Pro & Contra

Was ist dran an Green IT ?

 
Heft 6/2009
 
Was ist dran an Green IT ?
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Dr. Walter Kirchmann: Der promovierte Wirtschafts- und Organisationswissenschaftler ist Vorsitzender der Geschäftsleitung bei Finanz Informatik Technologie Service (FI-TS). Er weiß aus eigener Erfahrung, was Green IT mit Blick auf Umwelt- und Kostenentlastung leisten kann.

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FI-TS, Jochen K. Michels

Nachhaltigkeit und Umweltschutz sind Megathemen unserer Zeit und Green IT ist zum Schlagwort in der Branche avanciert. Doch der inflationäre Gebrauch des Begriffs nährt Zweifel an der Aufrichtigkeit. Handelt es sich nur um einen Marketingtrick? Wir haben bei zwei Experten nachgefragt.

Wirtschaftlich gesehen sind derzeit vor allem die zu realisierenden Kosteneinsparungen ein treibender Faktor für die Verbreitung grüner Technologien. Zudem sind sich viele Unternehmen auch heute schon ihrer Verantwortung im Hinblick auf eine nachhaltige Unternehmensführung bewusst. Als IT-Dienstleister im Finanzsektor und Betreiber von Hochleistungsrechenzentren wissen wir um den enormen Energieverbrauch, der für den ausfallsicheren und performanten Betrieb einer solchen Infrastruktur anfällt. Hier liegt gleichzeitig das große Potenzial der Rechenzentren, mit Hilfe von Green IT einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. Schon heute ermöglichen zahlreiche Technologien und Produkte eine umweltbewusste Unternehmensführung. Virtualisierung, Konsolidierung und Zentralisierung ermöglichen die Senkung der Anzahl aktiver IT-Komponenten mit hohem Energieverbrauch. Der Einsatz von Systemen mit möglichst geringem Energiebedarf sowie deren spezielle Optimierung für den Einsatz in Rechenzentren führen zu einer Reduktion des Gesamtenergiebedarfes. Kein Rechenzentrumsbetreiber wird jedoch seine Infrastruktur aus rein ökologischen Gründen umstellen. Stehen aber Anschaffungen oder Veränderungen ohnehin bevor, kann der planmäßige Einsatz von Green IT nicht nur zu einer notwendigen Entlastung der Umwelt, sondern gleichzeitig zu einer unmittelbaren Senkung der Betriebskosten führen. In unseren Rechenzentren konnten wir durch den Einsatz grüner Techniken Einsparungen von 26 Prozent des Energieverbrauches erreichen. Ein optimiertes Energie- und Lastmanagement, eine präzisere Steuerung des Kaltluftflusses sowie der Einsatz elektronisch gesteuerter Motoren sind nur ein Teil der Maßnahmen, die direkt zu dieser Optimierung der Energieeffizienz beitrugen. Der Einsatz grüner Technologien darf bei der Umsetzung einer Green-IT-Strategie dabei auf keinen Fall reiner Selbstzweck sein. Erfolgt diese jedoch auf Grundlage klar dargelegter und überprüfbarer Zahlen und Fakten, schließt nachhaltiges und umweltbewusstes Verhalten eine ökonomische, kostenoptimierte Unternehmensweise keinesfalls aus. Vielmehr gehen die beiden – richtig angewandt – Hand in Hand.

Wenn marginale Verbesserungen im Verhältnis „Compute to Power“ zum Argument für Gerätetausch und monatelange Virtualisierungsprojekte mit Bindung bester Gehirne missbraucht werden, ist Vorsicht geboten. Zwar sind IT-Verantwortliche häufig so technikaffin, dass selbst kleine Effizienzsteigerungen bei Prozessoren, Speichern, Softwarelösung ihnen Budgeterweiterungen nahelegen. Doch wenn das ohne betriebwirtschaftliches Gewissen geschieht, ist das grüne Etikett eher ein Persilschein, kein Reifezeugnis. Die Leistungsfähigkeit der Rechner wird selten kritisch überprüft. Wie sollte man auch – ohne Standards? Wichtige Elemente wie die Anzahl Rechenkerne, Taktfrequenz und der RAM-Speicher sind oft unbekannt, wie eine Umfrage unter IT-Leitern zeigte. Von den wahren Gesamtkosten des RZ und ihrem seriösen Vergleich mit Cloud, Outsourcing oder anderen Alternativen ganz zu schweigen. Eine Umfrage der FH Bonn offenbarte hier die großen Verbesserungspotenziale. In den USA ist das nicht anders, wenn man die Konferenzthemen der IT-Financial Management Ass. richtig deutet. Fragt man nach Wertbeitrag, Nutzen oder Produktivität der IT, so erfährt man auf www.benchmarking.org, dass bisher noch kaum unter die Haut geht, worauf es ankommt. Womit nicht gesagt sein soll, dass große Data Centers dort oft pionierhaft zeigen, wohin die Richtung geht. Wenn man weiß, dass die Energiekosten noch vor Optimierung bei kleinen und mittleren RZs eher bei 8 Prozent liegen, macht selbst eine Senkung um 30 Prozent gerade mal 2,5 Prozent der Gesamtkosten aus. Da braucht man lange, um die Investition hereinzuspielen. Dass diese dann oft sehr „ungrüne Effekte“ hat, wird gar nicht mit einbezogen. Als Empfehlung ist vor allem der gute alte Rechenstift zu nennen und eine vorurteilsfreie Aufnahme wirklich aller Kosten – natürlich auch der Energie. Wenn die Energie im Betrieb, aber auch bei der Herstellung, ehrlich mit aufgenommen, sauber kontiert und zugerechnet wird, ist vielleicht die Ersparnis etwas größer, die Kosten aber auch. Man kann das mit einer einfachen Tabellenkalkulation hieb- und stichfest berechnen. Und der Vorstand braucht keinen Bogen mehr um seinen IT-Guru zu machen.