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Abwicklung von Kreditprozessen mit Low-Code

Ein Artikel von Herbert Schild, Industry Lead of Financial Services, Appian | 26.02.2021 - 08:00
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Herbert Schild, Industry Lead of Financial Services, Appian

Die Wirtschaft ächzt unter der Last der Corona-Auswirkungen. Zahlreiche Branchen weltweit waren oder sind aufgrund von Corona von (Teil-) Schließungen, massiven Auftragsrückgängen und gravierenden Umsatzeinbrüchen betroffen und können die fehlenden Einnahmen kaum aus eigenen Mitteln kompensieren. Um den Unternehmen hier rasch zu helfen, haben viele Länder verschiedene Hilfspakete eingeführt. Auch die Regierungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz reagierten schnell und spannten einen Schutzschirm für den Mittelstand auf. Dieser umfasst unterschiedliche Unterstützungsmaßnahmen wie Kurzarbeit, aber auch sogenannte Schnellkreditprogramme.

Die dahinter liegenden Ablaufprozesse unterscheiden sich in allen drei Ländern der DACH-Region nur marginal. Banken und Finanzinstitute, die diese Kredite bearbeiten, sind oft von dem Antragsvolumen überfordert, denn der interne wie auch externe Verwaltungsaufwand ist sehr komplex und zeitintensiv. Das verlängert die Bearbeitungszeit und letztlich auch die Zuteilung der Schnellkredite an die Unternehmen.

Eine Low-Code-Automatisierungsplattform kann Finanzinstitute dabei unterstützen, den Kreditablauf zu vereinfachen und die Bearbeitungszeit vom Antrag bis zur Auszahlung des Schnellkredites zu beschleunigen. Sie erlaubt Finanzinstituten die schnelle und maßgeschneiderte Entwicklung von Applikationen und integriert diese nahtlos in andere Systeme. Dabei kann die Anwendung zu jeder Zeit flexibel angepasst werden, um auf die sich ständig ändernden gesetzlichen Anforderungen und Rahmenbedingungen reagieren zu können. Die auf der Low-Code-Automatisierungsplattform entwickelte Anwendung ist sofort und auf jedem beliebigen Gerät einsetzbar. Sie entspricht den höchsten Sicherheitsstandards on-Premise, in der Cloud oder als Hybrid-Modell. Somit arbeiten die Kreditmanager zu jeder Zeit und von jedem Ort aus in einer daten- und informationsgesicherten Umgebung. Dies ist insbesondere während dieser Pandemie wichtig, da Homeoffice-Regelungen einen Besuch der Büroarbeitsplätze oftmals nicht möglich machen.

RPA für regelbasierte, repetitive Aufgaben

Noch immer werden Verfahren wie der digitale Kreditantrag oder Robotic Process Automation (RPA) in vielen Finanzinstituten kaum oder gar nicht eingesetzt. Dabei bieten die von RPA bereitgestellten Automatisierungsfunktionen Banken vielfältige Möglichkeiten und einen großen Mehrwert. So hat der Einsatz von RPA beispielsweise oft effizientere Arbeitsabläufe und damit verbundene Kosteneinsparungen zur Folge. Software-Bots sind kostengünstig, leicht zu entwickeln, zu implementieren und im 24 Stunden Arbeitseinsatz tätig. Sie können umfangreiche regelbasierte Alltagsaufgaben wie die Dateneingabe erledigen und somit Mitarbeiter von repetitiven Aufgaben befreien. Das entlastet die Angestellten und schafft Kapazitäten für neue, strategischere Aufgaben. Zudem reduzieren RPA-Plattformen das Risiko menschlicher Fehler, das bei der manuellen Dateneingabe auftritt. Letztlich verbessert sich die Datenqualität, sodass die Informationen in Kreditvergabeprozessen schneller und genauer untersucht werden können.

Ein Beispiel dazu aus der Praxis: Bei jeder Kundenneuaufnahme spielt auch das wirtschaftliche Risiko eine wichtige Rolle. Die Einhaltung von Vorschriften wie CDD (Sorgfaltspflicht), KYC (Kundenüberprüfung) und AML (Bekämpfung der Geldwäsche) ist teuer und aufwendig. RPA erfasst, verbessert und liefert automatisch die genauen Daten für eine schnellere Darlehensqualifizierung. Diese werden aus internen oder externen Quellen herangezogen. Das wiederum zahlt darauf ein, wie schnell der Bearbeitungsprozess von Krediten abläuft – und führt letztlich zu einer schnelleren und zuverlässigeren Vergabe von Darlehen.

Risikomanagement und Dokumentenverarbeitung

KI-Systeme können Finanzinstitute in vielfältiger Weise unterstützen, beispielsweise beim Antrag, bei der Verarbeitung und bei der Vergabe der Schnellkreditprogramme. Intelligente KI-Systeme finden Mehrfachbewerbungen desselben Kreditnehmers oder eines nicht  existierenden Unternehmens und können damit eine durchaus wichtige Rolle im Bereich des Risiko- und Betrugsmanagements spielen. Sie erkennen anhand der Auswertung von internen Informationen aus Kreditentscheidungen und Rückzahlungsverhalten ihrer eigenen Kunden wie auch externer Datenquellen Muster, die dann mit den Daten des neuen Kreditantrags abgeglichen werden.

Daraus lassen sich Aussagen zur Kreditwürdigkeit des potenziellen Neukunden treffen und eine Kreditvergabe viel schneller befürworten oder ablehnen. Doch nicht nur im Bereich Risiko liefern KI-Systeme einen immanenten Mehrwert für die Finanzinstitute: Die Verarbeitung der strukturierten und unstrukturierten Daten in einem derartigen Kreditprozess ist aufwendig und sehr komplex. Mit Hilfe der intelligenten Dokumentenverarbeitung (IDP) werden in Dokumenten enthaltene unstrukturierte Daten in strukturierte Daten konvertiert. Dabei werden Technologien aus den Bereichen Machine Learning und KI kombiniert und bei Bedarf durch Mitarbeiter ergänzt. Diese Kombination aus Menschen, Prozessen und KI ermöglicht es Kreditmanagern, sich auf die wichtigen Aufgaben innerhalb dieses Schnellkreditprogrammes zu konzentrieren, ohne durch mühsame Dateneingabe ausgebremst zu werden.

Low-Code Definition

Low-Code ist eine Art der App-Entwicklung, die mit Hilfe visueller, modellbasierter Entwicklungsmethoden, die Zeit bis zur tatsächlichen Wertschöpfung verringert. Dabei ermöglichen agilen Entwicklungsmethoden teamübergreifende Zusammenarbeit und das schnelle Erstellen und Bereitstellen von cloudbasierten Anwendungen. Zusätzlich entlasten Low-Code-Plattformen einerseits Programmier-Laien, indem diese keinen Code schreiben müssen und unterstützen gleichzeitig professionelle Entwickler bei ihrer Arbeit, indem langwierige Installations- und Infrastrukturaufgaben bei der Anwendungsentwicklung abstrahiert werden. Das bedeutet konkret: Entwickler aus der jeweiligen Fach- und der IT-Abteilung entwickeln, iterieren und veröffentlichen Anwendungen gemeinsam in einem Bruchteil der Zeit, die mit den üblichen Entwicklungsmethoden benötigt wird.