Start frei für die Cash-Revolution

 
Heft 4/2010
 

Credit Suisse auf neuen SB-Wegen.Mit der erfolgreichen Pilotierung der CINEO-Systemgeneration in ihrer Filiale in Wädenswil hat Credit Suisse den ersten Schritt in Richtung eines in der Filiale durchgängigen Cash-Cycle-Managements gemacht. Dieses soll perspektivisch auch branchenübergreifend realisiert werden.

Als erste Bank weltweit hat die schweizerische Credit Suisse die neue Generation der Geldautomaten von Wincor Nixdorf – CINEO (Cash Intelligence NEO) – in Produktivbetrieb genommen. Zunächst einzelne Modelle, später wurde dann eine ganze Geschäftsstelle in Wädenswil am Zürichsee mit Auszahlern und Cash-Recycling-Systemen ausgerüstet. Damit verfolgt die Großbank weiter jene Ziele, die sie mit der Erstinstallation eines Cash-Recycling-Systems 1998 und später im Rahmen ihres Branch-Excellence-Konzepts formuliert hat.

Gemäß Lothar Raif, Leiter Payments & Cards bei Credit Suisse, will die Bank mit den genannten Innovationen

▷effiziente Basisdienstleistungen in den 186 Filialen mit 24-Stunden-SB-Zone bereitstellen,

▷den Aufwand im Umgang mit Bargeld verringern,

▷die Kundenzufriedenheit durch besseren Service steigern und

▷für Kosteneffizienz im SB-Umfeld sorgen.

Speziell der Kostenaspekt, sowohl auf der Investitions- als auch auf der Wartungsseite, hat die Schweizer Großbank dazu bewogen, dem Cash-Cycle-Management hohe Priorität einzuräumen.

Hinter der Entscheidung für CINEO stand die Überlegung, dass Bargeld noch lange von Kunden bevorzugtes Zahlungsmittel sein wird, auch wenn das Volumen weiter reduziert werden soll. Noch immer werden in Europa acht von zehn Transaktionen bar bezahlt.

In der neuen Systemgeneration sieht Lothar Raif „einen weiteren Schritt nach vorne“. Im Sinne von Prozesseffizienz sollen dadurch die Abläufe innerhalb der Bank gestrafft, die Sicherheit erhöht, Warteschlangen verhindert und die Verfügbarkeit der Geräte erhöht werden. Im Endausbau ist geplant, die Lösung nach Pilotierung und Nachweis ihrer Praxistauglichkeit im gesamten SB-Netz des schweizerischen Marktes umzusetzen.

Automatisiertes Bargeldrecycling auf Filialebene

Aus diesem Grund waren intensive Tests der Pilotphase vorausgegangen, ebenso Schulungen der Cash-Service-Mitarbeiter, um sie mit den veränderten Abläufen und Prozessen vertraut zu machen. Das Notenspeicherkonzept der Systeme mit den intelligenten E2E-Kassetten erlaubt es erstmals, im Zusammenspiel mit entsprechender Software, Bargeld zwischen den verschiedenen Cash-Points auszutauschen und so auf Filialebene im Kreislauf zu belassen.

Auf diese Weise können etwa die an Recyclern eingezahlten Noten direkt in Auszahlern eingesetzt werden, ohne irgendwelche Zwischenschritte oder ein Öffnen der Kassetten. Die chipbestückten Geldkassetten geben zudem Auskunft über ihren Bargeldbestand, heruntergebrochen auf die einzelne Denomination; und sie speichern Informationen darüber, wo ein Notenspeicher eingesetzt war und wann er geöffnet wurde.

Dadurch vereinfacht sich die Betreuung für die Mitarbeiter im Cash-Service erheblich. Für die monatliche Geldbestandskontrolle für jeden Automaten sind statt 20 bis 25 Minuten nur noch zehn Minuten anzusetzen. Die zeitraubende Entnahme der Noten aus den Rollen entfällt sogar ganz, weil nur noch Kassetten genutzt werden. Damit erhöht sich automatisch die Verfügbarkeit der Systeme. Neben der Handhabung verbessert sich zudem die Transparenz, da Unterschlagungen und Schwund dank der revisionssicher abgelegten und auf ihrem Weg verfolgbaren Noten ein Riegel vorgeschoben wird. „Alles in allem summiert sich die Verbesserung auf der Ablaufseite auf mehr als 50 Prozent und hat damit die von uns gesetzten Ziele sogar noch übertroffen“, so Lothar Raif. Die Befragung der Kunden ihrerseits ergab, dass nur die Wenigsten eine Änderung überhaupt wahrnahmen. Und wenn, empfanden sie die neuen Systeme als angenehm, was Design und Bedienkomfort anbelangt, und deutlich schneller im Einzahlungsvorgang. Die Verarbeitungsgeschwindigkeit von zehn Noten pro Sekunde ist dreimal höher als früher.

Als entscheidender Faktor für den Erfolg bewertet der Projektleiter die stufenweise Einführung, verbunden mit „ausgiebigen Tests“ unter den vor Ort herrschenden Bedingungen. Dadurch konnten auch „Kinderkrankheiten“ zeitnah behoben werden.

Schnelle Bargeldflüsse zwischen Bank und Handel

Mit dem Filialbetrieb ist bei Credit Suisse der Startschuss für weiterreichende Entwicklungen gefallen. Denn mit der CINEO-Systemgeneration verbindet die Bank eine ganze Reihe von Erwartungen, welche über den automatisierten Tausch der Kassetten auf Filialebene hinausgehen. Bereits wird darüber nachgedacht, auch das bankeigene Cash-Center sowie Werttransporteure in die Abläufe einzubeziehen, um so zu einem durchgehenden System zu kommen – mit lückenloser Kontrolle über den aktuellen Standort der Gelder.

Nicht weniger wichtig ist für Lothar Raif, dass sich jetzt völlig neuartige Optionen für die branchenübergreifende Verknüpfung der Bargeldströme erschließen. Eine Kooperation mit größeren Handelshäusern drängt sich nahezu auf, sind doch Handel und Banken beim Thema Bargeld sehr eng verbunden. Schließlich entsorgen rund 90 Prozent der Handelsunternehmen ihre Einnahmen bei ihrer lokalen Bank. Dort versorgen sie sich zugleich mit Wechselgeld. Der Kassettentausch untereinander führt zu einer Verkürzung der Bargeldflüsse und folglich zu Kostensenkungen. Transport und Verarbeitung im Cash-Center und bei der Zentralbank entfallen weitgehend.

Doch schon ohne diese weiteren Schritte rechnet sich für Credit Suisse der Umstieg auf die neue Produktplattform. Bei aktuellem Budgetansatz geht die Bank nach Aussagen von Lothar Raif davon aus, bei Investitionen und Wartung mindestens 10 bis 20 Prozent einzusparen. Die Werte liegen auf der sicheren Seite. Wincor Nixdorf selbst erwartet von einem durchgängigen Cash-Cycle-Management auf längere Sicht nachhaltige Kostensenkungen in Höhe von mehr als 20 Prozent.

Kurzinterview mit Stefan Wahle: Einstieg in die Welt des Cash-Cycle-Management

 

Kurzinterview mit Stefan Wahle: Einstieg in die Welt des Cash-Cycle-Management
großes Bild

Stefan Wahle, Sprecher der Geschäftsleitung bei
Wincor Nixdorf: „Wichtig ist die richtige Basistechnologie.“

Bild:
Wincor Nixdorf

Nachgefragt: Wo steht Wincor Nixdorf gut ein halbes Jahr nach der Präsentation des Cash-Cycle-Management-Konzepts geldinstitute sprach mit Stefan Wahle, Sprecher der Geschäftsleitung Deutschland bei Wincor Nixdorf.

Wie ist die Wahrnehmung bei den Banken für dieses Thema?

Stefan Wahle: Aus vielen Kundengesprächen nehme ich mit, dass wir eine hohe Awareness bei Banken und Sparkassen geschaffen haben. Aktuell sprechen wir mit vielen Kunden darüber, wie wir deren Cash-Kreisläufe optimieren können. Der Markt für unsere Lösung ist zweifellos da. Das bestätigen auch einige Mitbewerber, indem sie unser Konzept zumindest in Grundzügen adaptieren.

Allein in Banken sind Bargeldprozesse hochkomplex. Wird der Handel in den Cash-Kreislauf einbezogen, gilt es noch mehr Einflussfaktoren zu berücksichtigen. Wie gelingt Banken der Einstieg in die Welt des Cash-Cycle-Managements?

Stefan Wahle: In der Tat ist das Thema vielschichtig und will langfristig angelegt sein. Wir schlagen unseren Kunden eine dreistufige Vorgehensweise vor. Erstens bieten wir im Rahmen eines Beratungsprojektes an, die Cash-Kreisläufe innerhalb der Banken und deren Filialen zu analysieren, um dann aufzuzeigen, welche Möglichkeiten für eine Optimierung bestehen. Zweitens bieten wir Banken an, unsere Lösung zu pilotieren. Daraus können wir dann individuelle Business Cases ableiten und klar sagen, wie sich der Einsatz der neuen Technologie konkret für das jeweilige Institut rechnet.

... und drittens?

Stefan Wahle: Empfehlen wir Banken, bei Investitionsentscheidungen auf der Hardwareseite die richtige Basistechnologie zu installieren. Wenn Banken heute vorhaben, ihre Bargeldprozesse zu verändern, müssen sie bedenken, dass die Notenspeichertechnologie dabei eine entscheidende Rolle spielt – bei Auszahlern, Cash-Recycling-Systemen aber auch bei automatischen Kassentresoren. Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass der nachhaltige Erfolg eines umfassenden Cash-Cycle-Managements von der Kompatibilität der Notenspeicher über alle Systeme und der Kompatibilität mit Software- und Servicekonzepten abhängt.

Branchenguide 2011
CallCenter for finance 2011
CallCenter Verband