Die aktuelle Krise hat deutlich gezeigt, wie stark Kreditrisiken sowie die eigene und die Liquidität des Marktes die Finanzwelt und ihre Geschäftsprozesse beeinflussen. Die schnelle Identifizierung und Bewertung von Risikofaktoren ist daher für Finanzinstitute essentiell. Voraussetzung sind transparente Prozesse, klare Strukturen und IT-gestützte, integrierte Abläufe sowie ein ausgefeiltes Reporting. Nur so lassen sich Risiken schnell einschätzen und entsprechende Maßnahmen ergreifen.
Die aktuelle Situation sieht in vielen Banken allerdings anders aus. So hat sich gezeigt, dass einige Finanzinstitute mehr als drei Wochen benötigten, um das gesamte Ausmaß zu identifizieren, das die Pleite von Lehman Brothers auf das eigene Haus hatte. Die Folgen sind hinlänglich bekannt: Viele Bankkunden haben enorme Summen, manche sogar ihre gesamten Einlagen verloren. Das hat dem Image der Banken geschadet und das Vertrauen in den Finanzmarkt nachhaltig ramponiert.
Der Grund für die verzögerten Reaktionen auf die Marktentwicklung und -lage ist schnell erklärt: Die IT-Landschaft bei den Banken ist in den letzten Jahren überproportional gewachsen. Die Anzahl der Daten hat sich vervielfacht und ein Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen. Heterogene Infrastrukturen und individuell gestaltete Speicherlandschaften tragen ein Übriges zur Verschärfung der Situation bei. So sind teilweise voneinander unabhängige Datensilos entstanden. Sie führen zu inkonsistenten und redundanten Daten, die einen transparenten Überblick über eine mögliche Beeinträchtigung laufender Prozesse verhindern. In einer solchen Umgebung, mit fehlender oder mangelhafter Datenkonsistenz, ist ein vorausschauendes Risikomanagment ebenso unmöglich wie eine schnelle Reaktion auf Marktentwicklungen. Viele Prozesse des vorhandenen Risikomanagements lassen sich darüber hinaus nur manuell abwickeln, was zu Zeitverzögerungen, aber auch zu unsauberen Ergebnissen führen kann. Eine Vielzahl dieser Risikoreports ist zudem so technisch und kompliziert aufgebaut, dass das Management in den Führungsetagen mit den Resultaten überfordert ist und Experten benötigt, um die Daten auszuwerten. Das erklärt, weshalb so viele Finanzinstitute nicht auf die Krise vorbereitet waren.
Dabei ist den Bankmanagern durchaus bewusst, welche Unterstützung automatisierte, IT-gestützte Geschäftsprozesse für die Risikobewertung und die Transparenz haben. Im Auftrag von SAP hat die Economist Intelligence Unic (EIU) Führungskräfte der Finanzbranche nach Finanzprozessen und Verbesserungsmöglichkeiten befragt. Mehr als 50 Prozent der Befragten gaben dabei an, dass ihnen bewusst ist, dass die Prozessautomatisierung zu schnelleren Abläufen sowie zu einer deutlich verbesserten Datenqualität führt. Damit kann eine Entscheidungsgrundlage geschaffen werden, die es Banken ermöglicht, ihre Performance nachhaltig zu verbessern. Darüber hinaus lässt sich mit einem funktionierenden Risikomanagement mittel- bis langfristig auch der Vertrauensverlust bei den Kunden wettmachen.
Vertrauen erzeugen
Die aktuelle wirtschaftliche Situation erfordert ein hohes Maß an Transparenz. Banken müssen durch optimierte Strukturen und Abläufe dafür sorgen, dass sowohl die Führungskräfte als auch die Mitarbeiter jederzeit einen detaillierten Überblick über ihre gesamten Geschäftsabläufe haben. Nur so kann der Kunde mit maßgeschneiderten Services rund um seine Finanzen bedient werden. Die IT kann heute wesentlich dazu beitragen, ein transparentes Umfeld zu schaffen, in dem ein Finanz- und Risikomanagement Risiken frühzeitig identifiziert und einschätzt. Damit wird eine aussagekräftige Entscheidungsgrundlage geschaffen, um das Alltagsgeschäft der Banken in jeder Hinsicht zu optimieren und Risikofaktoren zu minimieren. Voraussetzung dafür sind aber neue, flexible IT-Infrastrukturen, die es den Banken ermöglichen, moderne Applikationen zu nutzen, um den Anforderungen ihrer Kunden zu genügen und gleichzeitig schnell auf die Entwicklungen des globalisierten Finanzmarktes zu reagieren.
Das ist leichter gesagt als getan, denn viele Finanzinstitute kämpfen nicht nur mit veralteten IT-Landschaften, sondern auch mit heterogenen Infrastrukturen, die teilweise gewachsen, teilweise aber auch durch Merger und den Kauf anderer Banken entstanden sind. Häufig hat dies zu einem Wildwuchs an Hard- und Software geführt. Zudem investieren Banken immer noch zu viel Geld in veraltete Software, aus Furcht, ihre Prozesse zu behindern oder zu unterbrechen und Daten zu verlieren. Die Folge dieser verfehlten Investitionspolitik sind nicht selten eine Verlangsamung von Prozessen, inkonsistente Daten und ein Bruch der internen Wertschöpfungskette. Hier ist eine rasche Transformation notwendig, wollen Banken ihre Position im Wettbewerb behaupten.
Die Modernisierung einer modernen IT-Umgebung muss nicht zum Kraftakt werden, sondern lässt sich durchaus in kleinen Schritten realisieren. Ein wichtiger Punkt ist hierbei die Vereinfachung und Reduzierung von Prozessen, was unmittelbar zu mehr Transparenz führt. Auf diese Weise lassen sich komplexe Abläufe vereinfachen und Redundanzen verhindern, wodurch eine schnelle Wertschöpfung erzielt wird. Realisieren lässt sich dies durch integrierte und konsolidierte IT-Plattformen für unterschiedliche Kernanwendungen und Produktlinien. Das reduziert die Komplexität, gleichzeitig steigen Flexibilität und Profitabilität, die Kosten sinken. Damit lassen sich auf Basis modernster Technologien vergleichsweise einfach neue und innovative Geschäftsmodelle installieren, mit denen Banken die immer höheren Anforderungen der Finanzwelt erfüllen, ihr eigenes Profil schärfen und so ihre Position im Wettbewerb stärken können.
Nach Einschätzungen von Marktanalysten wird es im Finanzbereich zu weiteren Konsolidierungen kommen. Wer akquiriert oder selbst gekauft wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Ein wesentlicher Punkt wird neben einem profitablen Wachstum die Möglichkeit sein, finanzielle und operative Risiken frühzeitig einzuschätzen und effektiv zu managen. Eine moderne IT Infrastruktur mit einem entsprechenden Applikationsportfolio kann dazu einen wesentlichen Beitrag leisten. Sie liefert vereinheitlichte Daten für Finanzanwendungen und das Risikomanagement. Darüber hinaus erlaubt eine solche Umgebung schnelle Analysen zu Schlüsselrisiken, indem sie übergreifend auf konsistente unternehmensweite Daten zugreift. Auf diese Weise kann ein effizientes System installiert werden, mit dem Banken ihre Risiken identifizieren, messen und aufzeichnen können. Detaillierte Kontrollfunktionen erfüllen auch die individuellen Anforderungen und Regeln von Governance und Compliance.
Einige internationale Bankhäuser haben dieses Konzept bereits umgesetzt. Die Führungskräfte des Schweizer Finanzdienstleisters Credit Suisse beispielsweise können sich über einen webbasierten Zugang in das IT-System einloggen, dort die Risikobewertung verschiedener Positionen ansehen und mit einer digitalen Signatur per Mausklick freigeben. Darüber hinaus hat das Controlling Zugang zu kritischen Informationen, kann Ad-hoc-Abfragen erstellen und auf der Basis hochqualitativer Daten fundierte Geschäftsentscheidungen treffen. „Wir verwalten Tausende von nationalen und internationalen Konten, da kann das Tracking und Monitoring von aussagekräftigen Assessment-Reports schnell zum Problem werden“, erklärt Melanie Grob, bei Credit Suisse verantwortlich für IT und das Riskomanagement. „Um aussagekräftige Reports zu erstellen und unseren Managern zu ermöglichen, Ad-hoc-Abfragen durchzuführen, haben wir darum SAP Business Objects XI mit unseren hauseigenen Assessment-Applikationen integriert.“ Auf diese Weise konnten die Schweizer eine Reihe von Vorteilen generieren. So hat wurden beispielsweise papierbasierte Prozesse weitgehend reduziert, was zu erheblichen Kosteneinsparungen führte. Auch das Controlling profitiert durch die schnellere Verfügbarkeit von Reports, die als Basis für geschäftsrelevante Entscheidungen benötigt werden.
Ein modernes IT-Portfolio unterstützt Finanzinstitute bei der tiefgehenden Analyse von Geschäftsprozessen, steigert die Effizienz sowie die Flexibilität. Das führt zu mehr Transparenz und macht die Banken für Kunden und Anteilseigner zum berechenbaren Partner. Darüber hinaus lassen sich Strukturen verschlanken und eine kollaborative Arbeitsweise einführen, in deren Fokus immer der Kunde steht.