Neue Alleskönner

 
Heft 1/2010
 

Firmenkundenportale.Der Electronic Banking Internet Communication Standard (EBICS) eröffnet Banken neue Möglichkeiten für moderne Webportale im Firmenkundengeschäft. Mit EBICS wurde in Deutschland ein internetbasierter Standard geschaffen, an dem auch andere europäische Länder Interesse zeigen und der in Frankreich bereits übernommen wurde.

Firmenkundenportale können längst nicht mehr nur Einblick in Kontostand und Zahlungsaufträge bei einem einzelnen Kreditinstitut bieten. Sie entwickeln sich vielmehr zur umfassenden Informationsplattform und Schaltzentrale für das gesamte Finanzmanagement eines Unternehmens. Von Kundenseite werden multibankfähige Plattformen deshalb immer stärker nachgefragt. Mehr als die Hälfte der Unternehmen will die Portale künftig nutzen. Der zügige Aufbau und die stetige Weiterentwicklung sind für die Kundenbindung der Banken daher erfolgskritisch. Denn nutzt ein Kunde erst einmal ein solches Portal, wird es für die übrigen Institute schwieriger, mit ihren Produkten auf sich aufmerksam zu machen. Das sind die Ergebnisse einer Studie, die von Steria Mummert Consulting erstellt wurde.

Alle Daten bündeln

Moderne multibankfähige Firmenkundenportale sind in der Lage, alle relevanten Zahlungsinformationen zentral zu bündeln. Sie liefern den Unternehmen einen Überblick über die gesamten Zahlungsverpflichtungen und alle Konten – unabhängig davon bei welcher Bank. Im Idealfall erfolgt dabei eine real-time-Bereitstellung der Umsätze, Vormerkposten und Kontosalden für Bankverbindungen im In- und Ausland. Unternehmen können die Daten nicht nur aufrufen, sondern beispielsweise auch Kontoauszüge herunterladen, um sie in anderen firmeninternen Anwendungen weiterzuverarbeiten. Zusammen mit den zusätzlich zur Verfügung gestellten Markt-, Branchen- und Börseninformationen sind die Kunden damit in der Lage, alle wichtigen Entscheidungen für den Zahlungsverkehr zentral zu treffen.

Bisher waren Online-Bankgeschäfte insbesondere für Unternehmen mit Konten bei verschiedenen Banken problematisch. Vereinzelt angebotene Portale nutzten jeweils eigene Zugangsverfahren. Daher wurde hauptsächlich beim Kunden installierte Electronic-Banking-Software für den Informationsaustausch mit den Banken genutzt. Heutzutage kann dagegen ein multibankfähiges Webportal alle Daten bündeln.

Flexibilität für Firmenkunden

Weil Firmenkundenportale internetbasiert sind, können freigeschaltete Nutzer ortsunabhängig auf jegliche Informationen zugreifen. Es besteht damit beispielsweise die Möglichkeit, sich von unterwegs über den Browser einzuloggen und Zahlungsaufträge von einem beliebigen PC freizugeben – ohne dabei Abstriche in punkto Datensicherheit zu machen. Auf einem USB-Stick werden die per elektronischer Unterschrift durchgeführten Transaktionen abgesichert. Zusätzlich speichert der Stick die Zugangsdaten – mit Ausnahme des Passworts. Die Wahl des Autorisierungsmittels wird dabei flexibel an die Kundenanforderungen angepasst. Im Gegensatz zur Electronic-Banking-Software ist dafür kein spezielles Programm notwendig. Außerdem entfällt der finanzielle und zeitliche Aufwand für die Einrichtung des Zugangs sowie für Administration und Wartung.

Erhebliche Sparpotenziale

Neben der flexiblen Nutzung können Unternehmen durch die Portale Kosten senken, indem sie beispielsweise als elektronisches Tor zur E-Invoicing-Plattform, zum E-Payment und zu Cash-Management-Systemen dienen. In Anbetracht der hohen Anzahl papierbasierter Rechnungen, die jedes Jahr verschickt werden, sind die Sparpotenziale insbesondere im Bereich E-Invoicing enorm. Bislang machen aber nur wenige Buchhaltungen von computerbasierten Rechnungen mit Hilfe vollautomatisierter elektronischer Signaturen Gebrauch. Die zuständigen Mitarbeiter unterschreiben die Zahlungsaufträge entweder per Hand oder erteilen die elektronische Unterschrift manuell am PC. Das dürfte sich künftig jedoch ändern, da für die händische Bearbeitung zu viel wertvolle Arbeitszeit verloren geht. Authentifizierungsinstrumente werden dabei in Zukunft erfolgsentscheidend sein.

Denn nur wenn die Unternehmen Zahlungsaufträge mit wenig Aufwand im Netz erteilen können, lohnt sich für sie dieser Transaktionskanal. Die Vorzüge von Webportalen liegen nicht nur auf Kundenseite. Kreditinstitute können ebenfalls in hohem Maße von einer schnellen Umsetzung multibankfähiger Portale profitieren. Es kann beispielsweise verhindert werden, dass Kunden zu einem Wettbewerber wechseln, weil die Hausbank kein umfassendes Portalangebot liefert.

Nutzen für Kreditinstitute

Außerdem erschließen sich für die Banken zusätzliche Einnahmequellen, wenn sie die Nutzung in Rechnung stellen. Erste Erfahrungen bei Banken zeigen, dass für die damit verbunden Dienstleistungen ein Betrag von etwa 15 Euro monatlich erhoben werden kann. Darüber hinaus lassen sich mittelfristig Installations- und Supportkosten im Electronic-Banking einsparen, weil weniger Kundensoftware gepflegt werden muss. Langfristig besteht die Möglichkeit, eine Reihe weiterer Dienstleistungen über die Webportale anzubieten. Dazu gehören etwa Dokumentengeschäfte und Bürgschaften, aber auch Spezialanwendungen für Hausverwaltungen und Spendenorganisationen. Den Instituten sind dabei grundsätzlich keine Grenzen gesetzt.

Passgenaue Portale

Um passgenaue Dienstleistungen über Webportale anzubieten, ist es grundlegend, die Aufgabenfelder und Prozesse der Kunden und die daraus abgeleiteten Bedürfnisse zu kennen. Wichtig ist es deshalb, schon jetzt zukünftige Kundenbedürfnisse zu identifizieren und sich nicht nur auf klassische Dienstleistungen zu konzentrieren. Viele Firmenkunden wünschen sich mehr innovative Leistungen, als sie derzeit von ihrer Hausbank bekommen. Für die Kreditinstitute gilt es daher herauszufinden, welche Dienstleistungen dafür in Frage kommen. Grundlegend für jedes Webportal und seine Funktionen ist dabei die Datensicherheit und vertraulichkeit, damit Firmenkunden ihre Geldgeschäfte sicher aufgehoben wissen. Dazu gehört beispielsweise auch, eine jederzeitige Verfügbarkeit des Systems zu gewährleisten. Weil meist nicht nur ein Mitarbeiter sondern mehrere mit den Zahlungsaufträgen in einem Unternehmen beschäftigt sind, sollte die Nutzung außerdem möglichst einfach, das heißt intuitiv erschließbar sein. Nur so lassen sich aufwändige Schulungsmaßnahmen vermeiden.

Multibankfähige Portale
der Zukunft

Es gibt bereits Banken, die mit einer multibankfähigen Portallösung sehr erfolgreich am Markt vertreten sind. Bei weiteren Kreditinstituten befindet sich die Umsetzung in Planung. Viele Häuser erkennen allerdings erst langsam die Vertriebspotenziale, die sich für sie aus dem Aufbau von Firmenkundenportalen ergeben. Diejenigen, die in naher Zukunft keine Plattform planen, hinken der Konkurrenz allerdings unweigerlich hinterher. Denn es besteht die Gefahr, dass Unternehmen Portallösungen von Mitbewerben nutzen, um Zahlungsaufträge zu senden – und damit unbemerkt attraktive Kundenverbindungen verloren gehen. Mit Hilfe von modernen Webportalen lässt sich die Beziehung zu den Firmenkunden dagegen intensivieren. Mehr noch: Wenn es gelingt, zusätzliche Produkte und Dienstleistungen anzubieten, kann die Profitabilität im Firmenkundengeschäft sogar deutlich gesteigert werden.

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