Ein Blockchain-Knoten für die NRW.Bank

Ein Artikel von Michael Stölting, Mitglied des Vorstands der NRW.Bank | 24.02.2021 - 11:59
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Michael Stölting, Mitglied des Vorstands der NRW.Bank

Als Förderbank unterstützen wir nicht nur die digitale Transformation von Wirtschaft und Kommunen, sondern digitalisieren und optimieren auch unsere eigenen Prozesse. Von der Blockchain-Technologie heißt es, dass sie das Potenzial habe, die Finanzbranche nachhaltig zu verändern. Ihre dezentrale Datenbankstruktur könnte dabei helfen, Effizienzen zu heben und Finanzprodukte sicherer zu machen – so die bekannten Verheißungen. Aber lassen sie sich auch in der Praxis einlösen?

Use-Case Schuldscheindarlehen

Um das zu untersuchen, hat die NRW.Bank früh die Zusammenarbeit mit Finledger gesucht. Diese Abwicklungsplattform für Schuldscheindarlehen ist ein Gemeinschaftsprojekt von DekaBank, DZ Bank, Helaba und dwpbank. Sie basiert auf einer Etherium-Blockchain und nutzt diese Technologie. Die NRW.Bank war der erste projektunabhängige Partner, der in die Abwicklung von SSD über Finledger einbezogen wurde. Das Ziel von Finledger war ein erster Use Case mit Blockchain, der bereits unter den geltenden gesetzlichen Rahmenbedingungen umsetzbar ist. Das Instrument des SSD bot sich hier an, denn dieses ist im Vergleich zu Wertpapieren wie Anleihen oder Zertifikaten vergleichsweise einfach reguliert.

Effizienzen heben

Die langwierige Abwicklung resultiert daraus, dass der Prozess viele manuelle Schritte umfasst: zum Beispiel die Geschäftsbestätigung per Fax, das Erstellen einer Urkunde, den Versand per Bote oder Einschreiben und die Aufbewahrung. Spätere Änderungen müssen ebenfalls in Papierform dokumentiert, verwahrt und versandt werden. Das bindet Kapazitäten und ist mit entsprechenden Kosten verbunden. Die SSD-Abwicklung über Blockchain dagegen ist deutlich zeitsparender und effektiver. Sie macht sogar taggleiche Transaktionen möglich.

Dieses Einsparpotential hat schon die Abwicklung einer ersten SSD-Transaktion zwischen der DekaBank und der NRW.Bank in der Rolle des Investors im November 2019 belegt. Im September 2020 folgte der nächste Meilenstein der Kooperation: Als erster unabhängiger Partner des Finledger-Projekts – und erste Förderbank überhaupt – hat die NRW.Bank selbst die Eigenemission eines SSD über Finledger abgewickelt. Die NRW.Bank emittierte dabei das SSD für die DekaBank, diese wiederum trat den Schuldschein an die DZ Bank ab. Das Handelsgeschäft wurde dabei mit taggleicher Valuta abgeschlossen. Zwischen Handelsabschluss und dem Vorliegen der qualifiziert elektronisch signierten Urkunde lagen nur wenige Stunden.

Ein eigener Knoten

Die vollständig digitale Abwicklung des Schuldscheindarlehens verlief reibungslos. Die eigentliche Herausforderung hatten wir allerdings zu diesem Zeitpunkt schon gemeistert: Die bestand in der Installation und Integration des Blockchain-Knotens in unsere IT-Infrastruktur. Zwar hätten wir die Schuldschein-Plattform auch über den Knoten-Hosting-Service der dwpbank nutzen können, aber unser Ziel war es, möglichst viel Know-how im Umgang mit der zugrundeliegenden Technologie aufzubauen.

Unsere Bilanz des Projekts ist durchweg positiv: Zum einen wird die Abwicklung einer SSD-Transaktion durch die Blockchain-Technologie schneller, weil es keine Medienbrüche mehr gibt. Sie wird zuverlässiger, weil sie Fehlerquellen reduziert, die bei der analogen Erstellung der Geschäftsbestätigung oder beim Versand der Urkunde entstehen können. Und sie wird transparenter, weil bei Finledger alle im Register erfassten Bestände jederzeit und von jedem überprüfbar sind. Man braucht dafür lediglich einen aktuellen Webbrowser und natürlich die elektronisch signierte Urkunde.

Offen für weitere Anwendungen

Für die NRW.Bank hatte die Zusammenarbeit mit Finledger vor allem das Ziel, Erfahrungen mit der Blockchain-Technologie zu sammeln und Know-how aufzubauen. Das ist uns mit dem Knotenaufbau und der erfolgreichen Abwicklung der Eigenemission gelungen. Nun geht es darum, die Technologie auch auf weitere Anwendungsfälle zu übertragen. Die vier Projektbanken werden als nächstes ein Corporate-Schuldscheindarlehen über Finledger umsetzen. Welches Projekt wir als Förderbank mit unserem Knoten angehen, wird bereits analysiert. Eines ist sicher: Blockchain gehört als sichere Technologie zur Zukunft der Förderbanken.