„Verifikationsverfahren sind mittlerweile Mainstream“

Ein Artikel von red | 23.10.2020 - 14:03
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Jörg Schwitalla, Giropay Geschäftsführer

„Invisible Payments“ ist für Banken ein Spagat zwischen User Experience – also dem Wunsch möglichst komfortabel zu bezahlen – und Sicherheit, Datenschutz sowie regulatorischen Anforderungen. Die seitens der EBA verordnete 2-Faktor-Autorisierung ist ja nun das völlige Gegenteil von „Invisible Payments“.

Viele Menschen verbringen nach wie vor mehr Zeit zuhause und kaufen verstärkt im Internet ein. Dass Giropay ohne zusätzliche Registrierung funktioniert und nur die Online-Banking-Zugangsdaten zum Bezahlen erfordert, stößt daher auf Zuspruch seitens der Kunden. Und die teilnehmenden Banken und Sparkassen profitieren in Form steigender Provisionen von dieser Entwicklung. Können Sie ein wenig skizzieren, wie sich Corona auf Giropay ausgewirkt hat?

Jörg Schwitalla: Giropay verzeichnet eine nachhaltig erfreuliche Transaktionsentwicklung: Seit April wurden jeden Monat über eine Million Transaktionen mit Giropay abgewickelt. Die positive Transaktionssteigerung basiert vor allem auf einem Nachfrageanstieg bei Lieferdiensten, Lebensmitteln, Drogerien und Apotheken sowie bei Produkten und Dienstleistungen, die der Freizeitbeschäftigung dienen – von Elektronikartikel über Telekommunikation, Computer und Spiele bis hin zu Software. Zudem ist eine erhöhte Nachfrage der Kommunen zu verzeichnen, die verstärkt an dem Auf- und Ausbau von Bürger-Service-Portalen arbeiten und Giropay als Bezahlverfahren nutzen wollen. Angesichts von Kontaktbeschränkungen und geschlossener Bürger-Büros hat sich hier auch besonders gezeigt, wie wichtig das Vorankommen beim Thema Digitalisierung von Verwaltungsvorgängen ist.

Ein Problem beim Onlineeinkauf ist in manchen Bereichen die Altersverifikation und einige konkurrierende Systeme buhlen um die Gunst von Handel und Konsumenten: Verimi, Net-ID, Google und Facebook und deren Sammel-Zugangsverwaltungen – was unterscheidet Giropay?

Jörg Schwitalla: Giropay bietet unter der Dachmarke Giropay-ID mehrere Online-Verifikationsdienste an. Kunden können ihre Volljährigkeit oder aber ihre Kontoverbindung nachweisen. Dabei nutzt der Kunde - wie er es von Giropay gewohnt ist - sein vertrautes Online-Banking bei seiner Bank oder Sparkasse mit PIN und TAN. Im Gegensatz zu anderen Verifikationsverfahren ist also keine zusätzliche Registrierung erforderlich. Und der Kunde kann sich auf den Datenschutz und die Sicherheitsstandards seiner Bank verlassen.

Giropay bietet ja eigentlich schon seit 2014 eine Altersverifikation. Wieso gewinnt das Thema bei Giropay und den anderen Anbietern erst jetzt so richtig an Fahrt?

Jörg Schwitalla: Wir haben sehr früh erkannt, dass es Bedarf für Verifikationsverfahren im E-Commerce gibt. Zugegeben war dies 2014 eher noch eine Nische, aber mittlerweile ist es eher Mainstream. So tragen strengere Auflagen und Gesetze dazu bei, dass im Online-Handel eine rechtssichere Altersverifikation für bestimmte oder jugendgefährdende Inhalte zwingend notwendig ist. Aber auch beim Lottospiel müssen alle Teilnehmer eine Volljährigkeitsprüfung durchlaufen. Interessant sind Konzepte für Shop-Betreiber dann, wenn sie idealerweise ohne Medienbruch funktionieren, denn das kostet Zeit und Geld; und man verliert Kunden dabei möglicherweise auf der Strecke -Stichwort Conversion Rate.

Mit Giropay-ID funktioniert eine Verifikation ohne vorherige Registrierung oder Anmeldung, ganz einfach mit den vorhandenen Online-Banking-Zugangsdaten (PIN und TAN). Darüber hinaus entspricht Giropay-ID den Anforderungen des aktuellen Jugendschutzes und wurde daher von der KJM (Kommission für Jugendmedienschutz) positiv bewertet. Es bietet Shop-Betreibern also auch die erforderliche Rechtssicherheit. Giropay-ID überzeugt in vielerlei Hinsicht, und das Interesse an der Einbindung von Giropay-ID ist nicht erst seit heute da. So nutzen zahlreiche Lotteriegesellschaften bereits seit längerem erfolgreich die Alters- und Kontoverifikation mit Giropay-ID.

Ein derzeit immer intensiver diskutierter Trend ist „Invisble Payment“, also der Bezahlvorgang verschiebt sich in den Hintergrund, wird quasi unsichtbar. Was bedeutet das künftig für Banken?

Jörg Schwitalla: „Invisible Payments“ oder auch „0-Click-Payments“ beschreiben ja einen automatischen Zahlungsvorgang im Hintergrund, der nicht aktiv vom Nutzer ausgelöst wird. Unsichtbar meint in diesem Fall, dass Nutzer nichts vom Bezahlvorgang mitkriegen, weil er vollkommen automatisch abläuft. Ein Beispiel dafür ist der „Amazon Dash Button“. Per Knopfdruck startet nicht nur die Bestellung des jeweiligen Produkts, sondern auch gleichzeitig der Bezahlvorgang über die bei Amazon hinterlegten Konto- oder Kreditkartendaten.

Am Beispiel „Amazon Dash Button“ sieht man aber auch deutlich, dass die Konzepte noch nicht ausgereift sind. Die Dash Buttons wurden im Herbst 2019 in Deutschland eingestellt. „Invisible Payments“ ist für Banken ein Spagat zwischen User Experience – also dem Wunsch möglichst komfortabel zu bezahlen – und Sicherheit, Datenschutz sowie regulatorischen Anforderungen. Die seitens der EBA verordnete 2-Faktor-Autorisierung ist ja nun das völlige Gegenteil von „Invisible Payments“. Banken müssen auch unter Berücksichtigung dieser Vorgaben Lösungen finden, damit ihre Kunden einfach und dennoch sicher bezahlen können. Dass ein zweiter Faktor biometrisch sein kann, also ein Fingerabdruck oder eine Gesichtserkennung, ist hilfreich mit Blick auf die UX. Darauf haben viele Banken bei ihren Banking-Apps schnell reagiert und es umgesetzt. Insofern bin ich zuversichtlich, dass Banken auch zukünftig im Rahmen der Möglichkeiten diesen Spagat im Payment meistern werden.

Seit dem Frühjahr hat man immer wieder von dem Zusammenschluss von Paydirekt und Giropay gehört. Nun ist es seit Ende August soweit und Paydirekt wird zukünftig auch das Online-Bezahlverfahren Giropay bereitstellen. Wie wird die Zusammenarbeit aussehen?

Jörg Schwitalla: Ende August haben Paydirekt und Giropay vertraglich fixiert, dass Paydirekt zukünftig auch das Online-Bezahlverfahren Giropay bereitstellt und hierfür alle relevanten Unternehmensteile von Giropay übernimmt. Der Erwerb wird zum 1. Dezember 2020 wirksam vorbehaltlich der Prüfung durch die Wettbewerbsaufsicht. Damit bündeln die deutschen Banken und Sparkassen ihre beiden kontobasierten Online-Bezahlverfahren. Die Verbindung von Paydirekt und Giropay ist ein wichtiger strategischer Baustein für die Weiterentwicklung der Bezahlverfahren und schafft für Kunden und Handel ein noch umfassenderes Payment-Angebot. Die einheitliche unternehmerische Führung wird es außerdem möglich machen, Synergien in Vermarktung und Betrieb zu realisieren.