In einem zentralen Register der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (www.bafin.de) sind seit diesem März rund 300.000 Berater der Banken und Sparkassen registriert. Nicht vom Gesetz erfasst werden jedoch die so genannten freien Finanzvermittler. „Hierfür soll es ein eigenes gesetzliches Regelwerk geben und die Überwachung sollen die Gewerbeaufsichtsämter übernehmen“, erläutert Sprecherin Anja Engelland von der BaFin.
Das zentrale Register beziehungsweise die WpHG-basierte Mitarbeiterdatenbank ist fester Bestandteil des Anlegerschutz- und Funktionsverbesserungsgesetzes (AnSFuG), das der Bundestag im Februar verabschiedet hat. Derzeit steht der Durchlauf im Bundesrat an, das Gesetz soll voraussichtlich im Frühjahr in Kraft treten. Die Business Intelligence hinter dem System soll laut BaFin auf einer leistungsfähigen internen Datenbank basieren dementsprechend hoch sind die fachlichen Anforderungen an die IT.
Wie „exakt“ arbeiten Internetportale?
Auch auf der Internetplattform whofinance (www.whofinance.de) können sich kritische Verbraucher ein umfassendes Bild über die Kundenbewertungen einzelner Finanzberater machen. Die Bewertung erfolgt dabei anhand eines neutralen Fragebogens und soll die Transparenz bei finanziellen Anlageentscheidungen erhöhen. „Einen guten Finanzberater erkennt man daran, ob er sich eingehend mit dem Kunden auseinandersetzt und sich auf dessen Bedürfnisse fokussiert“, sagt Geschäftsführer Mustafa Behan von whofinance.
Auch in der Versicherungsbranche gibt es mit Vote4U (https://www.vote4u.de/) bereits ein Portal, über das Kunden ihre Vertreter bewerten können. Und auf den Community-Seiten des beruflichen Kontaktnetzwerks Xing präsentiert die Fidor Bank AG (www.fidor.de) bereits mehr als 1.000 Ratings zur Beraterszene plus einer angeregten Diskussion um neue Konzepte und Ansätze zwischen Honorar- und Provisionsberatung.
Weitere Portale bilden sich und auch die Bewertungsmodalitäten rücken in den Mittelpunkt des Interesses: „Um das Problem auf Beraterebene fair und vor allem nutzerfreundlich zu lösen, haben wir ein Bewertungssystem erstellt und dafür einen eigenen Algorithmus „FairRate“ geschrieben“, betont Alexander Majonek, Mitinitiator des Onlineportals mybankrating (www.mybank-rating.de).
Zwischen Schwarzbuch und Persilschein?
Mithilfe von „FairRate“ soll der Kunde eine erfolgte Finanzberatung anhand von acht Kriterien bewerten. Er kann seinen eigenen Risikotyp nach dem Wertpapierhandelsgesetz ermitteln und damit das Endergebnis indirekt beeinflussen. Das Bewertungssystem erfragt etwa bei Anlageentscheidungen den persönlichen Risikotyp des Kunden. Ist dieser unklar, kann ihn der Nutzer auch über die Plattform ermitteln.
Das gesamte Rating eines Beraters lässt sich jedoch nicht nur auf einzelne Anlage- oder Versicherungsberatungen herunterbrechen, sondern indirekt auch auf die individuelle Risikotypologie der Kunden. „Das macht sich insbesondere bei den Suchergebnissen bemerkbar. Sucht ein spekulativ eingestellter Kunde nach passenden Beratern, so wird er keine Berater finden, die nur auf konservative Kunden spezialisiert sind“, bilanziert Alexander Majonek.
Die Logik von FairRate setzt neben der Berücksichtigung von Umweltzuständen (Risikotypen, Zeitwertverlust der Ratings) des Weiteren auf eine Art von „Schwarmintelligenz“: Sind zum Beispiel 100 risikoaverse Kunden mit ihrer Finanzberatung unzufrieden, aber 75 moderat eingestellte Kunden im Schnitt sehr zufrieden, dann tendiert der Berater dazu, für einige Kunden zu risikoreiche Produkte zu empfehlen. „Das sehen aber eben nicht alle Kunden so, weil Kundenbedürfnisse völlig unterschiedlich sind“, lässt Alexander Majonek durchblicken.
Auch die Plattform whofinance greift auf einen selbst entwickelten Algorithmus zurück. Rund 13.000 Finanzberater seien mittlerweile in der Datenbank erfasst. „Natürlich nicht nur mit positiven Einträgen“, betont Firmengründer Mustafa Behan. Demnach prüft rund ein Dutzend Mitarbeiter akribisch jeden einzelnen Hinweis bis zur Veröffentlichung des Eintrags.
Ist eine E-Mail echt oder manipuliert? Stammt sie womöglich über einen indirekten Mittelsmann vom Berater selbst? Kurzum: Ist das Kundenurteil zur Beratungsqualität ebenso verlässlich wie zweifelsfrei echt? All diese Fragen sind mithilfe der IT zu lösen. Das endgültige Rating lässt sich laut Behan jedoch nicht mit blindem technischen Automatismus herausfiltern, sondern nur mit einer händischen Analyse, und zwar anhand von eindeutigen Bewertungs-kriterien.
Auch der neue Marktanbieter Censum (www.censum.de) wirbt mit einem „Qualitätsbarometer für Finanzberatung“. Den „idealen“ Bewertungsalgorithmus für Finanzberater zwischen Schwarzbuch und Persilschein wird es freilich kaum geben. „Bei uns werden keine Berater beurteilt, da diese nicht eindeutig vergleichbar und bewertbar sind“, glaubt deshalb Daniel Bödger, Geschäftsführer der Bödger Media Solutions GmbH.
Das Unternehmen hat kürzlich die Plattform bankingcheck (www.bankingcheck.de) ins Leben gerufen. Dort sind zu Beginn zirka 60 Banken und 300 einfache Produkte erfasst wie Tages- und Festgeld, Girokonto, Kreditkarte, Depot, Raten- und Autokredit. Nun ist es an den Nutzern, diese anhand von festgelegten Kriterien zu bewerten: „Denn diese kann man sehr gut vergleichen und auch bewerten“, sagt Bödger.
Auf bankingcheck.de können die Nutzer sowohl registrierte als auch anonyme Bewertungen abgeben. Bei jedem Kommentar wird die IP-Adresse geprüft, um doppelte Kommentare zu vermeiden. Zusätzlich muss jeder User eine gültige Mailadresse angeben und seinen Kommentar per „Double Opt In“ bestätigen. Anschließend sichtet der Betreiber alle Kommentare noch einmal manuell.
Dadurch lassen sich allerdings „Auftragsbewertungen“ nicht gänzlich ausschließen, das weiß auch der Experte. „Es wird aber eine Spam- und IP-Blacklist geben, und wir hoffen auf eine hohe Leserbeteiligung. Je mehr Leute die Seite besuchen und die Konten bewerten, desto aussagekräftiger sind auch die Gesamtbewertungen“, bilanziert Daniel Bödger.
Fazit
Es ist zu erwarten, dass sich die Szenerie der Bewertungsportale von Finanzprodukten und Anbietern in den kommenden Jahren auf alle einfachen und komplexen Bereiche ausweitet und weiter professionalisiert. Mit dem FinanzABC (www.finanzabc.de) steht schon die nächste Plattform bereit, die das bunte Einmaleins von Vorsorge, Sparen, Krediten bis hin zum Bauen und Wohnen durchleuchtet. Und auch hier geben die Kunden und Nutzer durch ihre kollektive Bewertungsintelligenz ein Urteil ab, ob der jeweilige Anbieter ihren Ansprüchen genügen mag.
Autor: Lothar Lochmaier