Vom Geldautomaten profitieren Banken und Verbraucher gleichermaßen. Während die Mitarbeiter der Geldinstitute von manuellen Tätigkeiten entlastet und Bargeldprozesse effizienter werden, freuen sich die Kunden über ihre Unabhängigkeit von Geschäftszeiten und die ständige Verfügbarkeit des Bargelds. Dies war vor 40 Jahren noch undenkbar.
Der „Vater“ des GAA
Der Wunsch nach jederzeit verfügbarem Bargeld gab auch die Initialzündung für die Erfindung des GAA. Der Direktor des britischen Traditionsunternehmens De La Rue, John Shepherd-Barron, stand 1965 an einem Freitagnachmittag vor den soeben verschlossenen Türen seiner Hausbank. Seinem Ärger über ein „bargeldloses“ Wochenende ist es zu verdanken, dass der schottische Tüftler, der heute als Vater des GAA gilt, die Idee zu einem Automaten zur Ausgabe von Bargeld hatte. Zwei Jahre später, am 27. Juni 1967, wurde der erste GAA bei der Barclays Bank in London in Betrieb genommen. Abgehoben wurde Geld mittels eines codierten Schecks, die Obergrenze für die Barabhebung lag bei zehn Pfund und die Transaktion war nur in einer bestimmten Filiale möglich.
Zwei Jahrzehnte bis zum Durchbruch
Bereits damals identifizierten sich die Scheckbesitzer durch eine vierstellige, persönlichen Geheimzahl – die PIN. Der anfängliche Gedanke, über Bargeld zu jeder Zeit und ohne Kontakt zu einem Bankangestellten zu verfügen, war verwirklicht.
Bereits ein Jahr später wurde in Tübingen der erste deutsche GAA in Betrieb genommen. Die Geräte der ersten Generation waren jedoch recht umständlich in der Handhabung und ihre Akzeptanz bei den Kunden gering. Das änderte sich erst mit der Einführung der Plastikkarte mit Magnetstreifen in den 80er Jahren. Dadurch wurden SB-Transaktionen am Automaten wesentlich effizienter und der Weg war geebnet für den Siegeszug des GAA.
Schnell entdeckten die Geldinstitute das enorme Kostensenkungspotenzial, das in der Technologie steckte. Während diese dadurch bis heute einen wichtigen Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit von Retailbanken leistet, wurde die andere Seite der Medaille zuweilen unterschätzt: In dem Maße, in dem der Bargeldservice in den SB-Bereich ausgelagert und ganze Filialen in reine SB-Stellen umgewandelt wurden, wuchs die Gefahr, den Kunden aus dem Auge zu verlieren. Mit der Rückbesinnung auf die Filiale hat in den letzten Jahren ein Prozess eingesetzt, der den Dialog mit dem Kunden und intelligente Automatisierungskonzepte miteinander in Einklang bringen will.
Die Ausgewogenheit zwischen Automatisierung auf der einen und Kundenorientierung auf der anderen Seite war stets ein zentrales Anliegen von De La Rue. Die Cash-Management-Lösungen des Unternehmens und sein innovatives Dialog-Banking-Konzept stellen den Kunden und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt. Die intelligente Automatisierung des Cash Handlings dient dabei dazu, Bargeldprozesse effizienter zu gestalten, aber auch mehr Dialogzeit mit dem Kunden zu gewinnen.
Bargeld bevorzugt
In den letzten Jahren wurde das bevorstehende Ende des Bargeldes immer wieder heraufbeschworen. Gleichzeitig wuchs die installierte Basis an GAA kontinuierlich. Denn bis heute ist Bargeld das bevorzugte Zahlungsmittel der Verbraucher. Dies wird in absehbarer Zeit wohl auch so bleiben. Denn zumindest bei persönlichen Transaktionen ist eine Verdrängung der Barzahlung durch elektronische Zahlungsmittel noch lange nicht in Sicht.
Eine von TNS im Auftrag der Europäischen Security Transport Association (ESTA) im Jahr 2006 in acht europäischen Ländern durchgeführte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass 57 Prozent aller Bundesbürger Bargeld für die Abwicklung ihrer Finanzgeschäfte bevorzugen. Auch in den anderen Ländern rangiert das Bargeld mit Abstand an erster Stelle. 62 Prozent der Befragten wollen auch zukünftig nicht auf Scheine und Münzen verzichten.
Die Zahlen der Bundesbank sprechen eine ähnliche Sprache. Sostehen den Barabhebungen amGeldautomaten in Höhe von 381,67 Milliarden Euro im Jahr 2005 Transaktionen an Zahlungsterminals in Höhe von 158,53 Milliarden Euro gegenüber. Nicht berücksichtigt sind dabei die Barabhebungen im Schalter-Kasse-Bereich von Kreditinstituten, die trotz der zunehmenden Verbreitung von Geldautomaten immer noch eine bedeutende Rolle spielen.
Die Technologie entwickelt sich weiter
Im Jahr 2005 zählte die Bundesbank 53.361 GAA in Deutschland, derzeit sind es schätzungsweise 55.000. Mittlerweile ist eine neue Generation von Geldautomaten auf dem Markt, die neben dem Magnetstreifen auch Chipkarten lesen und aufladen können. Neue Zusatzfunktionen ergänzen das Serviceangebot, etwa um das Aufladen von Handykarten oder den Verkauf von Tickets. Aber auch die modernen Geräte haben vor allem eine Aufgabe: Eine effiziente Bargeldversorgung rund um die Uhr sicherzustellen.
Mit der Zulassung des SB-Recyclings schuf die Europäische Zentralbank im Jahr 2002 die Rahmenbedingungen für die neuste Entwicklungsstufe des Geldautomaten. Durch die Einzahlung von Bargeld über kombinierten Ein-/Auszahlungsautomaten oder Einzahlautomaten im SB-Bereich werden die Kunden noch unabhängiger, während die Geldinstitute die Aufwendungen für die Bargeldlogistik weiter reduzieren können. Mit dem Cash Recycling wurde es erstmals möglich, Bargeld über kundenbediente Automaten wieder in Umlauf zu bringen, ohne dass dieses zuvor durch die Bundesbank geprüft werden muss. Von der EZB zugelassene SB-Recycler erledigen die obligatorische Echtheits- und Fitnessprüfung vollautomatisch.
Seit der Erfindung des GAA hat sich eine Menge getan. Bei der Entwicklung von Technologien und der Bereitstellung von Komponenten hat De La Rue über die Jahre immer eine bedeutende Rolle gespielt. So sind in jedem fünften GAA weltweit Vereinzelungseinheiten des Unternehmens verbaut und seine Cash Recycler gehörten zu den ersten Geräten, die 2002 die Zulassung der EZB erhielten. Mit modernen Automationslösungen und innovativen Konzepten wird De La Rue Banken und Sparkassen auch in Zukunft dabei unterstützen, effizienten Bargeldservice im engen Dialog mit ihren Kunden bereitzustellen.
Ein Bericht von Stefan Bannert, Sales Director bei der De La Rue Cash Systems GmbH in Mörfelden Walldorf.