Für Unternehmen aus der Finanzwirtschaft ist Informations- und Telekommunikationsinfrastruktur heutzutage absolut geschäftskritisch. Gleichzeitig steht kaum eine andere Unternehmensfunktion so unter strategischem Rechtfertigungsdruck wie die IT. Deshalb besteht seit Jahren ein hohes Interesse der IT-Verantwortlichen, den Wertbeitrag der IT als Ganzes und jeder einzelnen IT-Investition im Speziellen überzeugend nachzuweisen. Denn: Nicht jede Investition trägt unmittelbar zur Wertschöpfung des Unternehmens bei. So ist der Fall beispielsweise bei der Etablierung von Back-up-Strukturen im Rechenzentrumsbereich gelagert, die ihren Wertbeitrag erst im Katastrophenfall nachweisen können. Ähnlich sieht es bei Lösungen zur Anbindung an die Kapitalmärkte und Börsen aus, die zwar notwendig sind, um das Geschäft zu betreiben, jedoch für viele Marktteilnehmer nicht in ihrer maximal technisch machbaren Form etabliert werden müssen. Es geht also nicht immer um die optimale Latenz und Geschwindigkeit, sondern in erster Linie um das beste Preis-Leistungs-Verhältnis.
Neue Herausforderungen
Latenzsensitiver Handel ist heute ausschließlich in der Colocation, also in dem Rechenzentrum, in dem auch die Matchingsysteme der Börse betrieben werden, möglich. Dadurch verlagert sich der „Wettkampf“ um die geringsten Verzögerungszeiten in den Bereich von Mikrosekunden und Investitionen in die notwendige Infrastruktur für das latenzsensitive Algo-Trading werden eher steigen als fallen. Gründe hierfür sind unter anderem der permanente Wandel der Infrastruktur, wie er beispielsweise durch die Entwicklung von Hardware im Netzwerkbereich oder der Verlagerung der Algorithmen von der Software in die Hardware, das sogenannte Field-Programmable Gate Array (FPGA), getrieben wird. Darüber hinaus sind immer komplexere Messverfahren notwendig, um verlässliche Ergebnisse mit einer Granularität im einstelligen Mikrosekundenbereich überhaupt zu erreichen. Ein weiterer Kostenfaktor ist die kontinuierlich notwendige Aufrüstung der Bandbreiten und die Erweiterung der Anbindungsoptionen an die Börsen. Geschwindigkeitsvorteile auf dieser Ebene der Granularität sind nur noch sehr aufwändig und damit kostenintensiv zu erreichen. Letzten Endes ist auch eine permanente Weiterentwicklung zur Optimierung der Handelsalgorithmen notwendig, damit diese nicht nur im Sinne der Gewinnmaximierung eingesetzt werden können, sondern auch der vorausschauenden Risikovermeidung in kritischen Marktsituationen dienen.
Fortschreitende Segmentierung der Teilnehmer
Auf Grund der Tatsache, dass die Latenz nur innerhalb eines physischen Standortes minimierbar ist, gehen die großen Börsen dazu über, ihre Produktionssysteme an nur einem Standort zu konzentrieren. Für die Marktteilnehmer mit latenzsensitiven Handelsstrategien ergibt sich hieraus, dass sie zwingend in diesen zentralen Colocationstandorten angesiedelt sein müssen, um beim Handel nicht ins Hintertreffen zu geraten. Jedoch gibt es auch eine zweite, wesentlich größere Gruppe von Marktteilnehmern, deren Handelsmodell nicht auf der Ausnutzung jedes Geschwindigkeitsvorteiles beruht. Sie setzen eher auf den Faktor Kostenminimierung. Für diese Gruppe ist es ausreichend, eine physische Installation außerhalb der Colocation zu betreiben, um in ihrem Marktumfeld wettbewerbsfähig agieren zu können. Aus dieser Tendenz folgt eine immer weiter fortschreitende Segmentierung der Marktteilnehmer.
Im Spannungsfeld zwischen Regulation und Kosten
Die latenzsensitiven Marktteilnehmer geraten durch permanent steigende Aufwendungen für die Bereitstellung des Algo-Tradings immer weiter unter Kostendruck. Aus aufsichtsrechtlichen Gründen sind die Marktteilnehmer dazu verpflichtet, für eigene Back-up- und Desaster-Recovery (DR) beziehungsweise Business-Continuity-Standorte zu sorgen. Durch die Konzentration der Börsen auf nur noch einen singulären Standort entfällt die Möglichkeit, die produktive Anbindung auf zwei verschiedene Standorte zu verteilen. Hieraus ergibt sich die Konsequenz, dass die DR-Standorte über eigene, physische Marktanbindungen verfügen müssen. Darüber hinaus muss präventiv dafür gesorgt werden, dass der DR-Standort für den Fall eines längeren Ausfalls der Colocation möglichst nah am DR-Standort der Börse liegt, um den latenzsensitiven Aufgaben am Markt weiterhin nachkommen zu können. Alle Investitionen in die DR-Vorsorge sind jedoch als reine Vorhalteinvestitionen einzuschätzen, die keine direkte Wertschöpfung erzielen. Die hier eingesetzten Mittel fehlen bei Investitionen in die Optimierung des Algo-Tradings. Neben diesen primären Vorhalteinvestitionen gibt es aber auch bei latenzsensitiven Marktteilnehmern weitere Systeme für Risk Management oder Positionsführung, die für den Handelsbetrieb zwar notwendig, aber nicht abhängig von der minimalen Latenz sind. Auch für diese Bereiche gilt in erster Linie das Ziel der Kostenminimierung, so dass die Auslagerung dieser produktiven Installationen aus der Colocation in eine leistungsfähige, jedoch kostengünstigere, Infrastruktur ein Gebot der Stunde ist.
Die Auflösung eines Zielkonflikts
Durch die skizzierte Konstellation ergibt sich ein permanenter Zielkonflikt: Auf der einen Seite stehen die Vorhalteinvestitionen, die auf Grund gesetzlicher Vorschriften getätigt werden müssen. Auf der anderen Seite müssen die Marktteilnehmer ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung stellen, um die Weiterentwicklung des latenzsensitiven Teils der Handelsumgebung voranzutreiben. Dieser Zielkonflikt ist intelligent gelöst, wenn eine interne Umschichtung des Budgets vorgenommen wird. Dies wird dadurch erreicht, dass alle nicht zeitsensitiven Applikationen in Standorte ausgelagert werden, die keine Colocation sind, aber auf Grund ihrer Infrastruktur optimale Bedingungen für die Marktanbindung bieten. Es geht dabei um eine relative Nähe zu den Märkten, um die Anbindungskosten nicht durch die physische Distanz unnötig zu erhöhen. Darüber hinaus ist ein professionelles Rechenzentrumsumfeld erforderlich, um die ständige Verfügbarkeit der Applikationen zu sichern. Zudem geht es um eine hohe Dichte und Auswahl an Carriern, um die Standortanbindung zu gewährleisten. Carriereigene Rechenzentren sind hierfür nicht unbedingt geeignet, da es unter Umständen Restriktionen bei der Anbindung gibt. Weitere Faktoren für die Standortwahl sind die Verfügbarkeit von Diensteanbietern wie Marktdatenvendoren, durch die die Datenversorgung für weitere Märkte sicher und kostenoptimiert gelöst wird, sowie eine hohe Dichte an Points of Presence (POPs) anderer relevanter Märkte an diesem Standort. Diese Entscheidungskriterien werden durch ein carrierneutrales Rechenzentrum optimal abgedeckt. In den Financial Hubs von Interxion finden Kunden aus dem Finanzmarkt genau die Infrastruktur sowie Businesspartner, um ihre Geschäftsmodelle optimal veredeln und ihre Wertschöpfung signifikant steigern zu können.
Hochwertige Anbindung
flexibel geteilt
Exemplarisch hierfür ist unter anderem auch der Ansatz, Anbindungen an die Börse gemeinsam mit anderen Kunden innerhalb eines Financial Hubs zu nutzen, um Kosten zu sparen. Vom Frankfurter Interxion-Rechenzentrumscampus aus können beispielsweise über VALUES API (Virtual Access Link Using Exchange Services Application Programming Interface), Eurex FIX, FIXML, Enhanced Trading Solution und Enhanced Confirmation Solution Verbindungen zu den Handelssystemen der Gruppe Deutsche Börse hergestellt werden. Durch den Multi Member Access Point der Gruppe Deutsche Börse, der bei Interxion in Frankfurt gehostet wird, müssen sich die angebundenen Unternehmen nicht um das aufwändige und komplexe Zugangsmanagement kümmern, da dieses vom Dienstleister übernommen wird. Gleichzeitig entstehen den Kunden durch die Nutzung aktueller Schnittstellen Wettbewerbsvorteile. Die Nähe der unterschiedlichen Teilnehmer des Finanzmarktes innerhalb der Financial Hubs erlaubt es den Kunden, sich lokal miteinander zu verbinden und bei Bedarf auf unkomplizierte Weise weitere Wertschöpfungspartner anzubinden, etwa wenn sich ihre Handelsstrategien ändern sollten.