Das hat der Bankenwelt gerade noch gefehlt: In der August-Ausgabe stellt die Zeitschrift Finanztest der Branche ein Armutszeugnis aus. Die Qualität der Anlageberatung bei insgesamt 21 getesteten Instituten wird als blamabel bezeichnet. Dabei waren die Kreditinstitute gerade dabei, verlorenes Terrain gutzumachen. Ein herber Rückschlag! Doch sind die Ergebnisse wirklich haltbar? Was meinen Sie?
Die Qualität der Anlageberatung von Banken sei in den vergangenen Monaten noch schlechter geworden, sagt FINANZTEST. Hauptgrund: Die meisten Kreditinstitute hielten sich nicht immer an die gesetzlichen Vorgaben. Sie stellten den Kunden zum Beispiel nicht alle Fragen, die sie stellen müssten, und klärten häufig über wesentliche Eigenschaften und Kosten der Anlageprodukte nicht auf. In über der Hälfte der Fälle kamen die Bankberater im Test ihrer Pflicht nach der Aushändigung eines Beratungsprotokolls nicht nach, obwohl die Kunden danach gefragt hatten. Außerdem empfahlen die meisten Banken einen zu riskanten Anlagemix. Zu diesem Ergebnis kommt die Stiftung Warentest in der August-Ausgabe ihrer Zeitschrift Finanztest, für die sie die Anlageberatung von 21 Kreditinstituten getestet hat. Sechs Banken bekamen dabei das Urteil „Mangelhaft“, zwölf waren „ausreichend“, drei „befriedigend“ und keine einzige war „gut“.
Ende 2009 veröffentlichte Finanztest einen Test der Anlageberatung bei 21 Banken. Das Ergebnis war eine große Blamage. Keine einzige Bank hatte „gut“ abgeschnitten, zwei waren sogar „mangelhaft“. Daraufhin drohte Verbraucherschutzministerin Aigner den Banken mit schärferen Kontrollen und weiteren Gesetzen, sollten sie ihre Leistungen nicht verbessern. Außerdem wurde ein Beratungsprotokoll Pflicht, wenn über Wertpapiere beraten wird. Die Kreditinstitute selbst gelobten Besserung.
Jetzt hat die Stiftung Warentest fast alle dieser Banken noch einmal unter die Lupe genommen. Die Testkunden haben 146 Beratungsgespräche durchgeführt. Sie wollten 35 000 Euro zehn Jahre lang anlegen. Das Ergebnis ist noch verheerender als beim letzten Mal: Wieder ist keine einzige Bank „gut“, dafür vergab die Stiftung sogar sechsmal die Note „Mangelhaft“, und zwar an die Postbank, Hypovereinsbank, Targobank, BW Bank, Nassauische Sparkasse und Volksbank Mittelhessen. Das größte Problem ist, dass die Banken das Wertpapierhandelsgesetz missachten. Sie müssen die Kunden nach ihren finanziellen und persönlichen Verhältnissen fragen, sind verpflichtet zu ermitteln, welches Ziel die Kunden mit ihrer Geldanlage erreichen wollen und welche Kenntnisse sie haben. Bei der Beratung über Wertpapiere muss zudem ein Beratungsprotokoll ausgehändigt werden.
Der ausführliche Test „Anlageberatung der Banken“ ist in der August-Ausgabe der Zeitschrift Finanztest und online unter test.de/anlageberatung veröffentlicht.
Bleibt die Frage: Sind die Ergebnisse wirklich haltbar? Sind 21 Tests tatsächlich repräsentativ? Nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeitsrechnung ja. Doch bleiben Zweifel. Was meinen Sie? Ist die Lage wirklich so wie dargestellt? Und falls ja oder nein: Was sollte nun geschehen? Gerne schicken Sie Ihre Meinung an gi erwin.stroebele@holzmann-medien.de