Kriminalität wirksam bekämpfen

 
Heft 5/2011
 

Proaktiv handeln.Das Erkennen und Verhindern von Betrug und kriminellen Handlungen wird im Bankgeschäft immer wichtiger. Dabei gilt es nicht nur, gesetzliche Anforderungen an die Verhinderung von Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung oder Insiderhandel umzusetzen. Auch die Verhinderung des Missbrauchs im Onlinebanking, durch Kartenbetrug (Diebstahl, Skimming) und durch organisierte Kriminalität gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Hier muss die Bank proaktiv Betrugsfälle verhindern und im Sinne einer guten Kundenbeziehung Lösungen für den Kunden finden, die nicht erst dann greifen, wenn der Schaden bereits entstanden ist. Geeignete Software kann die Betrugserkennung massiv unterstützen, muss aber in Echtzeit große Datenmengen verarbeiten und intelligente Schlüsse ziehen können. Darüber hinaus soll die Software einfach an neue Betrugsmuster und kriminelle Handlungsweisen angepasst werden können.

Was möglich ist, soll ein Beispiel veranschaulichen: Die Überwachung der Zahlungen mit EC- oder Kreditkarte ergibt, dass mit der gleichen Karte innerhalb der letzten fünf Minuten mehr als drei Transaktionen von Standorten ausgeführt wurden, die mehr als zehn Kilometer auseinanderliegen. In diesem Fall wird die Karte sofort gesperrt und der Inhaber der Karte wird per SMS informiert, dass er mit seinem Kundenbetreuer Kontakt aufnehmen soll.

Das Lösungsangebot

Angebote zur proaktiven Betrugserkennung gibt es einige. So bietet beispielsweise die Software AG eine Lösung, die einfach an die verfügbaren Datenquellen der Bank angebunden werden kann. Die verfügbaren Informationen werden in Echtzeit ausgewertet und nach bestimmten Mustern überprüft. Das Erkennen von Mustern erfolgt unter Berücksichtigung zeitlicher und räumlicher Rahmenbedingungen (beispielsweise: alle Geldautomaten/POS-Terminals im Umkreis von zehn Kilometern innerhalb der letzten 20 Minuten). Wird ein Betrugsverdacht identifiziert, werden automatisch entsprechende Prozesse zur Information der Mitarbeiter oder Bearbeitung des Verdachtsfalls gestartet. Die Auswertung der Betrugsmuster kann leicht an die individuellen und sich stetig verändernden Anforderungen der Bank angepasst werden. Die Ergebnisse der Betrugsprüfung werden in interaktiven Analyse-Dashboards verständlich aufbereitet und angezeigt.

Auch ACI Worldwide (internationaler Anbieter von Lösungen für den bargeldlosen Zahlungsverkehr) und Integrated Research (Entwickler führender Performance-Monitoring-Lösungen) bieten ein attraktives Produkt. Es ermöglicht Finanzinstituten, die die Betrugsmanagementsoftware von ACI einsetzen, ein permanentes Monitoring und Management ihrer Betrugserkennungssysteme in Echtzeit.

Die neue Lösung ist ein Ergebnis der 2010 bekanntgegebenen Kooperation von ACI Worldwide und Integrated Research. Die Lösung „Prognosis für ACI Proactive Risk Manager“ bietet ein Echtzeit-Monitoring, mit dem sich Verfügbarkeit und stabile Performance der Applikation wie auch der zugrundeliegenden Hardware und Netzwerkinfrastruktur gewährleisten lassen. Zudem können Finanzinstitute durch kontinuierliche Überwachung des Durchsatzes an Transaktionen nicht nur ihre Betrugserkennungskapazitäten verbessern, sondern auch die Produktivität ihrer Ressourcen optimieren – und damit letzten Endes ihre operative Effizienz erhöhen.

Auch von SAS gibt es ein neues Lösungspaket zur Betrugserkennung: SAS Enterprise Case Management dient der lückenlosen Dokumentation der Untersuchung von Betrugsfällen. Durch die analytischen Fähigkeiten der Lösung können Ermittler die Kosten für ihre Untersuchungen senken und die Betrugsprävention verbessern. Die Fallmanagementlösung ist Teil der Betrugserkennungssoftware SAS Fraud Framework.

Das SAS Enterprise Case Management unterstützt Unternehmen wie Versicherungen und Banken dabei, die gesetzlich geforderten Reports schnell zu erzeugen. Auch lassen sich damit Finanzreports zur Dokumentation der durch Betrügereien entstandenen Verluste einfach erstellen.

„Für Unternehmen ist es besonders wichtig, über aktuell untersuchte Betrugsfälle laufend informiert zu sein. Denn nur so lassen sich künftige Betrügereien verhindern und lässt sich die Effizienz des Unternehmens insgesamt steigern. Genau hier setzt SAS Enterprise Case Management an: Bevor die Ermittler mit ihrer Arbeit beginnen, können sie das System automatisch nach ähnlichen, bereits untersuchten Fällen durchsuchen“, so Dietmar Kotras, Country Manager bei SAS Austria.

Zudem können weitere Informationen, beispielsweise über Produkte, Vertriebskanäle oder Abteilungen, in das System eingespeist werden. Die größere Datenbasis sorgt für noch mehr Genauigkeit bei der Erkennung von Betrugsmustern. Weitere Lösungsangebote zur Betrugserkennung gibt es beispielsweise von Cellent und Bosch Software Innovations. Die Cellent Finance Solutions ist Anbieter und Berater im Umfeld der Bekämpfung von Geldwäsche, Finanzbetrug, Marktmissbrauch, Terrorismusfinanzierung sowie der Embargo- und Finanzsanktionsüberwachung für die Finanzindustrie. Dabei deckt das Wissen auf Basis der internationalen Gesetze und Vorschriften eine breite Palette rund um das Thema Finanzkriminalität ab.

Die innovative SMARAGAD Anti-Finance-Crime Suite ist bei rund 800 Finanzinstituten in mehr als 50 Ländern im Einsatz. In Deutschland setzen sieben der zehn größten Banken bei der Bekämpfung von Financial Crime auf die SMARAGD-Lösungen.

Vor kurzem hat sich Cellent Finance Solutions mit b-next zusammengetan. Die beiden auf die Finanzindustrie spezialisierten Beratungs- und Softwareunternehmen haben eine Kooperation für den Compliancesektor geschlossen.

Ziel der Zusammenarbeit ist es, national wie global agierenden Finanzinstituten aus einer Hand integrierte Best-Practice-Lösungen im Umfeld von Compliance/Financial Crime anzubieten, die einer verschärften, internationalen Gesetzgebung gerecht werden.

Weitere Vorteile aus dieser Allianz erschließen sich für die Kunden vor allem durch die Bündelung der Kernkompetenzen beider Unternehmen, die Reduzierung des Organisations- und Arbeitsaufwandes sowie ein optimiertes Service- und Produktangebot für die Finanzindustrie.

Die Marktführer der Bereiche Kapitalmarkt-Compliance und AML/CFT werden damit den wachsenden Anforderungen an ein unternehmensweites Risikomanagement gerecht.

Als Marktführer für Governance Risk und Kapitalmarkt-Compliance liefert b-next seit über 20 Jahren Finanzinstituten Best-Practice-Lösungen für ein strategisches Risikomanagement der Bereiche Best Execution, Market Abuse, Conflicts of Interest und Insider Trading.

Mit Cellent Finance Solutions als Anbieter auf dem Gebiet einer konzernweiten Risiko- und Gefährdungsanalyse sowie der IT-gestützten Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung, der Embargo- und Finanzsanktionsüberwachung für die Finanzindustrie gewinnt b-next einen starken und kompetenten Partner mit exzellentem Lösungs-Know-how und langjähriger Erfahrung.

Business Development Manager Stefan Queck von b-next sagt hierzu: „Die Partnerschaft von b-next und Cellent Finance Solutions ist ein logischer Schritt und kann durchaus als Meilenstein in der Entwicklung des Marktes für regulatorische Softwarelösungen gesehen werden. Das neue Portfolio an Anwendungsmöglichkeiten wird in seiner Form einzigartig am Markt sein.“ Klaus Spießhofer, Sales Manager Compliance & Financial Crime der Cellent Finance Solutions, ist überzeugt: „Mit b-next verbindet uns eine professionelle Partnerschaft, die unseren Kunden einen nachhaltigen Mehrwert für ein wirkungsvolles Portfolio sichert, das internationale Compliance-Auflagen vollständig abdeckt.“

Die Compliance-Suite von Bosch Software Innovations bietet die Grundlage für die Abbildung der Compliance-Anforderungen von Banken, Versicherungen und Finanzdienstleistern. Im Baukastenprinzip lassen sich die verschiedenen Compliance-Funktionalitäten miteinander kombinieren:

▷Geldwäsche,

▷Embargomonitoring,

▷Marktmanipulation,

▷Insiderhandel,

▷Finanzbetrug.

Die Fraud Detection Software setzt darauf, dass sich mögliche Betrugsfälle meist mit Regeln erkennen lassen. Wenn zum Beispiel Kreditanträge definierte Regeln durchlaufen, lassen sich Geschäftsvorfälle, die diesen Regeln nicht entsprechen, schnell erkennen. Dann können die Hintergründe geklärt werden.

Regelwerke liefern Banken und Versicherungen also die Grundlage für die Erkennung möglicher Betrugsvorfälle. Das Fraud Detection System von Bosch Software Innovations integriert die Prüfung in die relevanten Antragsprozesse und analysiert die erfassten Daten auf mögliche Betrugsindikatoren. Der Moment einer Antragsprüfung ist in der Betrugsprävention so relevant, weil mögliche Schäden von vornherein verhindert werden können.

Die Softwarelösung beinhaltet zahlreiche Regelwerke, die folgende Vorteile bieten:

▷Regeln können für einzelne Vertriebskanäle, Filialen, Produktgruppen und Ähnliches erstellt werden.

▷Der automatische Abgleich im Antragsprozess kann mit bestehenden Datenbeständen, historischen Antragsdaten bereits entdeckter Betrugsfälle und externen Datenbeständen erfolgen.

Die Lösung ist bei einigen namhaften Geldinstituten erfolgreich im Einsatz.

Autor: Erwin Ströbele

Betrugserkennung

 

Mehr Informationen, wie Betrug effektiv verhindert werden kann, unter:

Branchenguide 2011
CallCenter for finance 2011
CallCenter Verband