Commerzbank trotz Corona mit Quartalsgewinn

Ein Artikel von red | 07.08.2020 - 12:59

Insgesamt steigerte die Bank die Erträge im Vergleich zum Vorjahresquartal um fast sieben Prozent. Hier spiegeln sich ein deutlicher Anstieg des Provisionsergebnisses und Aufholungen bei Bewertungseffekten wider. Letztere hatten das Vorquartal stark belastet und haben sich wie erwartet teilweise erholt. Die Operativen Kosten senkte die Bank um 3,3 Prozent. Dem stand ein mit minus 469 Millionen Euro deutlich höheres Risikoergebnis gegenüber. Es beinhaltet weitere Corona-Effekte von minus 131 Millionen Euro und Belastungen von 175 Millionen Euro aus einem Einzelfall. Obwohl die Bank die neuen regulatorischen Übergangsregeln nicht genutzt hat, verbesserte sich die harte Kernkapitalquote von 13,2 Prozent im Vorquartal auf 13,4 Prozent und liegt damit weiter klar über allen Anforderungen.

Die digitalen Angebote der Bank erhielten einen weiteren Schub

Seit Beginn der Corona-Krise hat die Commerzbank rund 21.000 Kreditanfragen mit einem Volumen von 20 Milliarden Euro erhalten und KfW-Kredite in Höhe von rund sieben Milliarden Euro genehmigt. Damit liegt der Marktanteil der Bank bei KfW-Krediten bis 100 Millionen Euro bei rund 15 Prozent. Darüber hinaus hat die Bank mehr als 33.000 Kredite mit einem Volumen von mehr als 3,4 Milliarden Euro gestundet.

Die digitalen Angebote der Bank erhielten einen weiteren Schub. So erreichte die Zahl der aktiven Nutzer von Portal und Banking-App im Juni mit 2,7 Millionen einen neuen Höchststand. Allein die Banking-App der Commerzbank hatte im Juni fast 1,6 Millionen aktive Teilnehmer. Das Angebot hier wird etwa alle zwei Wochen um neue Funktionen erweitert, wie etwa die Möglichkeit, Wertpapiere über die App zu ordern oder Apple-Pay auch ohne Kreditkarte zu nutzen. Die dafür notwendige virtuelle Debit Card wurde nach der Einführung Mitte Juni bereits mehr als 100.000-mal bestellt.

Kräftiger Zuwachs des Provisionsüberschusses

Die Erträge im Konzern stiegen im zweiten Quartal um 6,8 Prozent auf 2.273 Millionen Euro (Q2 2019: 2.129 Millionen Euro). Sie profitierten von einem kräftigen Zuwachs des Provisionsüberschusses um sieben Prozent vor allem dank eines starken Wertpapiergeschäfts. Zum Ertragsplus beigetragen haben auch erste Aufholungen der negativen Bewertungseffekte aus dem ersten Quartal. Einen positiven Beitrag von rund 50 Millionen Euro steuerte der Venture-Capital-Fonds der Commerzbank, Commerz-Ventures, bei. Bereinigt um Sondereffekte wuchsen die Erträge um 184 Millionen Euro auf 2.278 Millionen Euro (Q2 2019: 2.095 Millionen Euro) an.

 Die Operativen Kosten sanken trotz IT-Investitionen infolge des anhaltenden Kostenmanagements im zweiten Quartal weiter um 53 Millionen Euro auf 1.526 Millionen Euro (Q2 2019: 1.579 Millionen Euro). Dazu trug auch der fortgesetzte Stellenabbau bei. Per Ende Juni 2020 lag die Zahl der Vollzeitstellen im Konzern bei rund 39.700, das sind rund 1.000 weniger als ein Jahr zuvor. Den gesenkten Operativen Kosten standen 73 Millionen Euro Pflichtbeiträge gegenüber, die mit einem Plus von 10 Millionen Euro gegenüber dem Vergleichsquartal erneut gestiegen sind (Q2 2019: 63 Millionen Euro).

Die harte Kernkapitalquote verbesserte sich

Das Risikoergebnis erhöhte sich im zweiten Quartal deutlich auf minus 469 Millionen Euro (Q2 2019: minus 178 Millionen Euro). Davon sind allein minus 175 Millionen Euro auf einen großen Einzelfall zurückzuführen. Corona-Effekte belasteten das Risikoergebnis zudem mit insgesamt 131 Millionen Euro. Darin enthalten ist eine vorsorgliche Buchung von 84 Millionen Euro für erwartete künftige potenzielle Auswirkungen im Zusammenhang mit Corona. Insgesamt blieb die Qualität des Kreditbuches dank des massiven Risikoabbaus in den vergangenen Jahren mit einer Quote der Problemkredite von weiterhin niedrigen 0,8 Prozent unverändert gut.

 In Summe erzielte die Bank im zweiten Quartal ein Operatives Ergebnis von 205 Millionen Euro (Q2 2019: 309 Millionen Euro). Das Vorsteuerergebnis belief sich auf 211 Millionen Euro (Q2 2019: 329 Millionen Euro). Unter dem Strich erwirtschaftete die Bank damit ein ihren Aktionären zurechenbares Konzernergebnis von 220 Millionen Euro (Q2 2019: 279 Millionen Euro). Darin spiegelt sich auch eine niedrige Steuerquote wider, unter anderem weil sich der Bewertungsgewinn von Commerz-Ventures steuerlich nicht niederschlägt.

 Die harte Kernkapitalquote (Common-Equity-Tier-1-Quote/CET-1-Quote) verbesserte sich per Ende Juni auf 13,4 Prozent (Ende März 2020: 13,2 Prozent; Ende Juni 2019: 12,9 Prozent), wobei die Bank neue regulatorische Möglichkeiten und Übergangsregeln nicht angewendet hat. Die gestiegenen risikogewichteten Aktiva wurden vom Kapitalaufbau infolge des positiven Quartalsergebnisses, geringerer regulatorischer Abzüge und positiver Effekte aus der Neubewertungsrücklage überkompensiert. Per 30. Juni 2020 lag die Bank mehr als 300 Basispunkte über der regulatorischen Anforderung an das harte Kernkapital („MDA-Schwelle“), die sie durch die erfolgreiche Emission von AT-1- und Tier-2-Kapitalinstrumenten im zweiten Quartal von 10,8 Prozent auf 10,1 Prozent senken konnte. Die Leverage Ratio lag bei 4,7 Prozent (Juni 2019: 4,5 Prozent) und damit ebenfalls klar über den Anforderungen.

Ausblick

 Unter den Annahmen, dass es zu keinem zweiten Lockdown kommt, sich die wirtschaftlichen Aktivitäten schrittweise wieder erholen und sich die staatlichen Hilfsprogramme als wirksam erweisen, erwartet die Bank in diesem Jahr weitgehend stabile Erträge im Kundengeschäft des Segments Privat- und Unternehmerkunden, während im Firmenkundensegment mit stärkeren Corona-Effekten zu rechnen ist. Die Bank setzt ihr Kostenmanagement fort und strebt eine Kostenbasis inklusive der IT-Investitionen leicht unter dem Niveau des Geschäftsjahres 2019 an. Beim Risikoergebnis erwartet die Commerzbank Belastungen zwischen 1,3 Milliarden und 1,5 Milliarden Euro. Damit rechnet die Bank unter Berücksichtigung von möglichen Restrukturierungsaufwendungen für dieses Jahr mit einem negativen Konzernergebnis. Das Ziel für die harte Kernkapitalquote liegt weiter bei mindestens 12,5 Prozent und damit im Rahmen der gesenkten regulatorischen Anforderungen.