Vor allem Darlehen an kleine und mittlere Betriebe sowie komplexe Firmenkredite bieten noch erhebliches Industrialisierungspotenzial. Dabei setzen die Institute verstärkt auf Outsourcing: Etwa 20 Prozent der Banken planen, externe Dienstleister zu beauftragen – viermal so viele wie noch 2008. Das hat die Topentscheiderbefragung „Branchenkompass Kreditinstitute“ von Steria Mummert Consulting ergeben.
Während 2007 Konsumentenkredite ganz oben auf der Agenda der Industrialisierungspläne deutscher Banken standen, konzentrieren sich die Institute in den nächsten Jahren verstärkt auf die Kreditservices für Unternehmen. Denn die Vergabe von Standardkrediten dauert beispielsweise oftmals noch zu lange und verursacht so unnötige Kosten. Ziel ist daher, diese durch vereinheitlichte Abläufe schneller und effizienter abzuwickeln. Das kann sowohl auf Produktebene als auch auf Prozessebene geschehen. Aufgabe der Institute ist deshalb, zu prüfen, welche Dienste sich vereinheitlichen und dadurch optimieren lassen.
Mehr Produktbündel bei komplexeren Kreditprozessen
Bei komplexeren Kreditprozessen steht neben der Standardisierung insbesondere die Modularisierung der Produkte auf der To-do-Liste der Banken. Jedes zweite Kreditinstitut will hier in den nächsten Jahren nachbessern und Produktbündel schnüren, die an die individuellen Bedürfnisse ihrer Kunden angepasst sind und deren einzelne Module sich frei kombinieren lassen. In der Vergangenheit haben die Institute es teilweise versäumt, die Prozessoptimierung im Kreditgeschäft mit Unternehmen gezielt voranzutreiben und beispielsweise die nötige Transparenz für ihre angebotenen Leistungen zu schaffen.
Investiert wird vor allem
in Standardsoftware
Die geplante Prozessoptimierung ist ohne technische Unterstützung nicht umsetzbar. Während im vergangenen Jahr die Errichtung serviceorientierter Architekturen (SOA) bei den anvisierten Maßnahmen oberste Priorität hatte, besteht derzeit der größte Optimierungsbedarf bei den Kernbanksystemen. Rund 60 Prozent der befragten Institute planen, bis 2012 ihre historisch gewachsenen IT-Umgebungen durch Standardsoftware zu ergänzen oder sogar komplett zu ersetzen. Die vielfach immer noch vorhandenen großrechnerbasierten Individualsysteme sind zwar zuverlässig, aber unflexibel. Da die Banken in der Vergangenheit meist in unvernetzte IT-Insellösungen investiert haben, werden Geschäftsprozesse bei der Kreditvergabe außerdem immer wieder durch Medienbrüche ausgebremst. Denn Mitarbeiter müssen Kundeninformationen bei Darlehensanträgen erst aufwändig von einem in das andere System überführen. Das erzeugt nicht nur einen deutlichen Mehraufwand, die manuelle Übertragung ist zudem besonders fehleranfällig. Eine schrittweise Ablösung der Kernbanksysteme durch flexiblere IT birgt somit nach wie vor ein erhebliches Einsparpotenzial für das Kreditgeschäft.
Outsourcingdienste stärker nachgefragt
Bei der Bewältigung ihrer Industrialisierungsvorhaben setzen die Institute zunehmend auf Unterstützung durch externe Partner. Häufiger Grund für die erhöhte Nachfrage ist das verbesserte Leistungsportfolio der Anbieter, das in letzter Zeit deutlich erweitert und verstärkt auf die individuellen Banken- und Kundenbedürfnisse ausgerichtet wurde. Die Dienstleister bieten mittlerweile Teilprozesse als Servicebaustein an, wie etwa Bonitätsprüfung oder Adressermittlung. Durch diese Spezialisierung auf einzelne Prozessschritte werden den Instituten wichtige Dienste abgenommen, die sie selber teilweise nur mit größerem Aufwand bewältigen können.
Zusätzliche Potenziale bei Wertpapieren
Neben den geplanten Maßnahmen bei Unternehmenskrediten sehen 45 Prozent der Bankentscheider noch Optimierungspotenzial im Wertpapiergeschäft. Damit nahm auch hier der Bedarf zu: 2008 planten erst 40 Prozent der Institute entsprechende Investitionen. Grund sind insbesondere die auf den Weg gebrachten Gesetze zur verstärkten Regulierung in der Finanzberatung. Die neuen Vorschriften und das verlorengegangene Kundenvertrauen setzen die Institute unter Druck, transparentere Abläufe zu bieten. Beispiel Wertpapierdienstleistungs-, Verhaltens- und Organisationsverordnung (WpDVerOV): Die seit Januar 2010 bestehende Protokollpflicht für Anlagegespräche soll Privatanlegern erleichtern, Ansprüche bei Fehlberatungen gerichtlich durchzusetzen. Aktuell zeichnen sich beispielsweise neue Anforderungen des Bundesverbraucherministeriums zur Schaffung eines „Beipackzettels“ für Anlageprodukte ab. Der Spagat zwischen einer auf die Kundenbedürfnisse zugeschnittenen Beratung und der Wirtschaftlichkeit für das Institut ist jedoch nur zu schaffen, wenn moderne Beratungstools die Prozesse ausreichend unterstützen und dem Berater so viel Bürokratie wie möglich abnehmen. Im Idealfall führen Softwarelösungen den Bankmitarbeiter zuverlässig und zügig durch das Gespräch. Zeitgleich überprüft das Programm automatisch, ob die Empfehlungen die gesetzlichen Richtlinien erfüllen. Doch nicht nur in Bezug auf die Beratung, sondern entlang der gesamten Wertschöpfungskette planen die Institute, ihre Abläufe im Wertpapiergeschäft künftig deutlich zu verschlanken und noch stärker mit IT zu unterstützen. Nicht verwunderlich also, dass im Wertpapiergeschäft der Unterstützungsbedarf durch externe Dienstleister groß ist wie nie. Etwa jede vierte Bank plant, einzelne Abläufe auszulagern. Damit hat sich die Anzahl der Institute mit entsprechenden Outsourcingplänen im Vergleich zu 2008 vervierfacht.
SEPA sorgt für neue Industrialisierungspläne
Bei einem Drittel der Banken lässt sich darüber hinaus im Zahlungsverkehr Industrialisierungspotenzial heben. Dafür verantwortlich ist vor allem das seit November 2009 eingeführte Lastschriftverfahren der Single Euro Payments Area (SEPA), das die Tür zum europäischen Auslandsgeschäft aufstößt. Durch die SEPA-Lastschrift ergeben sich für Anbieter von Zahlungsdienstleistungen neue Geschäftschancen, zum Beispiel im E-Invoicing, der elektronischen Rechnungserstellung für Firmenkunden. Unternehmenskunden können dadurch erheblich Kosten sparen. Für die Banken bedeutet das, sich noch stärker auf die europaweit einheitlichen Formate einzustellen und ihre Prozesse dementsprechend anzupassen.
Für alle Leistungen gilt, dass sich durch eine vorherige interne Optimierung die besten Ergebnisse erzielen lassen. Entweder ist ein Auslagerungsprojekt nicht mehr nötig, weil beispielsweise die eigene Kontrolle höher bewertet wird als zusätzliche Preisvorteile. Oder es verkürzen sich im Falle eines Outsourcings die Projektlaufzeiten deutlich, da die Produkte und Abläufe viel übersichtlicher sind. Dies wiederum eröffnet zusätzliche Preisvorteile bei externen Providern, die das Portfolio der auslagernden Bank so dauerhaft leichter abbilden können.