Interview mit Dr. Walter Kirchmann

Neue Chance „Finance Cloud“

 
Heft 2/2010
 
Neue Chance „Finance Cloud“
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Dr. Walter Kirchmann: Der promovierte Wirtschafts- und Organisationswissenschaftler verantwortet bei FI-TS die kaufmännischen Bereiche, das Kunden-
management und den Vertrieb.

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FI-TS

Im Gespräch erklärt Dr. Walter Kirchmann, Vorsitzender der Geschäftsleitung bei Finanz Informatik Technologie Service (FI-TS), welche Chancen Cloud Computing für Finanzdienstleister bietet und was eine „Finance Cloud“ ist.

Cloud Computing ist in aller Munde. Worum geht es dabei eigentlich genau?

Dr. Walter Kirchmann: Beim Cloud Computing werden Rechenleistung, Speicherkapazitäten und der Zugang zu Anwendungen in eine öffentliche oder private „Wolke“ ausgelagert. Ob öffentlich oder privat hängt von der Bereitstellung der Kapazitäten ab: Erfolgt der Zugriff auf Ressourcen in einem unternehmensinternen Rechenzentrum, spricht man von der Private Cloud über das Internet genutzt handelt es sich um eine Public Cloud. Bei der Nutzung von Rechenkapazitäten über eine Cloud, fungiert das Endgerät – etwa ein PC, Laptop oder Smartphone – quasi als Fenster zur Anwendung. Diese läuft jedoch nicht direkt auf dem Endgerät, sondern auf der Infrastruktur im Rechenzentrum des Unternehmens oder Service Providers.

Welche Vorteile bietet Cloud
Computing?

Dr. Walter Kirchmann: In erster Linie Kostenvorteile, mehr Flexibilität sowie eine höhere Innovationsgeschwindigkeit. Denn Cloud Computing ermöglicht es, daten- oder rechenintensive Aufgaben auszulagern. Das wiederum bedeutet eine unmittelbare Senkung der bestehenden IT-Kosten, geringere Investitionen in neue Technologien sowie die Nutzung von Speicher- und Rechenkapazität nach Bedarf (on demand). Banken und Finanzdienstleister müssen also keine Überkapazitäten anschaffen und vorhalten, nur um auf punktuelle Leistungsspitzen vorbereitet zu sein. Stattdessen erhalten sie im konkreten Bedarfsfall gezielt die benötigte Mehrleistung und passen diese danach wieder an den normalen Bedarf an. Die Abrechnung erfolgt flexibel entsprechend der tatsächlich genutzten Leistung des Kunden.

Was raten Sie Banken vor der Inanspruchnahme von Cloud-Services?

Dr. Walter Kirchmann: Zunächst sollten Banken ihren Bedarf genau klären. Natürlich sind vor allem die Einsparungspotenziale durch die Nutzung von Cloud-Services sehr verlockend – vor allem in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten wie diesen. Gerade Banken sollten jedoch bei der Auswahl des Providers Vorsicht walten lassen. Denn die Anforderungen in der Finanzbranche sind nun einmal ganz andere als in anderen Branchen. Der Finanzsektor ist sehr stark reguliert, die Erfüllung von Compliance- und Governanceauflagen sind entscheidend für den geschäftlichen Erfolg. Das gilt auch für die Erfüllung diverser Vorgaben in den Bereichen Sicherheit, Verfügbarkeit, Datenschutz und mehr. Das bedeutet: Banken und
Finanzdienstleister brauchen Servicepartner, die ihre Branche kennen und verstehen, die entsprechenden Kriterien erfüllen und über einschlägige Fachexpertise verfügen. Die Inanspruchnahme von Services aus einer öffentlichen Wolke ist für diese Branche eher nicht geeignet.

Bei FI-TS haben Sie den Begriff „Finance Cloud“ geprägt. Was verstehen Sie darunter?

Dr. Walter Kirchmann: Wir sehen in der Cloud-Technologie viele Chancen, die es verantwortungsbewusst umzusetzen gilt. Da unsere Wurzeln in die Finanzbranche bis in die 60er Jahre zurückreichen, verstehen wir die rechtlichen und technischen Anforderungen ebenso wie die Sorgen und Nöte der Banken und Finanzdienstleister sehr gut. Aus diesem Grund haben wir eine sogenannte „Finance Cloud“ aufgebaut. Darüber können wir unseren Kunden Services anbieten, durch deren Nutzung sie alle Vorteile der Cloud-Technologie in Anspruch nehmen können, ohne auf die hohen branchenspezifischen Anforderungen des Finanzsektors verzichten zu müssen.

Welche Services bieten Sie hier bereits an?

Dr. Walter Kirchmann: Aktuell bieten wir unseren Kunden bereits den Service „Arbeitsplatz der Zukunft“ (AdZ) an. Diesen Dienst nutzen wir intern ebenfalls und haben ihn sozusagen selbst auf Herz und Nieren geprüft. Der AdZ ist ein innovativer Desktopservice, der speziell auf die Anforderungen in der Finanzbranche zugeschnitten ist. Er verbindet verschiedene Virtualisierungstechnologien zu einer kosteneffizienten und flexiblen Gesamtlösung. Die Nutzer greifen dabei über unsere Portalplattform auf ihre geschäftsrelevanten Anwendungen zu, egal welches Endgerät sie verwenden – privater PC, Laptop, Smartphone, Thin Client oder Fat Client. Das „Look & Feel“ ist einheitlich, da die Oberfläche des Portals entsprechend der Kundenwünsche gestaltbar ist – das erhöht die Akzeptanz. Denn was nutzt ein neuer Service, wenn die Anwender nicht darauf zugreifen.

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