Interview mit Martin Schroter, Leiter Geschäftsbereich Banken, SAP

Transparenz als Schlüssel

 
Heft 1/2010
 
Transparenz als Schlüssel
großes Bild

Martin Schroter, Leiter des Geschäftsbereichs Banken bei SAP, erklärt im Gespräch mit geldinstitute, wie das SAP-Produktportfolio das Risikomanagement bei Banken unterstützen kann.

Bild:
SAP

Mit der Finanzkrise hat das Bewusstsein für Risikomanagement in den Finanzinstituten nochmals an Bedeutung gewonnen. SAP trägt dieser Entwicklung Rechnung und hat kürzlich die Erweiterung der branchenspezifischen Software SAP for Banking vorgestellt.

Herr Schroter, mit welchen Herausforderungen im Risikomanagement sind Finanzinstitute konfrontiert?

Martin Schroter: Als SAP sehen wir Bedarf für höhere Transparenz in den Abläufen der Banken. So ist die Anzahl der Kunden- und Transaktionsdaten in den letzten Jahren stark gewachsen. Zudem sind durch Übernahmen oder Zusammenschlüsse von Instituten häufig heterogene IT-Landschaften mit vielen isolierten Datensilos entstanden. Letzteres hat eine unzureichende Datenkonsistenz sowie eine mangelnde Transparenz zur Folge. Viele Banken sehen darin eine deutliche Hürde, wenn es um den Aufbau eines konsistenten, unternehmensweiten Risikomanagements geht oder um die Möglichkeit, schnell auf veränderte Marktbedingungen zu reagieren.

Wie kann Software bei diesen Herausforderungen helfen?

Martin Schroter: Softwarelösungen können wesentlich dazu beitragen, transparente Geschäftsprozesse zu schaffen, Risiken frühzeitig zu identifizieren oder flexibel auf Marktanforderungen zu reagieren. Dazu ist es notwendig, dass klare Strukturen und IT-gestützte, automatisierte Abläufe eingeführt werden. Genau das liefert SAP for Banking zum Beispiel mit der Anwendung SAP Collateral Management. Credit Officer können damit für eine Finanzierung im Firmenkundengeschäft die Anforderungen an die Besicherung gemäß den Kreditvergaberichtlinien erfüllen, die Sicherheiten erfassen sowie den Zusammenhang zwischen den Sicherheiten und den durch sie besicherten Geschäften eines Kreditnehmers oder einer Gruppe von Kreditnehmern herstellen. Gleichzeitig wird dadurch die Einhaltung von internen und externen Revisionsanforderungen gewährleistet.

Die Eigenkapitalrichtlinie nach Basel II ist für Kreditrisiken die wesentliche aufsichtsrechtliche Anforderung für Finanzinstitute. Inwieweit wird die Umsetzung dieser Anforderung von SAP unterstützt?

Martin Schroter: Die Anwendung SAP Basel II unterstützt sämtliche Ansätze der Basel-II-Eigenkapitalrichtlinie für Kreditrisiken – vom Standardansatz bis hin zum Advanced Internal Ratings Based Approach, einem fortgeschrittenen, auf bankinternen Ratings basierenden Ansatz unter Ausnutzung einer optimierten Sicherheitenverteilung. Außerdem können mit dieser Anwendung Stresstests durchgeführt werden, denen vor dem Hintergrund der Finanzkrise ein deutlich höherer Stellenwert zugekommen ist. Damit bietet SAP Basel II eine umfassende Kreditrisikolösung für regulatorische Anforderungen. Ressourcen, die bisher für sich ändernde Anforderungen im regulatorischen Kontext vorgehalten werden mussten, werden entlastet, da SAP die softwaretechnische Umsetzung übernimmt. Die Institute können die dadurch gewonnenen Freiräume dann für ihre wertschöpfenden Potenziale nutzen.

Neben der Erfüllung von aufsichtsrechtlichen Vorgaben spielt die wirtschaftliche Betrachtung im Risikomanagement eine immer entscheidendere Rolle. Welche Lösungen bietet SAP für ein umfassendes Risikomanagement?

Martin Schroter: SAP bietet eine integrierte Plattform für externes und internes Kreditrisikomanagement. Neben der erwähnten Basel-II-Lösung bieten wir auch eine Lösung für die Messung und Steuerung von Kreditrisiken auf der Basis von ökonomischem Kapitalkonzepten, die die wichtigsten Kennzahlen für das aktive Management von Kreditrisiken liefert. Außerdem offeriert SAP Lösungen für das Asset Liability Management, operationelle Risiken, Marktrisiken und die Limitierung von Risikokennziffern.

Darüber hinaus bieten wir unseren Kunden umfassende Reportinglösungen.

Im Bereich des Risikoreportings werden vorkonfigurierte Berichte über sämtliche Risikoarten, also Kredit-, operationelle, Liquiditäts- und Marktrisiken, ausgeliefert. Das Risikoreporting kann dabei über das Institut verteilte Daten aus verschiedenen Quellen zusammenführen und verschafft somit zeitnah ein übergreifendes, transparentes Bild der aktuellen Risikosituation.

Neben den Lösungen zum Risikomanagement bieten wir auf unserer integrierten Finance and Risk Architecture (IFRA) Lösungen für das externe Rechnungswesen gemäß IFRS sowie dem Management Accounting.

Mit den dazugehörigen Reportingwerkzeugen erhält das Management per Mausklick detaillierte Informationen über die Profitabilität in jedem Detailierungsgrad, beispielsweise für Geschäftsfelder, für einen Kreditnehmer oder eine Einzeltransaktion, um auf dieser Basis fundierte Entscheidungen treffen zu können.

Das Risikomanagement erfordert auch seitens der IT ständige Anpassungen. Wie gewährleisten Sie die Berücksichtigung aktueller Entwicklungen?

Martin Schroter: Als aktives Mitglied des unabhängigen Branchennetzwerks Banking Industry Architecture Network – kurz BIAN – arbeiten wir mit Kunden, IT-Dienstleistern und Softwareanbietern zusammen. So erhalten wir eine direkte Rückmeldung zu technischen Entwicklungen und Kundenanforderungen. Dieses Feedback können wir in unsere Produkt-Roadmap für Bankenlösungen aufnehmen und so die Bedürfnisse der Banken bestmöglich bedienen – ob beim Risikomanagement oder in anderen Bereichen.