Banking-as-a-Service muss den Gesamtprozess beherrschen

Ein Artikel von : Dieter Schambach, Leiter Business Development, SWK Bank | 27.06.2022 - 10:00

Bei BaaS geht es nicht nur um eine lifestylische App oder smarte, bunte und animierte Webseite, sondern immer um den Gesamtprozess – und zwar aus der Sicht der Endkunden. Der Kunde muss sich und seine Bedürfnisse optimal abgebildet wiederfinden, der ausgelagerte Service muss aus einem Guss, einfach, schnell und verständlich sein. Die Technik, Tools und Applikationen, sind dabei Mittel zum Zweck.

Mit der Auslagerung eines Service wird nicht einfach nur ein Prozess an einen Dritten herausgegeben, sondern die Prozesse werden auf weitere Optimierungen geprüft und angepasst, sodass im Idealfall das Produkt und die Mitarbeiter- sowie Kundenerlebnisse deutlich verbessert werden. Allzu häufig wird ein schlechter manueller Prozess in einen schlechten „ausgelagerten“ beziehungsweise digitalisierten Prozess umgewandelt. Deshalb muss ein BaaS-Anbieter das Geschäftsfeld optimal beherrschen und über das entsprechende Know-how sowie die Mitarbeiter mit dem notwendigen Mindset und der relevanten Kompetenz verfügen (von Banker zu Banker).

Idealerweise wird BaaS nicht nur als Dienstleistung, sondern auch im Eigengeschäft erbracht, so wie es beispielsweise bei der SWK Bank der Fall ist. Dadurch ist sichergestellt, dass sowohl die Anforderungen an die Produkte und Prozesse als auch die relevanten regulatorischen Herausforderungen für die Durchführung der Dienstleistungen bekannt sind. Letztlich entsteht so das erforderliche Kompetenzlevel, um gemeinsam mit allen beteiligten Parteien einen optimalen Service zu gestalten und zu erbringen.

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Banking-as-a-Service bezeichnet modulare Software- und Leistungspakete für digitale Geschäftsmodelle, die von spezialisierten Technologie-Anbietern zur Verfügung gestellt und direkt in die System- und Prozesslandschaft einer Bank bzw. eines Finanzdienstleisters integriert werden können.  © Gerd Altmann @Pixabay

Was ist Banking-as-a-Service?

Banking-as-a-Service bezeichnet modulare Software- und Leistungspakete für digitale Geschäftsmodelle im Bereich Banking und Finanzdienstleistungen, die von spezialisierten Technologie-Anbietern zur Verfügung gestellt und direkt in die System- und Prozesslandschaft einer Bank beziehungsweise eines Finanzdienstleisters integriert werden können. Dazu zählen zum Beispiel klassische Banking Services, Payment Services, Mobile Banking, Kreditgeschäft, Vermögensverwaltung, Personal Finance Management. Die Zusammenstellung nach dem Baukasten-Prinzip ist dabei abhängig von Geschäftsmodell, Kunde und Anbieter, die Ausführung von Prozessen sowie der Betrieb der Software-Module kann auf der Infrastruktur von Banken und Finanzdienstleistern oder auch in gemischten Umgebungen und Formen erfolgen. Je nach BaaS-Anbieter und dessen Services stehen als Nutzer von BaaS Banken und Finanzinstitute mit Banklizenz, FinTechs und Finanzdienstleister teilweise ohne Banklizenz und Nicht-Banken und Unternehmen außerhalb der Finanzindustrie ohne Banklizenz im Mittelpunkt.

Banken nutzen diese Module und Konfigurationen für digitales Retail Banking oder für die von ihnen gewünschten Zusatzbereiche. Der Vorteil für die Bank liegt darin, dass bereits in der Praxis erprobte Module in frei wählbarer Kombination zum Einsatz kommen. In der Regel werden dadurch die Zeiträume für Integration und Inbetriebnahme erheblich verkürzt. FinTechs und Finanzdienstleister nutzen die Module für das von ihnen gewünschte Geschäftsmodell. Ist dazu eine Banklizenz erforderlich, übernehmen spezialisierte Anbieter auch die Rolle einer White-Label-Bank, indem sie zum Beispiel ihre Infrastruktur zur Verfügung stellen und jene Bankprozesse als Dienstleistungen im Auftrag des Kunden im Hintergrund übernehmen, die regulatorischen Anforderungen unterliegen. Nicht-Banken und Unternehmen außerhalb der Finanzindustrie wie unter anderem Big Techs wie Amazon, Apple oder Uber bieten ihren Kunden Finanzdienstleistungen wie Konten, Kreditkarten, Kredite „embedded“ an. Natürlich können auch kleinere Unternehmen über BaaS gewünschte Finanzservices direkt in ihre Angebotspalette und Prozesse integrieren.

Früher hieß es White-Label-Banking

White-Label-Banking steht für Anbieter mit Banklizenz, die FinTechs und anderen Unternehmen modulare Finanzdienstleistungen via Plattformen und APIs zur Verfügung stellen, die als Einzel-Module oder in Paketen genutzt werden können. Der Unterschied zu Banking-as-a-Service: Beim White-Label-Banking agiert die Software- und Lizenz-gebende Bank im Hintergrund, also nicht direkt sichtbar für die Kunden des FinTechs oder des Unternehmens, das diese Lösungen einsetzt. Die Banking Services laufen als White-Label-Produkte unter dem Brand des FinTechs oder des Unternehmens, das diese Services in Anwendung hat. Das kann bei Banking-as-a-Software auch so ablaufen, oft aber kooperieren der Bankpartner und ein FinTech und kommunizieren das auch entsprechen nach außen.

Banking-as-a-Service wird Service verändern

Laut der Finastra-Studie „Banking-as-a-Service: Outlook 2022-Paving the way for Embedded Finance“ von März 2022 spielt Banking-as-a-Service (BaaS) branchenübergreifend eine immer wichtigere Rolle. Vier von fünf der insgesamt 1.600 befragten Führungskräfte in EMEA einschließlich Deutschland sind bereits dabei, BaaS-Lösungen einzuführen oder planen zumindest eine Implementierung. Die Mehrheit der befragten Führungskräfte hat zudem vor, ihre Ausgaben für BaaS im kommenden Jahr um bis zu 49 Prozent zu erhöhen. Dabei geben die Early Adopter das Tempo des Wandels vor. Es geht dabei vor allem um die Bereitstellung von eingebetteten Bankprodukten und -dienstleistungen für Privat- und Großkunden.

Diese Dienstleistung basiert auf der Nutzung einer sicheren, regulierten Infrastruktur eines bestehenden lizenzierten Instituts mit modernen API-gesteuerten Plattformen. BaaS stellt laut Studie weltweit ein Potenzial von sieben Billionen US-Dollar dar. In EMEA geben Anbieter, darunter Einzelhändler, E-Commerce-Anbieter und andere Verbrauchermarken, jährlich zwischen zehn und 50 Millionen US-Dollar für Finanzprodukte und Dienstleistungspartnerschaften aus, mehr als die Hälfte der Anbieter (51 Prozent) bietet derzeit Sparkonten für Kunden an, die BaaS nutzen, oder planen, dies zu tun. Weltweit erwarten mehr als 80 Prozent der regulierten Finanzdienstleister ein Wachstum des gesamten BaaS-Marktes. 30 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass der Sektor in den nächsten fünf Jahren um mehr als 50 Prozent pro Jahr wächst.

Der Trend werde sich weiter verstärken, wenn es den Unternehmen gelingt, die Integration regulierter Produkte in die Customer Journey so einfach zu gestalten wie die Erstellung eines Social-Media-Accounts. Die Mehrheit der Befragten erwartet einen Übergang zu einem Plattform- und Marktplatzmodell, bei dem den Endkunden eine größere Auswahl an Nischenlösungen zu wettbewerbsfähigen Preisen zur Verfügung steht. Zudem zeigt die Studie, dass Finanzdienstleister vier Schlüsselkompetenzen benötigen, um mit Distributoren und Enablern zusammenzuarbeiten und BaaS zu monetarisieren: eine offene API-Plattform, eine integrierte Daten- und Analyseplattform, spezialisierte digitale Lösungen zur nahtlosen Integration von Kundenerlebnissen sowie dynamische und flexible Angebote, um Kunden zu überzeugen.

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Autor Dieter Schambach ist Leiter Business Development bei der SWK Bank. Davor verantwortete er über 15 Jahren die IT der SWK Bank und war maßgeblich am Aufbau der IT-Infrastruktur beteiligt. Er verfügt über umfangreiche Branchenkenntnisse und langjährige IT- und Prozess-Expertise.

Mit Banking-as-a-Service näher am Kunden

Wie die aktuelle Capgemini-Studie „World Retail Banking Report 2022“ von April ergeben hat, behindern veraltete IT-Systeme und fehlende technische Kompetenz den optimalen Einsatz von Daten im Rahmen von kundenorientierten Wachstumsstrategien. Dabei müssen etablierte Banken stärker auf die Verbesserung ihrer Datenanalyse-Fähigkeit setzen. Demnach fühlen sich 75 Prozent der Bankkunden weltweit von den kostengünstigen und durchgängigen FinTech-Angeboten angezogen (70 Prozent in Deutschland). Zudem tun sich Banken immer noch schwer mit plattformbasierten Modellen. Grundsätzlich sind der Analyse zufolge Retail-Banken derzeit nicht in der Lage, ihre Kunden über alle Vertriebskanäle hinweg zufriedenzustellen. Um mit den neuen Konkurrenten mithalten zu können, müssen Retail-Banken ihre Geschäftsmodelle überdenken und sich auf eine stärkere Kundenbindung konzentrieren. Mit einer besseren Datensteuerung können Banken wichtige Informationen über ihre Kunden gewinnen, die sie dann für ein wettbewerbsfähigeres digitales Marketing nutzen könnten.

In der Kombination mit Künstlicher Intelligenz und Maschinellem Lernen (ML) eröffnen sich so neue Möglichkeiten, um Kunden zu identifizieren, zu binden und mit Echtzeit-Erlebnissen zu begeistern. Viele dieser Vorteile entgehen jedoch den traditionellen Banken, denen derzeit die Kapazitäten zur Verarbeitung der Kundendaten fehlen. In der Studie gaben 95 Prozent der Bankmanager an, dass veraltete Systeme und Kernbankplattformen die Bemühungen zur Optimierung von Daten und kundenorientierten Wachstumsstrategien behindern. 70 Prozent gaben darüber hinaus an, dass es ihnen an Ressourcen zur Verarbeitung und Analyse von Daten fehlt. Viele Anbieter verknüpfen klassische Bank-Angebote mit nichtfinanziellen Lifestyle-Produkten, andere bieten Banking-as-a-Service (BaaS) und eingebettete Banklösungen über Ökosysteme von Drittanbietern aus dem Nicht-Finanzbereich an.

Gemeinsam ist diesen Plattformmodellen, dass sie bei der Sammlung von Daten für die Personalisierung helfen und eine gute Grundlage für Datenökosysteme und Echtzeiterkenntnisse bieten. Die Studie folgert, um die von den Kunden gewünschten personalisierten Omnichannel-Erlebnisse und Ökosystem-Journeys bieten zu können, brauche es neue Technologien und den Abbau interner Silos. Retail-Banken müssen innovative Technologien und plattformbasierte Modelle einsetzen und so das datengetriebene Wachstum optimieren. Wenn Banken ihre Fähigkeiten zum Sammeln und Analysieren von Daten ausbauen, können sie herausfinden, was ihre Kunden wollen, und das ist letztlich die Basis für ein konsistentes Omnichannel-Banking-Erlebnis.