Effektive, stabile und transparente IT-Prozesse haben dabei generell oberste Priorität. Damit steht die Softwareentwicklung im Fokus des Interesses. Nicht wenige Experten kritisieren die Softwareentwicklung als Manufakturbetrieb und uneffektiv. Sie fordern, die Softwareproduktion stärker zu industrialisieren. Das ist sicher auch eine Reaktion auf den Ablauf vieler großer Softwareprojekte, die nicht gerade selten geplante Budgets sprengen und gestellte Terminen überschreiten. Der Ausweg: Die Industriealisierung der Softwareentwicklung.
Viele Werkzeuge für den Entwicklungsprozess sind in der Vergangenheit direkt aus der Notwendigkeit entstanden, spezifische Arbeiten und Methoden zu unterstützen. Etliche Unternehmen und Institutionen setzen für die jeweiligen Prozessschritte noch auf derart spezialisierte Tools und versuchen diese zu einer durchgängigen Werkzeugkette zu verbinden. Diese Strategie wird als „Best of Breed“ bezeichnet, weil damit wirksame Tools für jede einzelne Aufgabe verwendet werden.
Sammelsurium an Tools
Der grundlegende Mangel dieser Strategie ist die fehlende durchgängige Integration. Die Daten werden in jedem Prozessschritt gesondert gespeichert und anschließend abgeglichen. Damit sind diese nicht jederzeit synchron, konsistent und in allen Abschnitten der Prozesskette gleichermaßen aktuell. Völlige Transparenz und umfassende Reportingfunktionalitäten in Echtzeit über den gesamten Lebenszyklus sind erst recht nicht möglich. Außerdem werden mangels Transparenz die Einhaltung von Traceability und Compliance erschwert.
„Um die Produktivität und Qualität in Softwareprojekten zu erhöhen, müssen Medienbrüche und Kommunikationslücken innerhalb des gesamten Lebenszyklus einer Anwendung geschlossen werden“, fordert Steffen Ritter, Microsoft Product Marketing Manager für die integrierte Entwicklungsplattform Visual Studio 2010. Zunehmend mehr Unternehmen erkennen das hausgemachte Problem des „Best of Breed“-Ansatzes und orientieren sich auf eine „Best of Suite“-Strategie, bei der lose verkettete Tools durch eine einheitliche Plattform ersetzt werden. Nach dem BITKOM-Leitfaden für Industrielle Softwareentwicklung steht heute eine Entscheidung zwischen den beiden Toolstrategien „Best of Breed“ und „Best of Suite“ an (Industrielle Softwareentwicklung, Leitfaden und Orientierungshilfe, BITKOM 2010).
Einheitliche Entwicklungs-plattform
Diese Application-Lifecycle-Management
(ALM)-Plattform wird beim „Best of Suite“-Ansatz dann gegebenenfalls durch Zusatztools mit standardisierten Schnittstellen ergänzt. Dadurch wird der Integrationsaufwand von den Unternehmen hin zu den Toolherstellern verlagert. Wegen der integrierten Projektinfrastruktur steht jederzeit eine einheitliche konsistente Datenbasis mit aktuellem Datenbestand als Grundlage für ein umfassendes Reporting per „Knopfdruck“ zur Verfügung. Weniger im Entwicklungsprozess verwendete Tools bedeuten auch geringere Lizenz-, Anpassungs- und Trainingskosten. Mitarbeiter sind außerdem flexibler in unterschiedlichen Projekten einsetzbar, weil es nun nicht für jedes der zahlreichen Tools eigene Spezialisten geben muss.
„Visual Studio 2010 mit Team Foundation Server 2010 ist bereits die dritte Generation der professionellen Werkzeuge für durchgängiges Application Lifecycle Management“, verweist Steffen Ritter auf die Erfahrung und Kompetenz von Microsoft in Sachen ALM. Über den gesamten Entwicklungsprozess dient Team Foundation Server dabei als zentrales Repository für alle Artefakte. „Die hohe Integration der einzelnen Visual-Studio-Werkzeuge in allen Phasen des Application Lifecycle sowie die nahtlose Anbindung an bekannte Office-Anwendungen wie Microsoft Project oder Microsoft Excel verhindert Medien- und Kommunikationsbrüche und ermöglicht eine durchgängige Projekttransparenz – von der ersten Anforderungsaufnahme über Entwicklung und Test bis zum Deployment.“
Der zu jeder Zeit transparenten Blick auf die Entwicklungsprozesse verbessert auch die Zusammenarbeit der Entwickler mit den Fachabteilungen der Banken, denn letztere können zu jeder Zeit Projektfortschritt und Ergebnisse einsehen. Damit lassen sich agil effektive Geschäftsprozesse erstellen.
Weil jede einzelne Veränderung am Code in der gesamten Lebenszeit der Anwendung nachvollziehbar ist, erfüllt Visual Studio in Verbindung mit dem Team Foundation Server durch seine umfassende Traceability-Fähigkeit die Anforderungen des US-Bundesgesetzes Sarbanes-Oxley Act of 2002 (SOx). Das Gesetz behandelt verschiedene Aspekte der Corporate Governance, Compliance und der Berichterstattungspflichten von Publikumsgesellschaften.
ALM ist wichtiger Trend
ALM folgt einem ganzheitlichen Ansatz. Anwendungen können sich entsprechend ihrer Lebenszeit in verschiedenen Entwicklungsstufen und Reifegraden befinden, und die lebenszyklusbasierte Betrachtung trägt diesen verschiedenen Stadien Rechnung (Prof. Dr. Michael Amberg, Michael Reinhardt: Application Lifecycle Management – Trends, Herausforderungen und IT-Unterstützung, Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik 3, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg). Die Verfasser der Studie „Application Lifecycle Management – Trends, Herausforderungen und IT-Unterstützung“ der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg fassen ihre Untersuchungen in drei Thesen zusammen.
ALM hilft durch eine ganzheitliche Perspektive und integrierte Herangehensweise, auf aktuelle Trends und Potenziale in der Softwareentwicklung besser zu reagieren. Außerdem hilft die Professionalisierung des ALM, bessere Produkte und Dienstleistungen in schnelleren Zyklen zu entwickeln. Die IT als Enabler von Innovationen erfordert ein professionelles ALM.
Immer mehr Entscheider erkennen zudem, dass ALM ein gewichtiger Trend in der Softwareentwicklung ist, der sich zunehmend manifestiert und keine kurzfristige Modeerscheinung bildet, so ein Ergebnis der Studie Application Lifecycle Management von SIGS DATACOM (Application Lifecycle Management Studie 2010, SIGS DATACOM).
Autor: Ingo Paszkowsky