Stellungnahme : Wie die Lünendonk-Liste führende Hersteller ermittelt

 
12.06.2009
 

Zur Lünendonk-Liste "Business Intelligence", über die wir jüngst berichtet haben, erreichte uns ein Leserbrief, der die Richtigkeit des Rankings in Frage stellte. Im Folgenden lesen Sie die Vorwürfe des kritischen Lesers sowie die Stellungnahme, die uns von Seiten Lünendonks als Reaktion hierauf erreichte.

Hier die Kritik eines Lesers am Lünendonk-Ranking:

1. Vier der fünf größten BI-Anbieter in Deutschland fehlen: SAP, Oracle, IBM, Microsoft - das sind ungefähr 50% des Umsatzes des BI-Softwaremarktes in Deutschland.
2. Das Aufnahmekriterium für eine Aufnahme in die Liste ist: „Mehr als 50% des Umsatzes werden mit der Produktion, Vertrieb und Wartung eigener Business-Intelligence-Software-Produkte erzielt“. Dies ist offensichtlich nicht erfüllt bei Sybase (als Nr. 2 der BI-Anbieter in Deutschland ausgewiesen), deren Hauptumsatz in einer relationalen Datenbank für operative Anwendungen und mobilen Applikationen liegt – der Business-Intelligence-bezogene Umsatz dürfte geringer als 10% sein, Orbis (Nr. 5 der Liste), die ihren Hauptumsatz mit ERP und CRM-Einführung machen und Novem (Nr. 13), die IBM Cognos Software weiterverkaufen. Bei CSS ist es eine Definitionsfrage, welche der angebotenen Lösungen überhaupt dem Segment Business Intelligence zugeordnet werden können.
3. Wenn das Aufnahmekriterium in die Liste die Produktion, Vertrieb und Wartung von Standardsoftware ist, dann sollte sich der Umsatz folgerichtig auch auf dieses Tätigkeiten beziehen. Die ausgewiesenen Umsätze sind aber offensichtlich Gesamtumsätze inklusiver weiterer Leistungen wie Implementierungsberatung. Der Anteil des eigentlichen Softwareumsatzes ist aber bei den aufgeführten Anbietern höchst unterschiedlich und schwankt zwischen 55 und 95%. Damit sind die Anbieter aber zumindest hinsichtlich einer Aussagekraft für "Anbieter für Standardsoftware" nicht anhand ihres Gesamtumsatzes vergleichbar.
Fazit: Es fehlen 4 der Top 5 Anbieter, es finden sich in den angeblichen Top 15 Anbietern 3-4, die nach Aufnahmedefintion gar nicht auftauchen dürften und es wird nicht unterschieden zwischen Beratungs- und Softwareumsatz. Dies ergibt sicherlich keine brauchbare Beschreibung des BI-Marktes in Deutschland.


Und im Folgenden die Stellungnahme von Lünendonk:

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass es sich bei der Lünendonk-Liste Business Intelligence um ein Ranking der führenden Anbieter von BI-Standard-Software handelt, die mehr als 50 Prozent der jeweiligen Umsätze mit eigener BI-Software erwirtschaften. Dies ist seit Jahren auch transparent dargestellt.

Es geht ergo nicht um die Beschreibung des BI-Marktes in Deutschland. Auf diesen Markt wird in der Presseinformation nur im Zusammenhang mit dem Anteil der 15 gelisteten Unternehmen eingegangen und dabei expressis verbis ausgeführt, dass diese nur 37 Prozent des Marktvolumens abdecken – weil eben große Konzerne (z.B. SAP, IBM etc) etwa 44 Prozent bestreiten.

Die Kritik ist an einer Stelle gerechtfertigt: Die Unternehmen Sybase, Novem und Orbis erfüllen die Listenkriterien nicht. Diese Unternehmen waren auf einer Beta-Version des Rankings enthalten, die intern zur Prüfung vorlag. Diese Version ist bedauerlicherweise in den Markt gegangen. Dies werden wir umgehend korrigieren.

Zu den einzelnen Punkten im Detail:

Erster Punkt des Leserbriefes:
Vier der fünf größten BI-Anbieter in Deutschland fehlen: SAP, Oracle, IBM, Microsoft - das sind ungefähr 50% des Umsatzes des BI-Softwaremarktes in Deutschland.

ad 1: SAP, Oracle, IBM und Microsoft scheiden wegen des Listenkriteriums "mindestens 50% Umsatz mit BI" aus. Diese seit Jahren etablierte Methodik ist sowohl in der Lünendonk-Liste als auch in der Presseinformation wiedergegeben.

Dritter Punkt des Leserbriefes:
Da das Aufnahmekriterium in die Liste die Produktion, Vertrieb und Wartung von Standardsoftware ist, dann sollte sich der Umsatz folgerichtig auch auf dieses Tätigkeiten beziehen. Die ausgewiesenen Umsätze sind aber offensichtlich Gesamtumsätze inklusiver weiterer Leistungen wie Implementierungsberatung. Der Anteil des eigentlichen Softwareumsatzes ist aber bei den aufgeführten Anbietern höchst unterschiedlich und schwankt zwischen 55 und 95%. Damit sind die Anbieter aber zumindest hinsichtlich einer Aussagekraft für "Anbieter für Standardsoftware" nicht anhand ihres Gesamtumsatzes vergleichbar.

ad 3: Da Produktion, Vertrieb und Wartung (= mindestens 50% des Umsatzes) das Aufnahme-Kriterium darstellt, dann können maximal 49,9% des Umsatzes auch aus Beratung oder anderen Umsätzen resultieren. Diese Beobachtung der unterschiedlichen Portfolios und deren jahrelangen Entwicklungen ist eines der Nutzen aus dieser Lünendonk-Analyse.

Für beide Punkte gilt der Grundsatz, dass Lünendonk bewusst keine Unternehmen "filetiert", um künstlich Teilumsätze darzustellen, die dann zudem auch meist geschätzt sind. Mit den künstlichen Teilumsätzen ließen sich keine Mitarbeiterzahlen und sonstige Unternehmensdaten mehr zuordnen – und vor allem miteinander vergleichen.

Zweiter Punkt des Leserbriefes:
Das Aufnahmekriterium für eine Aufnahme in die Liste ist: „Mehr als 50% des Umsatzes werden mit der Produktion, Vertrieb und Wartung eigener Business-Intelligence-Software-Produkte erzielt“. Dies ist offensichtlich nicht erfüllt bei Sybase (als Nr. 2 der BI-Anbieter in Deutschland ausgewiesen), deren Hauptumsatz in einer relationalen Datenbank für operative Anwendungen und mobilen Applikationen liegt – der Business-Intelligence-bezogene Umsatz dürfte geringer als 10% sein, Orbis (Nr. 5 der Liste), die ihren Hauptumsatz mit ERP und CRM-Einführung machen und Novem (Nr. 13), die IBM Cognos Software weiterverkaufen. Bei CSS ist es eine Definitionsfrage, welche der angebotenen Lösungen überhaupt dem Segment Business Intelligence zugeordnet werden können.

ad 2: Die Unternehmen Sybase, Novem und Orbis erfüllen die Listenkriterien nicht. Diese Unternehmen waren auf einer Beta-Version des Rankings enthalten, die intern zur Prüfung vorlag. Diese Version ist bedauerlicherweise in den Markt gegangen. Dies werden wir umgehend – d.h. in dieser Woche – korrigieren.


Anm. d. Red.: Beide Positionen wurden von geldinstitute unverändert veröffentlicht und spiegeln nicht die Meinung der Redaktion.

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