Korrespondenzbanken: Kooperation statt Misstrauen

Ein Artikel von Andreas Belosjorow, Senior Vice President INTL FCStone | 07.02.2020 - 08:42

Die Gesetze zum Kampf gegen Geldwäsche sowie die Regelungen zur Aufnahme von Geschäftsbeziehungen zunehmend strikter. Welche Maßnahmen können dazu beitragen, den Sektor zu restrukturieren, um den immer schnelleren und kaum vorhersehbaren Entwicklungen der globalen Märkte mit einem robusten, technologisch zeitgemäßen Netzwerk von Finanzinstituten zu begegnen?

Ein effektives und sicheres Netzwerk an Korrespondenzbanken ist die wesentliche Basis für die finanzielle Begleitung des Auslandszahlungsverkehrs. Vertrauensvolle Partnerschaften sind hierbei entscheidend, um ein fundiertes Risikomanagement und effiziente Abwicklungsstrukturen zu bilden. Dabei stehen große internationale Geldinstitute in Konkurrenz, für internationale sowie mittelständische Unternehmen die Infrastruktur bereitzustellen, mit denen Transaktionsdienste wie der grenzüberschreitende Zahlungsverkehr erbracht werden können. 

Netzausbau: Banken müssen aus der Defensive finden

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Andreas Belosjorow

Aufgrund der strengeren Richtlinien der Behörden im Kampf gegen Geldwäsche sowie erheblicher Regelverletzungen in der Vergangenheit kam es zu Vertrauensverlusten. Viele Geldhäuser haben ihr Netz an Partnerinstituten deutlich verkleinert. Gleichzeitig sind die Gesamtvolumina von grenzüberschreitenden Zahlungen der letzten Jahre kontinuierlich gestiegen. Je mehr Risiken mit einem Land verbunden werden, desto stärker sind Firmen auf ihre Hausbanken angewiesen. Die Institute sichern hierbei Ex- und Importe gegen Währungsrisiken ab oder stellen mithilfe ihres Korrespondenzbanken-Netzwerks sicher, dass Geldflüsse wie z.B. Konzerndarlehen und Lohnzahlungen ins Ausland rechtzeitig bei den Empfängern ankommen. Ein Rückgang der Korrespondenzbankbeziehungen kann demnach den internationalen Zahlungsverkehr beeinträchtigen - mit gravierenden Auswirkungen für die hiesige Wirtschaft. 

Zielbild: Vertrauensvolle Beziehungen und fundierte Risikoeinschätzung

Fest steht: Der grenzüberschreitende Zahlungsverkehr ist ein Wirtschaftszweig, der auf Vertrauen aufbaut und ein Netzwerk benötigt, das dieses unterstützt. So müssen sich Unternehmen darauf verlassen können, dass internationale Finanzinstitute über ein belastbares Netzwerk verfügen, das sicher ist und eine hohe Anzahl an Transaktionen ermöglicht. Auf der anderen Seite müssen größere internationale Banken darauf vertrauen können, dass ihre Partnerbanken  sämtliche Compliance-Anforderungen erfüllen und über adäquate Anti-Geldwäsche-Regelungen verfügen. Neben technischen Aspekten sind diese beiden Faktoren für vertrauensvolle und sichere Beziehungen unerlässlich, um Kunden insbesondere in Schwellenländern effektiv mit Finanzdienstleistungen versorgen zu können.

Wie Banken ihre Rolle neudefinieren und moderne Lösungen bieten

Mehr denn je sind Banken in der Verantwortung juristische aber auch moralische Rahmenbedingungen einzuhalten oder gar selbst zu schaffen, um zu zeigen, dass sie aus Fehlern in der Vergangenheit gelernt haben. Mit der Einhaltung neuer regulatorischer Anforderungen substanzielle Kosten für die Finanzinstitute verbunden, denen magere Gewinnaussichten gegenüberstehen.

Exporteure wie auch Importeure können dennoch ohne viel Mehraufwand einen größeren Pool an Banken mit Auslandsgeschäften erschließen und gleichzeitig höhere Transparenzanforderungen einfordern. Um die Komplexität zu bedienen, stellt neben der Vereinheitlichung von regulatorischen Anforderungen auch der Datenaustausch ein wichtiges Element dar. Für mehr Transparenz müssen Korrespondenzbanken ihre Anforderungen definieren, gemeinsame Standardisierungsinitiativen vorantreiben und die bereits vorhandenen Daten noch effizienter nutzen.  

Kontinuierliche Analyse und einheitliches Kundenprofil

Wichtig ist daher, dass Banken die Daten ihrer Geschäftspartner hinsichtlich Vollständigkeit, Korrektheit, Aktualität und Präzision fortlaufend aktualisieren. Ein Stammdatenmanagement unterstützt beispielsweise darin, Informationen aus verschiedenen internen und externen Quellen zusammenzuführen und Dopplungen zu entfernen. Korrekte, aktuelle und vollständige Informationen ergeben zusammengefasst ein einheitliches, im Unternehmen zentral zur Verfügung stehendes Profil. Neue Technologien wie Blockchain können hierbei perspektiv unterstützen, müssen hierfür jedoch einen höheren Reifegrad erreichen, um flächendeckende Relevanz zu erzielen.

Sobald das vereinheitlichte Geschäftspartnerprofil feststeht, müssen die jeweiligen Kontoinhaber mit Referenzdatenbanken und Sanktionslisten abgeglichen und eine Entscheidung herbeigeführt werden. Dieser Prozess geschieht nicht nur bei der Neuanlage eines Geschäftspartners, sondern auch kontinuierlich bei Bestandspartnern. IT-Systeme müssen folglich die Fähigkeit besitzen, Daten der Bestandskunden regelmäßig, idealerweise automatisiert, zu prüfen und auf Auffälligkeiten zu bewerten. Banken können somit effektive Maßnahmen zur Risikobehebung frühzeitig ergreifen und Reputationsrisiken sowie mögliche Geldstrafen vermeiden.

Fazit

Seit der Finanzkrise versuchen viele Geldinstitute ihre Korrespondenzbanknetzwerke zu rationalisieren – in einigen Regionen führt das zu einem Rückgang von bis zu 30 Prozent. Gleichzeitig nimmt das  Transaktionsvolumen grenzüberschreitender Zahlungen erheblich zu. Ein Dilemma, wofür es bereits etablierte Lösungen gibt: Ungeachtet des technologischen Fortschritts, ist das Korrespondenzbankgeschäft ein von Menschen geführtes Geschäft, das auf Sicherheit, Vertrauen und Effizienz basiert. Was vor einigen Jahren noch kaum verbreitet war, ist heutzutage der neue Standard im Korrespondenzbankgeschäft, nämlich die Zusammenarbeit von Finanzinstituten mit spezialisierten Firmen, um gemeinsam kosteneffiziente und ganzheitliche Finanzdienstleistungen für Unternehmen zu realisieren. Bei einem globalen Markt dieser Größe ist Kooperation sämtlicher Marktteilnehmer eine veritable Herausforderung aber auch gleichzeitig die Lösung.