannister fügte hinzu, dass sich jeder Markt in einem anderen Stadium der Transformation befindet. Von den entwickelten Märkten hätten die USA den größten Rückstand bei der Umsetzung von Echtzeitzahlungen – und Open Banking sei dort noch kein Thema. Umgekehrt seien die Märkte in Skandi­navien schon viel weiter fortgeschritten. 

Der Fokus der Studie der Deutschen Bank lag auf den allgemeinen Trends der Datenwirtschaft. Polina Evstifeeva, Head of ­Regulatory Strategy, New Ventures bei der Deutschen Bank betonte die überragende Bedeutung von Daten. „Daten sind die Grundlage für alles. Wichtig sind dabei nicht nur die Daten selbst, sondern vor ­allem auch ihre Verfügbarkeit.“ Gerade für Banken sollte es eine Priorität sein, die ­Datenwirtschaft auf die nächste Ebene zu bringen, so Estifeeva. KI könne einen wertvollen Beitrag leisten, um Kundenbedürfnisse besser zu verstehen und Beratungsqualität weiter zu steigern. Allerdings stehe diese Technologie noch am Anfang und weitere Investitionen seien notwendig, um greifbare Fortschritte zu erzielen. Sie wies auch auf die zunehmende Bedeutung von Cloud-Anbietern hin, die heute bereits eine wichtige Rolle in der Zahlungsverkehrsbranche spielen. Vor diesem Hintergrund stelle sich auch die Frage, ob und wie ­solche Anbieter reguliert werden sollten. 

Schlüsselthema grenzüberschreitender Zahlungsverkehr

Die Herausforderungen im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr und in der Compliance der Echtzeit-Welt waren die Schlüsselthemen am zweiten Tag der Sibos. Die Banken haben bewiesen, dass sie mit SWIFT GPI weltweit immer schnellere grenzüberschreitende Zahlungen durch­ führen können, deren Geschwindigkeit oft schon im Sekundenbereich liegt. Dies gelingt vor allem durch die Kombination von GPI mit nationalen Echtzeitzahlungs-­Systemen. So wurde erst jüngst ein Pilotprojekt in Europa mit der Europäischen Zentralbank (EZB), SWIFT und einer Gruppe von 19 Banken, die Nutzer der TARGET Instant Payments Settlement-Plattform (TIPS) sind, abgeschlossen. In diesem Rahmen wurden Tests mit grenzüberschreitenden Zahlungen aus neun ­Ländern nach Europa durchgeführt. Dabei hat eine Zahlung aus Singapur, die über Deutschland abgewickelt und dem Konto des Endbegünstigten gutgeschrieben ­wurde, bereits eine Geschwindigkeit von 41 Sekunden erreicht. Noch weitere Fortschritte werden im Rahmen des Rollout des globalen Sofortdienstes erwartet. Sehr gute Erfolge erzielten auch GPI-Pilotprojekte mit der New Payments Platform (NPP) in Australien und dem Fast And Secure Transfers (FAST)-System in Singapur. 

Hua Peng, Deputy General Manager, Operation Management Department der Industrial and Commercial Bank of China, eine der am Pilotprojekt mit dem FAST-System beteiligten Banken, erklärte im Rahmen des Panels „Banks and instant payments – Where ist the sweet spot?“, dass „die größte Herausforderung bei der Weiterent­wicklung dieser Initiative regulatorischer ­Natur“ sei. Es werde von entscheidender Bedeutung sein, „bei den Anforderungen an die Sanktionsprüfung eng mit den Zentralbanken zusammenzuarbeiten“. In diesem Zusammenhang wies Prajit Nanu, Co-Founder und CEO von Instarem, auf eine konkrete Herausforderung im Geschäftskundenbereich hin: „Im Moment sind die Transaktionslimits für grenzüberschreitende Echtzeitzahlungen zu niedrig“, so Nanu. Ein attraktiver Anwendungsfall liegt bei Geschäftstransaktionen. Aber in diesem Feld machen die geltenden Obergrenzen wie das aktuelle TIPS-Limit von 15.000 Euro die Entwicklung von spezifischen Bankangeboten für Unternehmen wenig attraktiv. Christof Hofmann, Global Head of Payments and Collection Products, Cash Management der Deutschen Bank, pflichtete ihm bei: „Not all payments are created equal. Die Limits sind nicht hoch genug.“ So habe die Deutsche Bank kürzlich ihre Echtzeitzahlungsgrenze für bestimmte Kunden auf 1 Million Euro erhöht. 

Als eine weitere Herausforderung identifizierte das Panel die fehlende internationale Standardisierung der Datenformate. Nach wie vor unterscheiden sich je nach Infrastruktur die Datenmengen und -formate, die unterstützt werden. Hofmann erklärte dazu, dass die konsequente Verwendung von ISO 20022 diese Situation erheblich verbessern werde. Will Lovell, Head of ­Future Technology bei der Bank of England, fügte hinzu: „Auf den Inlandsmärkten gibt es klare Regeln, aber das ist nicht unbedingt international der Fall.“ SWIFT GPI mache zwar weiterhin gute Fortschritte, aber der grenzüberschreitende Echt­zeitzahlungsverkehr stecke noch in den Kinderschuhen, und diese Herausforderungen müssten gelöst werden, bevor nahtlose grenzüberschreitende Zahlungen für alle Wirklichkeit werden.  

Vom Kreditinstitut zum digitalen Marktplatz?

Der Fokus des dritten Konferenztags lag vor allem auf der Frage, wie Banken den Digitalisierungstrend für ihr Geschäft nutzen können. Drew Graham, Director of ­Digital Strategy bei Barclays, beschrieb im Rahmen des Panels „Beyond Open Banking: Banks as marketplaces“ die neuen Paradigmen des Bankgeschäfts im Zeitalter des Open Banking: So bestehe ein Spannungsverhältnis zwischen offenen Daten auf der einen Seite und Datensicherheit auf der anderen. „Wir können nicht in einem Paradigma leben, in dem Daten ­offen sind und Anwendungen sicher. Eine Anwendung ist von Natur aus unsicher, und deshalb sind es die Daten selbst, die wir sicher machen müssen“, so Graham. Einig war sich das Panel darüber, dass in der Branche zunächst Befürchtungen vor offenen Daten und offenem Bankgeschäft bestanden hätten, sich aber inzwischen eine erhebliche Dynamik um die Chancen des Open Banking entwickelt habe, die sich daraus ergeben. „Die Banken haben einige Zahlungsdaten, wie z. B. wer einen Kauf getätigt hat sowie wann und wo ein Kauf getätigt wurde – aber sie müssen mit Partnern zusammenarbeiten, um wertvollere Informationen über Kunden zu erhalten“, erklärte Graham. 

Das Panel „An EBA guide to the digital transformation journey for payments“ arbeitete die spezifische Rolle des Zahlungsverkehrs in diesem Kontext heraus. Daniel Szmukler, Managing Director der EBA Group, betonte: „Digitalisierung bedeutet nicht nur die Umstellung von papiergetriebenen auf digitale Prozesse.“ Es bestehe die Notwendigkeit, Prozesse grundlegend neu zu gestalten, damit sie in einem digitaler ausgerichteten Ökosystem funktionieren. Auf dem Weg zu einer tieferen digitalen Integration der Branche werde es entscheidend sein, „von den traditionellen Produktentwicklungszyklen wegzukommen“, so Szmukler. Banken sollten den Zahlungsverkehr als Teil eines umfassenderen Ökosystems betrachten, das zum Lebensstil eines Kunden passen und seine Bedürfnisse umfassend erfüllen sollte. Es sei für die Banken wichtig, den Kunden nicht aus den Augen zu verlieren, wenn sie Transformationsprogramme durchlaufen, und „Value Spaces“ im Kundenalltag zu finden. 

Vincent Brennan, Leiter Group Customer Services der Bank of Ireland und Board Member EBA Group, führte in diesem ­Zusammenhang aus, dass Zahlungen im modernen digitalen Zeitalter „sofort, unsichtbar und kostenlos“ erfolgen müssten. „Banken müssen daher nach anderen Wegen suchen, um Zahlungen zu monetarisieren und sich nicht mehr als Verwahrer von Daten, sondern als Nutzer von Daten betrachten“, erklärte er: „Digitales Vertrauen ist einer der Eckpfeiler der Transformation.“ Ohne Vertrauen werden Open Banking, Echtzeitzahlungen und andere Innovationen fruchtlos bleiben. „Seit vielen Jahren lebt die Branche nach dem Spruch ‚Eine Zahlung ist eine Zahlung ist eine Zahlung ist eine Zahlung‘, aber es sieht so aus, als ob das nicht mehr der Fall wäre: ‚Eine Zahlung ist ein Datenwert‘ scheint im 21. Jahrhundert passender zu sein“, schloss Brennan. 

Dynamischer Zahlungsverkehr

Der vierte Konferenztag zeigte, dass die Zahlungsverkehrswelt auch in absehbarer Zukunft weiterhin dynamisch bleiben wird. Um diese  Dynamik zu bewältigen, ist und bleibt Kooperation ein zentrales Thema auch für die kommenden Jahre. Das bedeutet Zusammenarbeit zwischen einzelnen Banken, aber auch Zusammenarbeit der Banken mit FinTechs oder BigTechs. Helle Koggersboel, Senior Product Marketing Manager bei equensWorldline, fasste das prägnant zusammen: „Wenn du schnell ­gehen willst, dann laufe allein. Aber wenn du weit kommen willst, dann laufe mit ­anderen zusammen.“

Wurde früher diskutiert, ob FinTechs aus Bankensicht „Freund oder Feind“ seien, setzt sich bei allen Beteiligten zunehmend die Erkenntnis durch, dass FinTech-Ideen zu dem digitalen Fundament beitragen, auf dem die Banken auch in Zukunft erfolgreich im Wettbewerb bestehen können. Als wichtigste potenzielle Wettbewerber werden inzwischen allgemein die BigTechs ­gesehen: Sie haben nahezu unbegrenzte ­Investitionsmittel und einen riesigen Kundenstamm. Gleichzeitig wissen sie, wie man sich auf Kundenzufriedenheit und ­Innovation konzentriert, und müssen nicht auf Altsysteme Rücksicht nehmen. Ebenso wie bei den FinTechs stellt sich für Banken die Frage, ob sie mit den BigTechs, vor allem mit den GAAFA, im Zahlungsverkehr zusammenarbeiten wollen und können. Jean-Pierre Mustier, CEO von UniCredit, der größten Bank Italiens, hatte sich bereits am Vortag zu einer solchen ­Zusammenarbeit bekannt. „Es macht Sinn, mit ihnen zusammenzuarbeiten. Es ist besser, den Umbruch mitzugestalten, als zu versuchen, ihn aufzuhalten“, so Mustier. Gleichzeitig plädierte er jedoch für gleiche Wettbewerbsbedingungen, für ein „level playing field“: „Es kann nicht sein, dass wir als Banken Zugang zu allen Informationen geben müssen, aber wenn Sie Google bitten, dasselbe zu tun, können sie sich weigern.“

Echtzeitzahlungen, Kunden­orientierung, Plattform-Modelle

Die Sibos 2019 in London hat vor allem die zunehmende Bedeutung von Echtzeitzahlungen für die Branche aufgezeigt. Das Thema fand auf der Konferenz seinen Durchbruch und hat andere beliebte Themen aus den vorherigen Sibos-Konferenzen, wie Blockchain und Krypto, in den Hintergrund gedrängt. Dennoch gibt es auch in diesem Bereich noch einige Herausforderungen, wie zum Beispiel Betrugs­bekämpfung sowie die Verringerung von Reibungsverlusten bei grenzüberschreitenden Zahlungen und die Vermeidung von Fragmentierung auf internationaler Ebene. 

Auch jenseits dieser eher technisch-regulatorischen Ebene gab es für die Banken eine ganze Reihe von Erkenntnissen: Um im Open Banking erfolgreich zu sein, müssen sie kundenorientierter werden und sich stärker auf die User Experience und auf klare Anwendungsfälle mit hohem Kunden­nutzen konzentrieren. Banken haben diesen Aspekt in der Vergangenheit häufig vernachlässigt und neigen in einer Zeit starken regulatorischen Drucks dazu, die Produkt­entwicklung eher von der Compliance-Seite her zu denken. Demgegenüber verfügen BigTechs über eine sehr große Expertise im Bereich User Experience. Vor diesem ­Hintergrund wurden Plattform-Modelle stärker diskutiert als bei früheren Sibos-Konferenzen: Sie werden auch in die Kernbereiche der Finanzdienstleistungen immer stärker eindringen. Wenn Banken dort nicht mit APIs präsent sind, werden andere Spieler wie BigTechs und FinTechs diese Lücken füllen. Die Dringlichkeit für Banken, schnell und entschlossen zu handeln, wurde überdeutlich. Für sie ist die Zeit der Eingewöhnung in das digitale Zeitalter vorbei, jetzt ist die Zeit für konkretes Handeln ­gekommen. Die Sibos 2019 hat gezeigt, dass immer mehr Banken das auch tun.

Alle Informationen über die Sibos 2019 in London finden Sie unter www.sibos.comDie nächste Sibos findet vom 5. bis 8. ­Oktober 2020 in Boston statt.

Aktuelle SWIFT-Initiativen

Als „FinTech der Banken“ unterstützt SWIFT den Umbruch im weltweiten und europäischen Zahlungsverkehr mit einer ganzen Reihe von Initiativen. So stellt SWIFT als einer von zwei Anbietern ab November 2021Konnektivitätslösungen für das European Single Market Infrastructure Gateway (ESMIG) bereit und wird damit zu einem Netzwerkdienstleister für die TARGET-Dienste des Eurosystems. In Verbindung mit den bestehenden Konnektivitätslösungen von SWIFT zur Anbindung an die Dienste EURO1/STEP1 sowie RT1 und STEP 2 von EBA CLEARING ermöglicht das den Banken, alle ihre Euro-Zahlungsnachrichten – Großbetragszahlungen, SEPA-Zahlungen, Sofortzahlungen sowie grenzüberschreitende Zahlungen – sicher, zuverlässig und kostengünstig abzuwickeln. Als Standardisierungsorganisation und Registrierungsinstanz für ISO 20222 bietet die Genossenschaft ihren Mitgliedern zahlreiche Unterstützungsangebote für die Umstellung auf ISO 20022 und engagiert sich für die kontinuierliche Weiterentwicklung des Standards.

Gleichzeitig treibt SWIFT die Standardisierung von APIs (Application Programming Interfaces; Anwendungs-Programmierschnittstellen) voran, um es Banken zu ermöglichen, das volle Potenzial von Open Banking zu erschließen. So hat die Genossenschaft erst Anfang September einen neuen Standard zur Vorab-Zahlungsfreigabe veröffentlicht. Der Standard erlaubt der Bank eines Zahlers bei Käufen mit Vorauszahlung, die entsprechenden Mittel zu kennzeichnen und damit sicherzustellen, dass die künftige Zahlung erfüllt wird. Dies ist der neueste Zugang der weltweiten API-Bibliothek, die von SWIFT in Zusammenarbeit mit Banken, Händlern und FinTechs aufgebaut wird. Den Standard für eine "Pay Later"-API hatte SWIFT bereits zu Beginn des Jahres veröffentlicht.

Darüber hinaus baut SWIFT auch seine Cloud-Angebote konsequent aus: Im Rahmen der Sibos gab die Genossenschaft die nächste Generation der SWIFT-eigenen Private Cloud-Plattform sowie eine Initiative zur reibungslosen Migration zu großen Public Cloud-Anbietern wie Microsoft und Google Cloud bekannt. Im Rahmen der neuen Cloud Connect-Initiative wird SWIFT die Netzwerkarchitektur und die Automatisierungsvorlagen für seine Kunden entwickeln, um eine Verbindung zu großen sogenannten „hyper-scale“ Public Cloud-Plattformen wie Microsoft Azure und Google Cloud zu erleichtern. Cloud Connect bietet eine zuverlässige und sichere Methode zur Verbindung von Public Clouds mit dem SWIFT-Netzwerk. Darüber hinaus stärkt die Genossenschaft mit der SWIFT Alliance Cloud ihre eigene Cloud. Die Alliance Cloud bietet Institutionen jeder Größe eine verlässliche Möglichkeit, ihre Messaging-Aktivitäten auf einer von SWIFT verwalteten Infrastruktur zu hosten. Sie wurde entwickelt, um bewährte SWIFT-Dienste wie zum Beispiel GPI, Sanctions Screening-Lösungen und andere nahtlos zu integrieren. Die Lösung gewährleistet eine jederzeitige Verfügbarkeit und ein Höchstmaß an Sicherheit bei gleichzeitiger Senkung der Gesamtbetriebskosten der Kunden.