Technologieberatung: Konsolidierungsphase verdrängt kleinere Anbieter

 
Heft 1/2010
 

Die aktuelle Wirtschafts- und Finanzkrise hat die Prioritäten der führenden Anbieter von Technologieberatung und Engineering Services in Deutschland nachhaltig verändert. Themen der nachhaltigen Unternehmensentwicklung wie „Globalisierung, Fachkräftemangel, Innovations- und Komplexitätsmanagement“ sowie „Grundlagenforschung und Integration neuer Technologien“ sind und bleiben im Fokus dieser Unternehmen, allerdings vorerst eher auf mittel- bis langfristiger Sicht. Priorität hat aktuell das Thema Krisenmanagement, mit den Kernpunkten Durchsetzung gegen Wettbewerber beim Kunden sowie dem Halten wertvoller Mitarbeiter beim Unternehmen trotz verringerter Nachfrage. Dies ist ein Ergebnis der Lünendonk-Studie 2009 „Führende Anbieter von Technologieberatung und Engineering Services in Deutschland.

Verstärkter Wettbewerb

Der wirtschaftliche Abschwung lässt eine Anzahl von Insolvenzen auf dem deutschen Markt für Technologieberatung und Engineering Services erwarten. Mit Maßnahmen wie Kurzarbeit und dem Abbau von Arbeitszeitkonten lässt sich die gesunkene Auslastung nur für begrenzte Zeit überbrücken. Zudem reduzieren große Kundenunternehmen verstärkt die Zahl ihrer Dienstleister und forcieren Preferred-Partner-Modelle. Diese Entwicklung geht vor allem zulasten mittelgroßer, breit aufgestellter Anbieter sowie kleinerer Unternehmen, da größere Unternehmen den Anforderungen der Kunden in Bezug auf Preferred-Partner-Kriterien oft besser gerecht werden können. Kleinere Anbieter laufen Gefahr, in die Rolle von Sub-Dienstleistern gedrängt zu werden und dadurch wiederum Aufträge zu verlieren. Anbieter mittlerer Größe mit einem hohen Anteil mittelständischer Kunden sind derzeit vergleichsweise gut aufgestellt.

Die Kundenunternehmen sind im Begriff, kontinuierlich die eigene Leistungstiefe zu reduzieren. Diese Entwicklung bedingt eine Chance für Anbieterunternehmen, neue Dienstleistungsmodelle zu etablieren, indem sie beispielsweise miteinander zusammenhängende Dienstleistungen gebündelt anbieten. Dies stellt eine weitere Veränderung der Struktur des Anbietermarktes dar. Ein Teil der Anbieter von Technologieberatung und Engineering Services, die so genannten Systemdienstleister, übernehmen immer mehr Aufgaben und Kompetenzen für die Produktentwicklung ihrer Kundenunternehmen und tätigen dafür beispielsweise auch Investitionen in Simulationsanlagen oder Rechenzentrumkapazitäten. Die Bezeichnung leitet sich von dem Umstand ab, dass dieser Gesamtdienstleistungsansatz den „Systemlieferanten“ in der Automobilindustrie gleicht. Anbieterunternehmen, die sich auf die Bereitstellung von Personalressourcen konzentrieren, agieren dagegen als reiner Flexibilitätsdienstleister. Diese Flexibilitätsdienstleister müssen sich auf stärkere Schwankungen in der Nachfrage einstellen. Damit wird die Fähigkeit, die Organisation schnell anpassen zu können, zu einem Wettbewerbsvorteil.