Aus dem 'daily life' eines CDO: „Den ganzen Prozess im Blick“

Ein Artikel von Dunja Koelwel | 15.03.2021 - 07:06
Brandes_ Matthias_CDO_SWK_Bank.jpg

Matthias Brandes (56), ist Chief Digital Officer und Mitglied der Geschäftsführung der SWK Bank, Bingen am Rhein. Der studierte Wirtschaftsinformatiker und Bankkaufmann verantwortet die Bereiche IT-Operations & Organisation sowie IT-Analytics & Development. Er verfügt über 20 Jahre Erfahrung im Bankensektor und gestaltete die Digitalisierung der Finanzwelt seit ihren Anfängen in leitenden Positionen mit – zunächst im Umfeld der genossenschaftlichen Rechenzentralen GAD eG, Münster (heute Fiducia & GAD IT AG), bevor er 2005 zur comdirect, Quickborn, wechselte. Zuletzt verantwortete er als CDO die Digitalisierungsstrategie und die digitalen Vertriebskanäle der VerbundVolksbank OWL eG, Paderborn.

Wie beschreiben Sie den CDO von heute?

Matthias Brandes: Lag der Fokus von Digitalisierungsprojekten in der Vergangenheit häufig auf dem disruptiven Umbau von Unternehmen bzw. Geschäftsprozessen und der damit verbundenen Signalkraft, steht heute aus meiner Sicht die ganzheitliche Transformation im Vordergrund. Insofern ist ein CDO heute idealerweise ein Kenner der gesamten Wertschöpfungskette und den damit verbundenen Schnittstellen zur Unternehmenssteuerung.

Chief Digital Officer bei Banken – eher mit technischem oder eher Marketing Hintergrund?

Matthias Brandes: Mit der Positionierung des CDO im Marketing hatte ich schon immer meine Probleme, weil dort das Risiko einer „Scheindigitalisierung“ zu groß ist. Dementsprechend bevorzuge ich den technischen Hintergrund. Kenntnisse und Erfahrungen aus dem Produktmanagement und den Backofficeprozessen halt ich aber auch für wichtig.

Welche Kompetenzen sollte ein CDO mitbringen?

Matthias Brandes: Neben dem bereits angesprochenen Wissen über die Unternehmensprozesse, sind vor allem in Banken auch Kenntnisse über den regulatorischen Rahmen wichtig. Da Digitalisierungsaktivitäten häufig auch einen „Change“ in der Unternehmenskultur bedeuten, sollte der CDO ein Change-Manager sein und auch ein gutes Händchen im Umgang mit den kulturellen Unterschieden haben.

"Der nachhaltige Wille zur Veränderung ist entscheidend"

Welche Faktoren sehen Sie für den Erfolg des Chief Digital Officers?

Matthias Brandes: Die Basis aller geplanten Veränderungen sind die notwendigen Fähigkeiten und der nachhaltige Wille zur Veränderung. Deswegen muss realistisch beurteilt werden, was die Bank zu leisten vermag. Hierbei geht es um die notwendige technische Plattform, die leistungsfähig und flexibel genug sein muss, aber auch um die notwendigen Fähigkeiten, diese Plattform weiter zu entwickeln. Wenn dann der Wille zur Veränderung bei allen Beteiligten dauerhaft mehr ist als ein Lippenbekenntnis, dann kann der Digitale-Wandel gelingen.

Welche Projekte sind Ihnen kurzfristig und längerfristig wichtig?

Matthias Brandes: Im Fokus steht aktuell die Verlagerung von manuellen Entscheidungs- und Steuerungsprozessen auf die Maschine und der Umbau des Systems hin zu modularen Funktionsbausteinen, die über stabile Schnittstellen kommunizieren. Daneben gibt es heute auch noch zu viel „elektronisches Papier“, das durch vollständig Digitale Informationen abgelöst werden muss – hierbei denke ich z.B. an die KYC Prozesse.

Was möchten Sie Ihren Kollegen ans Herz legen?

Matthias Brandes: Mir ist es immer wichtig, den ganzen Prozess im Auge zu behalten. Die Lösungen sollten so konzipiert und umgesetzt werden, dass auch problemlos skaliert werden kann. Die Umsetzung dieser neuen Prozesse kann meines Erachtens dann in kleinere Schritte aufgeteilt werden, um Komplexität zu reduzieren und den Wandel so zum permanenten Erlebnis für die Mitarbeiter zu machen. Was den Veränderungswillen angeht, ist es meiner Erfahrung nach zweckmäßig, direkt Veränderungen zu starten, die dem Topmanagement einiges abverlangen – so kann man schnell beurteilen, wieviel Unterstützung für den CDO vorhanden ist.