Handlungsbedarf: Zahlungsdienstleister auf dem Vormarsch

 
26.07.2010
 

Branchenfremde Unternehmen und Großkonzerne sehen ihre Chance in der Finanzkrise. Der Technologiekonzern Siemens will nun eine eigene Bank gründen, um unabhängiger von den Kreditinstituten zu sein. Die Payment Services Direktive (PSD) macht es möglich: seit November 2009 dürfen Zahlungsdienstleister (Payment Service Institutions) neben Banken und Finanzdienstleistern ebenfalls Zahlungsverkehr abwickeln.

Mittlerweile gibt es laut Europäischer Union 71 registrierte Zahlungsdienstleister in Europa. Im Vergleich zu den europaweit 6.500 Banken ist dies natürlich eine sehr geringe Zahl. Dies mag daran liegen, dass PSD in den Ländern noch nicht vollkommen umgesetzt wurde. Der Zahlungsverkehr erlebte keine großen Einbußen in der Krise. Deshalb wird es in den nächsten Jahren immer mehr Unternehmen geben, die diesen Bereich selbst abwickeln wollen. Doch was bedeutet dies für Kreditinstitute und für den Zahlungsverkehr?

Marco Venturella, Account Director DACH bei VocaLink sieht bei den Banken dringenden Handlungsbedarf:
„Für deutsche Banken, können Zahlungsdienstleister zu einer ernsthaften Konkurrenz werden. Denn sie verlieren nicht nur ihre Großkunden, sondern auch Konsumenten wandern immer öfter ab. Laut einer vom Gallup Institut durchgeführten Studie bezeichnen sich nur 14 Prozent der Bankkunden als loyale Kunden. Nur 27 Prozent der Bankkunden sehen einen Wechsel als schwierig oder riskant an. Das kann für Banken auf Dauer dramatische Folgen haben. Deshalb müssen Banken nun erst recht umdenken und den Zahlungsverkehr aus einer anderen Perspektive betrachten.

Um mitzuhalten, müssen Banken in erster Linie standardisierte und automatisierte Lösungen einsetzen. Denn nur diese bringen wirklich die notwendigen Kosteneinsparungen und Profitabilität. In Zukunft sollten Banken und Zahlungsdienstleister zusammenarbeiten, damit Synergieeffekte erzeugt werden können. So können Banken von neuen Zahlungsmodellen profitieren, die sie aus Zeit- oder Ressourcengründen nicht entwickeln können. Zahlungsdienstleister wiederum können von einem bestehenden Kundenstamm profitieren und damit das Risiko minimieren. Banken sollten rechtzeitig neue Zahlungswege oder Partner in Erwägung ziehen und damit sich und neuen Marktteilnehmern eine Chance geben.“

str