Leistungsfähige Bankentechnologie.Eine leistungsfähige Bank-IT ist einer der Schlüsselfaktoren für die Bank der Zukunft. Rückläufige IT-Budgets als Folge der aktuellen Marktsituation könnten das weitere und erforderliche Wachstum der deutschen Kreditinstitute denn auch nachhaltig behindern – so der warnende Tenor auf der 14. Handelsblatt Jahrestagung „Banken-Technologie“.
Die Bank-IT müsse mit den Anforderungen wachsen und eine reibungslose Abwicklung der Bankgeschäfte sicherstellen – auch und gerade in einer Zeit großer Unsicherheit und Umbrüche, betonte Hermann-Josef Lamberti, Mitglied des Vorstandes der Deutschen Bank. Aufgrund der Marktbedingungen hätten im vergangenen Jahr ungewöhnliche Spitzenvolumina abgefangen werden müssen. Aber auch aktuell erwarte die Deutsche Bank weiter steigende Volumina, unter anderem als Folge von verstärktem Algorithmic-Trading. „Wir begegnen den neuen Herausforderungen mit unserem strategischem Interlock-Modell“, so Lamberti. Die Basis legt der Dreiklang aus SOM (Structured Operating Model), SOA (Service Oriented Architecture) und SOI (Service Oriented Infrastructure). Das Betriebsmodell auf Basis von SOM habe zu standardisierten Prozessen und einer Industrialisierung der Abwicklung geführt. Dies wiederum ermögliche eine Effizienzsteigerung und Qualitätsverbesserung. Im Rahmen des Process Reengineering würden die Abläufe in der Organisation von Front- und Backoffice überprüft, mit dem Ziel, die Standardisierung und eine Verringerung der Komplexität voranzutreiben. Ziel der konsequenten Umsetzung von SOM sei eine Service Oriented Enterprise. Für die Zukunft, so Lamberti, sehe er auch innovative Konzepte wie „Software as a Service“ und „Cloud Computing“, bei dem ein Anbieter komplexe Leistungen aus Soft- und Hardware in Form eines abstrakten Dienstes bereitstellt. Speicher, Rechenzeit oder komplexere Dienste können über festgelegte Schnittstellen abgefordert werden, wobei es keine Rolle spielt, auf welcher Hardware diese letztendlich ausgeführt werden.
IT-Prozessinnovationen
Eine immer größere Bedeutung für den Erfolg am Markt kommt nach Ansicht von Dirk Berensmann, Mitglied des Vorstandes der Deutschen Postbank, effektiveren und effizienteren Geschäftsprozessen zu. Sie seien künftig der einzige unmittelbar durch das einzelne Institut beeinflussbare Wettbewerbsfaktor. IT-gesteuerte Prozessinnovationen müssten zu Standardisierung und Flexibilisierung beitragen. Die zukünftige IT-Unterstützung von Vertrieb & Marketing erfordere darüber hinaus einen massiven IT-Paradigmenwechsel, denn Kunden kauften heute anders, betonte Berensmann. So sei früher der „traditionelle Kaufprozess“ im Fachhandel aus „Wünschen-Sparen-Informieren-Kaufen“ plan- und vorhersehbar gewesen und habe dem jeweils besten Anbieter hohe Gewinne ermöglicht. Heute jedoch seien die einzelnen Schritte im Kaufprozess der sogenannten „Echtzeit-Kunden“ nicht nur nicht klar voneinander abzugrenzen, sondern auch schwer prognostizierbar: „Informieren-Wünschen-Kaufen-Finanzieren“ – spontane internetbasierte Entscheidungen mit hohen Gewinnchancen für die Schnellsten seien vielmehr die Regel – und dies als kontinuierlicher Prozess. „Kunden kaufen heute anders und in Echtzeit und wollen zukünftig eine Echtzeit-Bank“, so Berensmann.
Outsourcing-Potenzial
Klar wurde auf der Handelsblatt-Tagung auch, dass die deutschen Banken angesichts milliardenschwerer Abschreibungen und eines gestiegenen Kostendrucks künftig mehr IT-Dienstleistungen auslagern wollen: 47 Prozent der Finanzdientleister halten die Auslagerung von Leistungen für ein wichtiges Thema, so das Ergebnis einer aktuellen Studie „Erfolgsmodelle im Outsourcing“ von Steria Mummert Consulting in Kooperation mit InformationWeek. Jeder vierte Befragte rechnet durch die Auslagerung mit einer Senkung der Kosten um mehr als ein Fünftel, sechs Prozent gehen sogar von Einsparungen in Höhe von 40 bis 50 Prozent aus. Outsourcing werde zudem mit einem Abbau von Stellen in den IT-Abteilungen einhergehen – so die Erwartungen von Referenten und Teilnehmern an der Tagung. Der IT-Bereich solle nicht wegrationalisiert werden, doch ein Arbeitsplatzabbau sei unvermeidbar, bestätigte zum Beispiel Commerzbank-Vorstand Frank Annuscheit angesichts des geplanten Zusammenschlusses seines Hauses mit der Dresdner Bank.
Über IT-Strategien für Individual-Outsourcing referierte Stefan Spannagl, Mitglied des Vorstandes der quirin bank, die für Mandanten zahlreiche Optionen über ihre „Outsourcing-Boutique“ anbietet. Während Retailbanken und Transaktionsbanken weiter auf Eigenentwicklungen oder auf die großen Softwareanbieter setzten, seien für kleinere Banken individuelle Lösungen durch flexible mittelständische IT-Unternehmen notwendig. Interessant sei auch Standardsoftware mit Individualisierungsmöglichkeiten für die Differenzierung der Bank.
Interessant in diesem Zusammenhang: Vier von fünf Finanzunternehmen fühlen sich von ihren IT-Dienstleistern schlecht verstanden und beanstanden, dass diese sie zu häufig mit Standardlösungen abspeisen! Die individuellen IT-Besonderheiten in den Unternehmen, beispielsweise das Anbinden an die Kunden-IT , würden zu wenig berücksichtigt. Zu diesen Ergebnissen kommt die aktuelle Studie „Software – made in Germany“ des IMWF im Auftrag von PPI. J
Autor: Ursula Pelzl