Worauf achten Banken, wenn Sie heute Investitionsentscheidungen für neue SB-Lösungen treffen?
Uwe Krause: IT-Verantwortliche in den Instituten betrachten das Thema SB zunehmend differenzierter. Es geht nicht allein darum, Prozesse in die SB zu verlagern, zu automatisieren und Kosten zu senken. Auf den Punkt gebracht geht es darum, innovative Dienste nutzerfreundlich und sicher rund um die Uhr zu besten Kosten anzubieten.
Zum Stichwort Innovation: Was kann die SB-Technologie von morgen, was sie heute noch nicht kann?
Uwe Krause: Zunächst einmal wird SB-Technologie für den Verbraucher immer bedienerfreundlicher. Wir adaptieren hier viele Entwicklungen aus der Welt des Internets und des Mobilfunks und integrieren diese Technologien. Ein Beispiel, das sich bereits bewährt und immer häufiger nachgefragt wird, sind zum Beispiel intuitiv bedienbare Touchoberflächen. Damit können wir etwa neue Anwendungen wie Überweisungen direkt und benutzerfreundlicher am Geldautomaten einfach abbilden. Hier befinden wir uns mit Kunden in der Konzeptionsphase. Die Weiterentwicklung der Kommunikationstechnologie treibt viele andere Entwicklungen an: Zusammen mit Kunden arbeiten wir zum Beispiel an der Kommunikation von Handys und Geldautomaten zur sicheren Identifikation.
Das Thema Sicherheit bleibt ebenfalls ein Dauerbrenner im SB-Umfeld?
Uwe Krause: Wo es etwas zu holen gibt, wird es wohl auch immer Kriminelle geben. Es ist unser Job, ihnen so wenig Angriffsfläche wie möglich zu bieten und präventive Sicherheit zu schaffen. Skimmingfälle sind in Deutschland im ersten Halbjahr um 60 Prozent gesunken. Dazu beigetragen hat zum einen natürlich die Einführung des EMV-Chip, zum anderen sichern Banken ihre Geldautomaten vermehrt mit Anti-Skimming-Technologien und erweiterten Securitykonzepten ab. Die neue Systemgeneration CINEO verfügt mit dem Optical Secure Guard – einem zusätzlichen optischen Erkennungsverfahren – über noch weiter reichenden Schutz. Sicherheit ist aber für uns kein Thema, das auf den Geldautomaten beschränkt ist.
Sondern?
Uwe Krause: Wir betrachten die ganze Bank mit all ihren Vertriebskanälen. Wir verfolgen dabei einen dreistufigen Ansatz: In der ersten Stufe führen Experten eine Analyse der Bedrohungslage der Banken durch, untersuchen Geschäftsprozesse, Informations- und Kommunikationsinfrastrukturen und Arbeitsumgebungen.
Auf der Basis dieser Analysen wird der individuelle Schutzbedarf ermittelt und es werden Lösungskonzepte über Schutzmaßnahmen unter Berücksichtigung der geltenden Vorgaben erarbeitet. Im zweiten Schritt werden maßgeschneiderte Sicherheitslösungen implementiert. Im dritten Schritt machen wir Banken das Dienstleistungsangebot, Sicherheitsinfrastrukturen komplett zu betreiben und zum Beispiel Filialen komplett zu überwachen. Neu an unserem Angebot ist übrigens, dass wir Informationen aus unterschiedlichen Quellen intelligent verknüpfen, auswerten und Aktionen initiieren können.
Wie sieht ein Beispielszenario dafür aus?
Uwe Krause: Ein ganz einfaches Beispiel: Wird die Tür einer SB-Filiale nachts geöffnet, dann ist zu erwarten, dass innerhalb einer bestimmte Zeitspanne zum Beispiel an einem SB-Gerät eine Transaktion getätigt wird. Ist das nicht der Fall, dann lohnt es sich zumindest, mal nachzuschauen, was in der Filiale vorgeht, das Sicherheitspersonal kann sich per Videokamera aufschalten. Solche Überwachungsszenarien werden möglich, wenn Sie Daten aus verschiedenen Quellen in diesem Fall ein Türöffner und ein SB-System miteinander vernetzen. Die konsolidierte Auswertung vieler anderer Informationen, zum Beispiel aus der Transaktionsverarbeitung beim bargeldlosen Zahlungsverkehrs kann ebenfalls helfen, Betrugsversuche aufzudecken. Wir nennen diese neu entwickelte Lösung Dynamic Fraud Management Solution.
Vor etwas weniger als zwei Jahren haben Sie Ihre neue Systemgeneration CINEO und Ihr Lösungsangebot zur Optimierung der Bargeldprozesse vorgestellt. Wie sind die Praxiserfahrungen?
Uwe Krause: Das Feedback aus dem Markt ist positiv. Die Prozessverbesserungen für das Cashhandling, die das umfangreiche CINEO-Portfolio ermöglicht, liefern den Banken einen entscheidenden Mehrwert. Und diesen Mehrwert können wir mit unserem Cash-Cycle-Management-Consulting-Angebot beziffern. Banken können so ihre Investitionsentscheidungen absichern.
Können Sie den Ablauf beschreiben? Wie muss man sich die Änderung der Prozesse konkret vorstellen?
Uwe Krause: Wir starten mit einer Analyse der bestehenden Prozesse. Darauf aufbauend entwickeln wir verschiedene Szenarien für optimale Bargeldprozesse. Weil Cashprozesse von einer Vielzahl von Einflussfaktoren abhängen, haben wir ein Softwaretool, den Cash Cycle Optimizer entwickelt.
Damit werten wir basierend auf branchenspezifischen Prozessen, Know-how, Industriestandards und Best Practices zahlreiche Daten und Parameter aus. Mit den Ergebnissen der Analyse können Prozessverbesserungen aufgezeigt werden.
Sie werben damit, 20 Prozent der Prozesskosten einsparen zu können?
Uwe Krause: Wir haben uns die Cashprozesse in vielen deutschen und internationalen Banken angesehen und können sicher sagen, dass wir Einsparpotenziale von mehr als 20 Prozent erreichen. Für ein großes nordamerikanisches Institut haben wir einen noch höheren Anteil ermittelt. Dort wurden gerechnet auf einen Zeitraum von fünf Jahren Einsparpotenziale im achtstelligen Bereich identifiziert. In der Folge haben wir von der Bank einen Auftrag zur Installation von CINEO-Systemen erhalten.
Kommen wir noch einmal zu den Kosten für Selbstbedienungstechnologie. Nach welchen Kriterien entscheiden IT-Verantwortliche bei der Anschaffung?
Uwe Krause: Wir sehen, dass in den meisten Instituten Investitionsentscheidungen mit Weitblick getroffen werden. Ausschlaggebend sind die TCO, die Kosten üben den gesamten Produktlebenszyklus. Das umfasst neben den Anschaffungskosten die Service- und Operating-Kosten. Auch dem Thema Green IT messen die Institute immer größere Relevanz zu. Neben der Umweltverträglichkeit der Produkte spielt der Energieverbrauch eine große Rolle. Auch hier liefert CINEO deutliche Vorteile. Verglichen mit zehn Jahre alten Systemen haben wir den Energieverbrauch um ca. 30 Prozent gesenkt. Und wir arbeiten an intelligenten Standby-Lösungen, die den Energieverbrauch weiter reduzieren.
Wie anspruchsvoll sind Banken beim Thema IT-Services und Verfügbarkeit?
Uwe Krause: Die Steigerung der Verfügbarkeit von IT- und SB-Systemen steht auf den Agenden der meisten Institute ganz oben. Ein Systemausfall bedeutet am Ende keinen Service für den Bankkunden. Das ist die eine Seite. Die andere ist umsatzrelevant. An Systemen, die nicht laufen, finden keine Fremdverfügungen statt. Die Institute kennen ihre Fremdverfügungsquoten sehr genau und können sich leicht ausrechnen, was es bringt, die Verfügbarkeit nur um ein Prozent zu steigern. IT-Services durch spezialisierte Dienstleister, die komplette Systemlandschaften kontinuierlich fernüberwachen, zahlen sich hier schnell aus.