Kreditsicherheiten digital schützen

Ein Artikel von Frank Schottenheim, Director Financial Institutions PS-Team Deutschland GmbH & Co. KG | 21.10.2019 - 09:56
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Bei Kreditsicherheiten leisten sich Kreditinstitute offene Flanken 

Wenn Sparkassen und Banken sich über das für gewöhnlich gute Abschneiden in der jährlichen GuV-Statistik der Bundesbank freuen, wird ein Aspekt übersehen: Die Risikokosten betragen heute maximal ein Drittel des langfristigen Durchschnitts. Trübt sich die Konjunktur ein, werden sie wieder auf Normalmaß steigen: Die Finanzierer müssen ihre Kunden aus dem Mittelstand mit strengeren Maßstäben für die Kreditvergabe und höheren Zinsen konfrontieren, was ihre Wettbewerbs­fähigkeit schwächt. 

Vor allem bei den Kreditsicherheiten leisten sich die Kreditinstitute offene Flanken: Daten zu mobilen Wirtschaftsgütern finden sich kaum in ihren Systemen – und was nicht beschrieben ist, kann schlecht klar identifiziert werden. Damit steigt die Gefahr, Objekte zu finanzieren, die entweder überhaupt nicht existieren oder bereits bei einem anderen Kreditgeber oder sogar mehreren als Sicherheiten hinterlegt sind. Auch Firmenkunden mit weniger krimineller Energie als der FlowTex-Gründer Manfred Schmider können so erheblichen Schaden anrichten. Bereits vor zehn Jahren entstand die Idee, dingliche Sicher­heiten über eine gemeinsame Datenplattform zu überwachen und zu schützen. Der Ansatz ist alternativlos, denn bei der Mehrfachfinanzierung spielen die Kredit- und Leasingnehmer die Geldgeber gegen­einander aus – und eben das gilt es aufzudecken. Über das Register PS DataCollect melden schon heute viele Finanzierungs- und Leasinggesellschaften ihre Objekt­daten von Maschinen, Fahrzeugen und ­Anlagen. Diese Daten werden automatisiert abgeglichen, um Überschneidungen festzustellen, die auf eine Doppel-, Mehrfach- oder Luftfinanzierung hinweisen. Unregelmäßigkeiten und Betrug werden so frühzeitig erkannt und können oft ohne monetären Schaden für den Finanzierer behoben werden.  

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Frank Schottenheim

Mehr als drei Millionen Objekte werden derzeit durch PS DataCollect überwacht. Rund 8.000 Verdachtsfälle meldet es im Jahr und bewahrt die Finanzierer vor Verlusten in Millionenhöhe. Als wichtigen Beitrag zum Risikomanagement hat die Schufa das Register in ihr Betrugspräventions-Portfolio aufgenommen. Zwar profitieren auch die Kredit- und Leasing­institute, die nicht teilnehmen, von der ­abschreckenden Wirkung des Registers. Doch kann das den Abgleich der eigenen Daten mit denen anderer Finanzierer nicht ersetzen. Da die Nutzung der Plattform auf Teilnehmerseite keine IT-Aufwände voraussetzt, lässt sie sich die Prüfung kostengünstig in den Gesamtprozess integrieren. 

Die Teilnehmer von PS DataCollect stellen ihre Objektdaten über gesicherte Verbindungen ein und können sich mit einer Präventivabfrage sogar vor Auszahlung vergewissern, dass das Eigentum oder Sicherungseigentum nicht zum Bestand eines anderen Finanziers gehört. Treten während der regelmäßigen Prüfungen Unregelmäßigkeiten auf, werden die betroffenen Institute über einen standardi­sierten Eskalationsprozess informiert. Sie klären den Fall dann untereinander. Die Ursache kann auch in den Abläufen liegen, weil beispielsweise ein Fahrzeug noch nicht aus dem Bestand des Einkaufs­finanzierers ausgebucht, aber bereits von der Sparkasse des Käufers aufgenommen wurde. Sollte ein Betrug dahinterstecken, können die Finanzierer rasch reagieren. Unangenehme Überraschungen am Ende der Laufzeit gehören damit der Vergangenheit an.