Banken-Erfahrungen mit "agile & lean"

Ein Artikel von Stefanie Walter | 14.05.2020 - 12:36

Agile und leane Organisation in Banken. Unternehmen, die die Arbeitsmethoden „Agile“ und „Lean“ eingeführt haben, nennen diverse Verbesserungen: mehr Effizienz, schnellere Anpassung an ein sich veränderndes Umfeld, mehr Gestaltungsmöglichkeiten für Mitarbeiter, höhere Geschwindigkeit und eine gesteigerte Kundenzufriedenheit. Auch Banken haben erste Erfahrungen mit diesen Methoden gemacht. Welche konkreten Beispiele gibt es bereits?

Christoph Richard Müller (Frankfurter Sparkasse, Referent Unternehmensstrategie): Vor einem Beispiel würde ich gern noch einen zentralen Punkt aufgreifen. Kommunikation ist entscheidend! Sie ist durch den immer größeren Veränderungsdruck immer wichtiger geworden. Das gilt für die Organisation als Ganzes, aber auch für jeden Einzelnen, der sich in der Organisation bewegt. Wir versuchen dies zu lösen, indem wir jedem Reflektionsräume geben, ob nun auf Managementebene oder auf Mitarbeitendenebene. Jeder unserer Mitarbeitenden kann an einem Seminar der Frankfurter Sparkasse, dem sogenannten „Crashkurs Zukunft“ teilnehmen, bei dem ein offener Austausch stattfindet. Behandelt werden dabei aktuelle Themen, Problematiken, Effizienzfragen. Mitunter geht es auch um die jeweils richtige Methodik.

Insgesamt ist es unser Ziel, dass sich möglichst viele Menschen, die sich bei uns im System bewegen, mit dem identifizieren, was sie tun. Hierfür müssen wir transparent kommunizieren und auch einen Diskurs zulassen. Jeder bei uns ist eingeladen mitzuwirken – muss aber auch die Notwendigkeit von Veränderungen erkennen. Dies alles sollte nicht nur auf Basis einer Zielfestlegung stattfinden, sondern vor allem aus einer intrinsischen Motivation heraus kommen.

Michael Schindler (LBBW Landesbank Baden-Württemberg, Agilitätsmanager der LBBW und Leiter der Gruppe Prozesse & Steuerung Bankbetrieb) : Positive Erfahrungen und Erlebnisse bestärken die Motivation, es selbst einmal auszuprobieren.

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Christoph Richard Müller, Frankfurter Sparkasse, Referent Unternehmensstrategie. © wmp-wizard-media Fotografie-Schepp

Christoph Richard Müller: Wir sind sehr agil. Was hierbei hilft, sind konkrete Erfolgsbeispiele, etwa die Anwendung „Friends in Banks“, mit der wir national und international sogar Preise gewonnen haben. Wir hatten den Mitarbeitenden eine offene Fragestellung gegeben: Wie kann man die Maßgabe „digital first“, die für Kunden bei ihrem Kontakt zu uns höchste Priorität hat, am besten verknüpfen mit dem Service unserer Kundenberater aus den zahlreichen Geschäftsstellen der Frankfurter Sparkasse? An dieser Challenge konnten sich alle Mitarbeitenden beteiligen, die Interesse hatten mitzuwirken. Heraus kam ein „digitaler Beraterfinder“.

Dieser befragt den Nutzer zu seinen finanziellen Vorhaben und zu seinen persönlichen Interessen. Aus den eingegebenen Antworten heraus wird dann der Berater aus der jeweiligen Geschäftsstelle heraussucht, der persönlich am besten zu dem Kunden passt. Für diese Anwendung wurde die Frankfurter Sparkasse mehrfach ausgezeichnet. Ein solches Ergebnis, das aus einem agilen Projekt heraus entstanden ist, ist sehr motivierend und hilft dabei, agiles Arbeiten weiter zu forcieren. Der Erfolg damit ist natürlich nicht planbar. Es ist aber lohnend, zu überlegen, wie sich möglichst viele Mitarbeitende aus innerer Motivation heraus mit dem Unternehmen verbinden. Hierzu ist es notwendig, dass sich die Menschen jenseits ihrer Position „barrierefrei“ austauschen. Diese Freiräume muss ich ihnen geben.

Markus Klusemann (Triodos Bank, Leiter Retail Banking & Operations): Ihr Projekt ist ein sehr gutes Beispiel! Es gab eine bestimmte Fragestellung – Sie haben diese „ausgeschrieben“, Mitarbeiter haben Ideen und Lösungen geliefert und gemeinsam mit der Bank umgesetzt. Vielleicht muss man als Führungskraft oder als Vorstandsmitglied wegkommen von dem ursprünglichen Gedanken, Entscheidungen allein zu fällen, sondern vieles auch als eine Art Beratungsprozess sehen.

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Lars Sørstrøm, Synpulse Management Consulting, Partner und Geschäftsführer Deutschland © wmp-wizard-media Fotografie-Schepp

Lars Sørstrøm: Man muss allerdings erst einmal den Menschen die Gelegenheit geben, sich auszuprobieren! Unsere Erfahrung bei Lean und Agile ist: Etwas vorab rein über Kommunikation spürbar zu machen, ist fast unmöglich. Um etwas wirklich zu verstehen oder zu erkennen, dass es einem selbst bzw. dem Unternehmen Kraft gibt, muss man es ausprobieren! Dazu muss man die Methodik gemeinsam mit den Mitarbeitern anwenden und auf diese Weise wirken lassen. So spüren sie das Vorgehen! Von dort aus kann es Schritt für Schritt weitergehen.

Michael Schindler (LBBW Landesbank Baden-Württemberg, Agilitätsmanager der LBBW und Leiter der Gruppe Prozesse & Steuerung Bankbetrieb):  Positive Erfahrungen und Erlebnisse bestärken die Motivation, es selbst einmal auszuprobieren. Ein Erfolgsbeispiel aus der LBBW ist, dass sich ein Großteil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit dem Themenfeld Agilität beschäftigt und auf den Weg macht. Und auch kleine Erfolge sind wichtig, ebenso wie eine gute Kommunikation ins Haus hinein.