Digitalisierungsbeschleuniger Low Code

Ein Artikel von Hans de Visser, VP Product Management bei Mendix | 09.01.2020 - 11:05

Noch bremst der Mangel an qualifizierten Programmierern die Digitalisierung in vielen Geldhäusern. Zudem drängen Startups und Digitalkonzerne in die angestammten Märkte. Digitale Innovation ist deshalb dringend nötig. Manche IT-Abteilung ist jedoch schon mit der Aufrechterhaltung des laufenden Betriebs ausgelastet. Für Neuentwicklung bleibt da wenig Zeit. Der Wettbewerb um Softwarearchitekten und Coder ist hart. Personalmangel verlangsamt die Innovationsgeschwindigkeit. 

Kooperation zwischen Fachbereichen

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Low Code ermöglicht Kreativität und Innovation  © gradyreese

Einige Unternehmen setzen deshalb auf Zulieferer im Ausland. Die Auslagerung der App-Erstellung an einschlägige Dienstleister bringt jedoch zahlreiche Probleme mit sich. Neben den üblichen Kommunikationshürden sind es vor allem Qualitäts- und Sicherheitsfragen, die eine sinnvolle Zusammenarbeit mit externen Partnern erschweren. Deshalb etablieren sich zunehmend neuartige Plattformen wie Mendix, die als zusätzliche Säule der Software­entwicklung insbesondere den Fachabteilungen die strukturierte Erstellung von ­Anwendungen erlaubt. Mitarbeiter ohne vertiefte Programmierer-Kenntnisse, sogenannte Citizen Developer, können so in Zusammenarbeit mit professionellen Low- Code-Entwicklern in der IT zahlreiche neue Apps entwerfen, testen und auf den Markt bringen. Die IT-Abteilung reduziert ihren Aufwand, behält aber dennoch die volle Kontrolle und kann die Einhaltung von Standards sicherstellen. So werden Kreativität und Innovation möglich, ohne dass dabei Wildwuchs entsteht oder die Kosten explodieren. 

Beispiel ABN-AMRO

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Hans de Visser

Doch auch die Erneuerung bestehender Software durch die IT-Abteilung ist mit der Hilfe von Low-Code-Plattformen günstiger und schneller zu bewerkstelligen. So hat die Business Development Bank of ­Canada (BDC) mit Hilfe von Mendix innerhalb von acht Monaten ihren gesamten Workflow neu designt und ein Kreditsystem eingerichtet, das die Prüfung, Verwaltung und Auszahlung besonders flexibel und kundenfreundlich gestaltet. Ohne die Low-Code-Plattform hätte das Projekt rund 30 Monate gedauert. Diese Plattformen reduzieren also die Kapazitätsprobleme, entlasten die IT und geben Fachabteilungen mehr Freiheiten. Voraussetzung ­dafür ist jedoch, dass das Unternehmen für neue Wege der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Abteilungen bereit ist. Die Plattformen unterstützen das interdisziplinäre, kollaborative Zusammenspiel. Ist die Bereitschaft dafür nicht da, ist ihr Einsatz wenig sinnvoll. Wenn doch, können die Banken die ­Geschwindigkeit ihrer Digitalisierung deutlich erhöhen. So erstellte die niederländische Rabobank innerhalb weniger Monate ein Online-Banking Portal und eine native Mobile App mit der 500.000 Kunden ihre Ersparnisse von insgesamt mehr als 18 Milliarden Euro verwalten. ABN AMRO nutzt die Plattform ebenfalls und plant aktuell die Erstellung von bis zu 200 verschiedenen Apps und Anwendungen, die sowohl kundenseitig als auch ­intern zum Einsatz kommen sollen. 

Generell nimmt die Zahl der Software-Applikationen von Banken für unterschiedliche Kundengruppen stark zu. Immer speziellere Anwendungen müssen dabei jedoch die allgemeinen Sicherheitsstandards und regulatorischen Anforderungen erfüllen. Low-Code- und No-Code-Plattformen helfen dabei, den Überblick zu wahren. Diese neuartige Form der Erstellung von Unternehmens-Software wirkt als Akzelerator für Innovation. Sie katapultiert die Softwareentwicklung in ein neues Zeitalter.