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Auf dem Weg zu einer neuen IT Skyline

Ein Artikel von Andreas Huber | 22.07.2019 - 10:45
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„Die Branche durchlebt turbulente Zeiten und weitere Umbrüche stehen bevor, doch noch ist nichts verloren – im Gegenteil!“ Michael Rohde, CEO der STRANGE Consult

Der Markt ist in Bewegung – Banken, Sparkassen und Versicherungen wollen transformieren. Manchmal mag es scheinen, es fehlt ihnen an einem strategischen Zukunftsbild. 

Rohde: Die Branche durchlebt turbulente Zeiten und weitere Umbrüche stehen bevor, doch noch ist nichts verloren – im Gegenteil! Fest steht: Es muss strukturiert und zielorientiert gehandelt werden – und zwar jetzt!

Der Kapitalmarktzins, das forderndere Kundenverhalten und neue Marktbegleiter. Sind Banken denn überhaupt noch in der Lage, ihre IT zukunftsfest zu gestalten?

Ein Blick in die Vergangenheit beweist, die Branche war wandlungsfähig und wird es auch bleiben. Die Frage ist immer, mit welchem Investment und Aufwand ist das zu schaffen und bekommen die IT-Verantwortlichen genügend Zeit von den Fachbereichen zugebilligt? Die Gefahr der Schatten-IT wächst zunehmend, da sich Fachverantwortliche Lösungen auf dem Markt suchen. Diesen Wildwuchs wieder einzudämmen oder gar zu entfernen, kostet viele unnötige Ressourcen. Deshalb muss die Corporate IT sich jetzt ändern und neue Lösungswege ­suchen und auch realisieren. Lassen Sie mich ein Bild aus einem anderen Bereich aufgreifen: Eine moderne Städteplanung muss Antwort geben auf neue Bedürfnisse. Wie gehe ich mit Mobilität, Connectivity, New Work und dem veränderten Lifecycle Angebot mit spezifischer Kundenorientierung um, welche Antwort gebe ich darauf? Diese Metapher aufgreifend haben wir bei STRANGE Consult die IT-Skyline gewählt. 

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Die Lebenszyklus der IT seit dem Jahrtausendwechsel

Lassen Sie uns ins Detail gehen, wo genau liegt der größte Schmerz der Finanzdienstleister und wie lässt er sich beheben? 

In meinem Berufsleben habe ich als CIO und Berater fünf IT-Phasen erlebt. In der ­Effektivitätsphase mussten fachliche Anforderungen zur Gewinnung von Wettbewerbsvorteilen mit einer steigenden Anzahl an Systemen und Applikationen umgesetzt werden, die auf monolytischen Hostsystemen basieren. Darauf folgte die Effizienzphase. Hier stand die Standardisierung von Prozessen, IT-funktionalen Organisationen und Abläufen zur Verbesserung der IT mit einem gewissen Verlust an Fachbereichs­akzeptanz, da der Fachbereich die Standards der IT einhalten musste, im Vordergrund. In der  Phase der Fertigungsflexibilität ging es um die Nutzung von Services und Diensten am Markt zur Auslagerung von möglichst nicht kernrelevanten Leistungen mit Verlust an Detailkompetenzen bei langen Vertragslaufzeiten. Ihr folgte die Phase der regulatorischen Konformität mit der Erlangung sicherer Abläufe und Strukturen und einer nachvollziehbaren Vertraulichkeit, Integrität, Authentizität und Verfügbarkeit; das war verbunden mit einen Verlust an Effizienz und Effektivität. Nun sind wir in der Phase der Produktivität mit hohem Bedarf an Time-2-Market, Microdatenverarbeitung, Data-as-an-Asset zur vollständigen Informationstransparenz zum Kunden, Regulator und zur Unternehmensführung. Die Branche steht also im permanenten Anpassungsdruck. Zudem kommen ja auch ganz „reale“ Projektanforderungen hinzu. Denken Sie an den Jahrtausendwechsel, die Euro-Umstellung und die dramatisch angestiegenen Compliance-Anforderungen in Folge der Finanzkrise. Da die meisten klassischen ­Finanzdienstleister gewachsene Strukturen nach diesen Phasenabläufen er- und gelebt haben, liegt hier genau ihr Dilemma. Die Mehrzahl der Finanzdienstleister musste ihre IT-Architektur, die  anfangs ja konsistent war, immer wieder anpassen. Das führte zu einer Unübersichtlichkeit und zu einer Trägheit mit einer teilweise dramatischen Kostendimension. 

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Die 10 wichtigsten epics zur IT der Zukunft

Sehen Sie die Finanzdienstleister auf dem richtigen Weg oder brauchen sie neue ­Orientierungspunkte?

Viele Finanzdienstleister übernehmen und orientieren sich gerne an Marktaussagen und -trends wie aktuell Blockchain, Agilität, Customer Journey, Cloud; das sind sicherlich interessante Themen für die IT der Zukunft. Nur werden hier neue Baustellen aufgemacht, ohne das grundlegende Problem angepackt zu haben. Im Endeffekt sind die fachlichen Geschäftsinformationen und ­-daten in einer verständlichen und nachvollziehbaren Form zu identifizieren und alle IT-Dimensionen, wie Systeme, Applikationen, Architekturen, Prozesse, Organisationen, Governance, etc. haben sich danach auszurichten. Jeder Entscheider muss zu ­allererst die Frage beantworten: „Welche Informationen brauche ich jetzt und künftig zum Management meines Geschäftes?“ Vorstände fürchten, sie müssten mit inkonsistenten Daten Entscheidungen treffen. Das ist nicht nur aus Compliance-Gründen eine schwierige Ausgangslage. Die Frage „Welche Daten wurden wo, wie, wofür und von wem verändert?“ stellen Regulatoren übrigens gerne. Deshalb müssen zuverlässige Datenqualität und eine transparente Governance der Information noch mehr in den Mittelpunkt gerückt werden. Im Übrigen berücksichtigen heutige Systemlandschaften der Finanzdienstleister nur im geringen Umfang einen durchgängigen Datenqualitätsnachweis. 

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Die Ablaufveränderungen in der IT-Wertschöpfungskette

Zählen Banken, Sparkassen und Versicherer nicht seit jeher zu den Innovatoren? Datenverarbeitung gehört doch zur DNA der Industrie. Ändert die Digitalisierung wirklich so viel? Was ist jetzt anders an Veränderungen als früher, schließlich ­entwickelte sich die Branche stetig weiter?

Wenn Sie unter Innovation verstehen, neue disruptive Themen aufzunehmen, dann ja. Dass die Datenverarbeitung zur DNA eines Finanzdienstleisters gehört, ist absolut richtig, aber standen die Daten im Fokus oder Applikationen mit neuen Funktionalitäten? Die IT der Finanzdienstleister war über ­lange Zeit eher Getriebene als Treiber. Das sieht man unter anderem an den Kernsystemen der klassischen Finanzinstitute. Teilweise haben die heutigen Kernsysteme die klassische TCO „überlebt“, Entwickler wissen oftmals nicht mehr, welche Parame­trisierung welche Auswirkungen hat, geschweige denn, dass komplexe Anforderungen in T2M-Manier umsetzbar sind. In diesem Umfeld innovativ zu sein, ist schwierig – gelinde ausgedrückt. Deshalb bedarf es externer „Bedrohungszenarien“, damit die traditionellen Anbieter sich bewegen. Finanzinstitute reagieren oft erst, wenn „neue“ Institute oder Near- und Non-Finanzdienstleister den Markt betreten und innovative Lösungen entwickelt haben. Die grundsätzlichen Mechanismen der Weiterentwicklung der Branche unter Berücksichtigung politischer und makroökonomischer Kriterien werden weiter stattfinden, jedoch wird durch die Digitalisierung mit den regionalübergreifenden Möglichkeiten, der Zu­nahme der Informations- und Datenmacht großer Unternehmen mit Internetplattformen und die scheinbar unendlichen Performanzmöglichkeiten skalierbarer Systeme der Transformationswandel gefühlt exponentiell beschleunigt. 

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Die neue Art der Architekturentwicklung mit Fokus auf Datenzentrierung

Die IT der Zukunft muss bimodal leisten und sich stetig in einem Portfolio zwischen klassischer und agiler Systembereitstellung und zwischen einer öffentlichen und geschlossenen Datenbereitstellung unter Berücksichtigung unternehmerischer und regulatorischer Vorgaben positionieren. Im Bild der IT-Skyline der Zukunft mit ihren 8 Skyscrapern gesprochen, könnte die aktuelle Fokussierung der IT auf Modernisierung der Anwendungssysteme ohne die Ausrichtung auf das „Gold der Finanzdienstleister“ = die Daten und die enormen Investitionen in regulatorische Konformität zu Ungunsten der Umsetzung neuer Veränderungen in der Branche führen. Es wird in Zukunft essentiell sein, permanent kundenzentrierte Microservices in einem agilen Verfahren zu ent­wickeln, datenzentrierte Architekturen und Künstliche Intelligenz zu implementieren und die Unternehmenskultur in eine Servant Leadership zur Integration junger Talente zu transformieren. Der zentrale Platz in der künftigen IT-Skyline wird ein sicheres, effektives Datenmanagement mit einem höchstdynamisch wachsenden Informationsmanagement sein. Die logistischen Zugänge im Sinne eines lebenden IT-Ökosystems werden durch interdisziplinäre, selbstorganisierende Strukturen auf einem gemeinsam akzeptierten Werte- und Prinzipienmodell sein. Das Fundament dafür stellt natürlich eine intelligente und langfristig ausgelegte Architektur dar, um im Bild der Skyline zu bleiben.

Die STRANGE Consult GmbH hat ihre Kunden in zahlreichen Projekten und mit einer Vielzahl an Modellen/Verfahren schon mehrfach und ganzheitlich bei der strategischen Transformation in die IT der Zukunft erfolgreich begleitet.

www.strange-consult.de