Risiko- und Kostensenkungen

 
Heft 4/2011
 

Automatisierung im direkten Broker-Matching weltweit.Asset-Manager und Broker in den verschiedenen globalen Märkten nutzen SWIFT-Nachrichten zur Automatisierung der Allokations- und Abrechnungsprozesse im Blocktrading. Die elektronische Abrechnung (Electronic Trade Confirmation – ETC) wird inzwischen in großem Umfang über SWIFT ausgeführt. Sie bietet die Automatisierung von Trades, die außerhalb der Reichweite anderer Systeme liegen, und eignet sich für die Institutionen, die einen bilateralen Abgleich (Local Matching) anstelle eines zentralen Matching-Dienstes bevorzugen.

Die bisherigen Nutzer haben Richtlinien für die Marktpraxis entwickelt, die es anderen Investmentgesellschaften und Brokern erleichtern, alle Vorteile des Datentransfers mit der elektronischen Abrechnung (ETC) über SWIFT für das direkte Broker-Matching zu nutzen und damit ihre Betriebskosten und -risiken weiter zu senken.

Die globale Finanzindustrie kämpft weiterhin mit dem zunehmenden regulatorischen Druck auf die geforderte Verbesserung des Managements und der Kontrolle aller Risiken über verschiedene Asset-Klassen hinweg. In ihren Treasury-, Derivate- und Wertpapier-Middleoffices werden bei der Umsetzung der neuen Compliance-Vorgaben sämtliche Modelle zur Allokations- und Abrechnungsabwicklung auf operative Effizienz und Kosteneinsparungen überprüft. Einige Asset-Manager ziehen dabei lieber weiteren Nutzen aus ihren früheren Investitionen in die Verbesserung des Risikomanagements durch Standardisierung und Automatisierung, anstatt auf ein zentrales Matching-Verfahren zu setzen: Sie behalten ihre bestehenden Verfahren und maximieren die Flexibilität ihrer laufenden Betriebsprozesse. Mit dem effektiven Einsatz von Industriestandards wie ISO 15022 und der Optimierung bewährter Verfahren im Nachhandelsbereich ebenso wie dem „Anzapfen“ von Gegenparteigemeinschaften, die bereits auf diese Standards und Verfahren setzen, bleiben diese Investmentgesellschaften bei ihren hohen Straight-Through-Processing-(STP-) Raten, in die sie bereits beträchtliche Zeit, Arbeit und Mittel investiert haben.

Im Laufe des Jahres 2010 initiierten einige weltweit aktive Asset-Manager eine Buyside-Gruppe, um die Herausforderungen zur Verbesserung der Abwicklung gemeinsam zu bewältigen. Zusammen mit SWIFT sollte das marktübliche elektronische Allokations- und Abrechnungsdokument nach ISO 15022, mit dem die Industrie seit dem Jahr 2000 arbeitete, fortentwickelt werden. Dabei stellte man schnell fest, dass ISO-Standard und Nachrichten noch immer ihren Zweck erfüllten. Die Gruppe ging auf einige der weltgrößten Brokerfirmen zu, die gerade ihr eigenes ISO-15022-Abrechnungsprojekt mit der Prime-Broker-Community abgeschlossen hatten, um die Initiative zu organisieren und die Wirtschaftlichkeit der Einführung der ISO-15022-Nachrichtenfolge Allocation-Confirmation-Affirmation zu sichern.

Zwei führende Buyside-Firmen, Schroders und Legal & General Investment Management (LGIM), wollen bis Ende des Jahres 2011 ihr direktes Matching-Verfahren für den Handel von Aktien und festverzinslichen Papieren über SWIFT mit einer ersten Gruppe globaler Broker in Betrieb nehmen, nachdem sie ihre derzeitigen globalen Verfahrensmodelle bereits optimiert haben.

Sicherung des erreichten Automatisierungsgrades

Hauptmotive für Schroders sind Ausfallsicherheit und der Wunsch nach einer Alternativlösung. 92 Prozent der Abrechnungen desselben Tages laufen weitestgehend automatisiert, bei den Aktien ist der STP-Anteil 98 Prozent. Für Mike Pavey, Leiter der Gruppenportfolio-Dienste bei Schroders, ist die wichtigste Aufgabe daher die jederzeitige Sicherstellung der bestehenden hochautomatisierten Prozesse: „Mit über 98 Prozent STP arbeitet man im Endeffekt nur an 2 Prozent der Transaktionen. Wenn plötzlich eine solche automatisierte Lösung nicht mehr zur Verfügung steht selbst für kurze Zeit –, ist es unmöglich, von 2 Prozent auf 98 Prozent hochzufahren. Wir müssen also jederzeit Zugriff auf eine automatisierte Lösung haben, um 98 Prozent STP halten zu können.“ Schroders begrüßt das Angebot einer Alternative mit ergänzenden Diensten im Markt durch SWIFT: „Um systemische Risiken zu vermeiden, ist das lebenswichtig.“

LGIM hat ein anderes Motiv für den Einstieg mit SWIFT: Das Modell des direkten Broker-Matchings – auf dem sein operatives Geschäft aufgebaut ist – aufrechtzuerhalten und zu stärken. Wie bei vielen anderen Investmentfirmen wurde dort sehr viel Geld für den Aufbau der Infrastruktur zur Unterstützung des direkten Matchings aufgewendet. Laut Kelly Spiteria, Manager Trade Services bei LGIM, wird dieses Modell mit fünf der Top-Broker seit sechs Jahren genutzt und funktioniert sehr gut: „Wir haben immer direktes Matching betrieben, weil wir dabei die bessere Kontrolle haben. Unsere STP-Raten liegen auf hohem 90-Prozent-Niveau; diese Leistungsfähigkeit wollen wir uns erhalten.“

Für Lee Toms, Head of Operations, ist das SWIFT-Modell hoch kompatibel mit den Prozessen bei LGIM und eine robuste Plattform, die ein hervorragendes STP – End to End – ermöglicht: „Wir achten sehr darauf, was für uns im Hinblick auf Effizienz, Skalierbarkeit, Robustheit sowie Kosten optimal ist und lassen alles, was möglich ist, darüber laufen.“

Die Bank of America Merrill Lynch, J.P. Morgan und Morgan Stanley beteiligen sich aktiv an der Unterstützung ihrer Buyside-Kunden im Rahmen der SWIFT-Initiative „Direktes Matching“. Aus Sicht eines Broker-Hauses – neben der Berücksichtigung der Kundenpräferenz – ist vorteilhaft, die Automatisierung insgesamt im Nachhandelsprozess steigern zu können. Man weiß, dass die Branche sich auf größere operationelle Effizienz zur Reduzierung von Kosten und Risiken fokussiert hat. Höhere STP-Niveaus helfen, diese Ziele zu erreichen. Im Bereich der Allokation beim direkten Matching wird das immer wichtiger, sagt Eithne Horner, Director Securities Operations bei Bank of America Merrill Lynch: „Die Märkte planen, Settlement-Zyklen zu verkürzen, und lassen den Firmen immer weniger Zeit, diesen Prozessschritt abzuschließen.“

Grundgedanke für Bank of America Merrill Lynch ist, ihren Kunden Wahlmöglichkeiten zu bieten. „Es gibt im Markt einige automatisierte Allokations- und Abrechnungsmöglichkeiten, aber die Auswahl ist klein“, sagt Horner. „Von unseren Kunden wissen wir, dass sie Alternativlösungen brauchen; einige als Backup-Option, während andere ihre jetzige Automatisierungslösung überprüfen. Und es gibt Kunden, die jetzt Allokationen noch manuell abwickeln, aber eine automatisierte Lösung suchen.“

Schroders geht im dritten Quartal 2011 in die Testphase und plant den operativen Einsatz im vierten Quartal. LGIM wickelt bereits die meisten seiner Abrechnungen sowie das Matching mit den wichtigsten Brokern über SWIFT ab und bereitet sich nun darauf vor, Allokationen mit hinzuzunehmen. „Unsere Organisation entwickelt viel selbst“, so Lee Toms. „Der zusätzliche Aufwand für Allokationen hält sich in Grenzen. Wir haben die entsprechenden SWIFT-Nachrichten zur Unterstützung der Allokation fertigentwickelt und sind betriebsbereit. Wir warten nur darauf, dass auch die Broker bereit sind.“

Mit dem bestens eingeführten ISO-15022-Nachrichtenformat für die elektronische Abrechnung ETC können Institutionen diesen Prozess weltweit standardisieren. Damit erreichen sie eine höhere End-to-End-Automatisierung und vermindern Sonderfälle. Ihr Einsatz über alle Clearing-, Settlement- und Abstimmungsprozesse hinweg erfordert praktisch keine Übersetzung oder Neuinterpretation von einem Standard zum anderen und ermöglicht eine optimale Automatisierung des Gesamtablaufs. Fehlinterpretationen bei Schlüsseldaten werden minimiert. Das führt unmittelbar zu weniger Rückfragen, niedrigeren Kosten und weniger Settlement-Problemen in der Abwicklung.

Wie funktioniert alles?

SWIFT-Nachrichten decken jeden Schritt des vertrauten und bewährten Ablaufs im Blocktrade-Prozess ab. Um die ETC abzuwickeln, reicht es aus, bestehende Nachrichtenabläufe in die ISO-15022-Formate zu übertragen, sie mit dem SWIFT-Zugang zu verbinden und ein Abwicklungsschema mit den Gegenparteien festzulegen. Die Teilnehmer automatisieren die Erstellung ausgehender sowie die Verarbeitung eingehender Nachrichten mit Hilfe ihrer Backoffice-Systeme und nach den Marktrichtlinien, die von den Nutzern aufgestellt wurden. Die Richtlinien definieren, womit die einzelnen Felder in den jeweiligen Nachrichten belegt werden müssen. Die meisten Middleware-Produkte beherrschen die Zuordnung der bestehenden Daten und Abläufe zu ihren ISO-15022-Pendants.

Facts: Broker-Matching

 

Fondsanlagen, die genauen Regularien unterliegen, sind bei institutionellen und privaten Kunden nach wie vor sehr beliebt. Die Statistik des Bundesverbandes Investment und Asset Management (BVI) zeigt, dass in Deutschland vor allem Spezialfonds beliebt sind.

In den vergangenen Jahren hat die deutsche Investmentbranche mit den steigenden Beständen auch eine Spezialisierung, Industrialisierung und Individualisierung der Abwicklung verzeichnet. Früher war es in Deutschland üblich – passend zum Universalbankmodell –, alles unter einem Konzerndach abzuwickeln. Heute sind Research, Handel, Abrechnung, Verbuchung, Belieferung, Verwahrung und Verwaltung von Finanzinstrumenten, in denen die Fonds anlegen, meist auf mehrere Institutionen aufgeteilt. Als Begriff für die Institution, die Anlageentscheidungen trifft und den Handel durchführt, hat sich inzwischen „Asset-Manager“ durchgesetzt.

Wertpapiergeschäfte, die der Asset-Manager für einen Fonds tätigt, müssen eine rechtlich verbindliche Form haben. Üblich ist, für jedes Geschäft einen Vertrag zu schließen, den der Broker dem Asset-Manager zusendet und den dieser gegenbestätigt. In Deutschland ist dafür der Begriff „Abrechnung“ gebräuchlich, genauer: Broker-Abrechnung. Der englische Begriff ist „Trade Confirmation“.

Der Abstimmungsprozess der Geschäftsdetails wird meist als Broker-Matching bezeichnet. In Deutschland gibt es für das institutionelle Geschäft mit Finanzinstrumenten im Wesentlichen zwei Modelle: Direktes Broker-Matching zwischen Asset-Manager und Broker (üblich bei Spezial-Fonds oder Direktanlagen) und Auslagern des Broker-Matchings an die Depotbank (üblich bei Publikumsfonds).

SIBOS

 

Vom 19. bis 23. September 2011 findet in Toronto die diesjährige weltgrößte Veranstaltung für Finanzdienstleister SIBOS statt. Näheres zu der von SWIFT organisierten Konferenz mit Sessions, Workshops, Präsentationen und Ausstellungen zu den wichtigsten aktuellen Themen der Finanzindustrie finden Sie unter:

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