Wo die Kostenbremse ansetzen?Jeder Banker weiß: Bargeldhandling ist teuer. Und die Statistik belegt dies eindrucksvoll: 300 Milliarden US-Dollar werden weltweit jährlich für die Bargeldbearbeitung ausgegeben, davon zwölf Milliarden Euro allein in Deutschland. Und die Menge der umlaufenden Banknoten im Euroraum steigt seit der Einführung der Gemeinschaftswährung kontinuierlich weiter an: um jährlich acht Prozent. Wie also Einhalt gebieten?
Vertreter der Zentralbanken setzen sich seit langem dafür ein, die Bargeldlogistik kontinuierlich effizienter zu gestalten. Dazu werden zum einen innovative Konzepte und Technologien entwickelt. Zum anderen geben Zentralbanken die Aufgaben zur Bargeldbearbeitung verstärkt an Banken, Werttransportunternehmen und Handelsunternehmen ab.
Was aber können die Geldinstitute konkret tun, um hier nachhaltig effizienter zu werden? Technologieanbieter wie Wincor Nixdorf und Giesecke & Devrient (G&D) meinen die passenden Antworten hierfür entweder schon zu haben oder in absehbarer Zeit geben zu können.
Worum geht es?
Anfang dieses Jahres hatten sich Giesecke & Devrient und Wincor Nixdorf zusammengetan, um Lösungen zu schaffen, welche die Kosten für die Bargeldbewirtschaftung sowohl betriebswirtschaftlich in den einzelnen Unternehmen als auch gesamtwirtschaftlich bezogen auf einzelne Volkswirtschaften deutlich senken sollen. Gleichzeitig ist vorgesehen, die mit der Bargeldbearbeitung verbundenen Risiken für alle beteiligten Akteure zu minimieren.
In ihrer Kooperation entwickeln G&D und Wincor Nixdorf Lösungen für diese Anforderungen. Schon heute wird Banken und Handelsunternehmen eine zuverlässige, revisionssichere und vollautomatisierte Lösung geboten, mit der dezentrale Bargeldkreisläufe organisiert werden können. Basis dafür ist die von Wincor Nixdorf für Banken und Handel entwickelte Systemgeneration mit dem Namen CINEO, die mit neuartigen intelligenten Geldkassetten ausgestattet ist. Diese Kassetten hat G&D in ein Bearbeitungssystem für Cashcenter integriert. Damit müssen dort erstmals Geldkassetten aus Banken oder Handelsunternehmen nicht mehr von Mitarbeitern geöffnet werden; das darin enthaltene Bargeld muss nicht mehr manuell gezählt und umsortiert werden.
G&D und Wincor Nixdorf haben im Laufe des Jahre 2011 ihre Aktivitäten bei der Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von Sicherheitstechnologien zur Prüfung und Verarbeitung von Banknoten in einem Joint Venture gebündelt. Die „CI Tech Components AG“ mit Sitz in Burgdorf in der Schweiz ist das Ergebnis. Das Unternehmen soll seinen Marktanteil von derzeit etwa zehn Prozent im wachsenden Markt der Banknotenprüfsensorik und -module in den nächsten Jahren deutlich ausweiten. Nach Schätzung der beteiligten Unternehmen soll der Markt von jetzt 650 Millionen US-Dollar bis zum Jahr 2015 auf rund eine Milliarde US-Dollar ansteigen.
Die Sensoren und Module von „CI Tech Components“ sollen auch an andere Anbieter von Selbstbedienungssystemen wie zum Beispiel Kiosksysteme bei Banken, Handels- oder Postunternehmen sowie Ticketautomaten für Bahnunternehmen vermarktet werden.
Ein weiteres Ziel ist die Integration der Cashcenter-Management-Software von Giesecke & Devrient und der Softwareplattform von Wincor Nixdorf zur Steuerung der Cashprozesse bei Banken und Handelsunternehmen. Damit sollen die komplementär vorhandenen Lösungen beider Partner zusammengeführt werden, um die Bargeldprozesse auch softwareseitig von der Filiale bis zum Cashcenter von Zentralbanken abbilden zu können.
Die Banknotenbearbeitungssysteme von Giesecke & Devrient kommen immer dann zum Einsatz, wenn höchste Anforderungen an Sicherheit, Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit gestellt werden. G&D liefert seine Systeme an weltweit rund 150 Zentralbanken und eine Vielzahl von Cashcenter-Betreibern. G&D bietet zudem die komplette Kompetenz über den Lebenszyklus von Banknoten – von der Entwicklung von Sicherheitsmerkmalen über die Herstellung von Banknotenpapier, den Banknotendruck, die automatisierte Bearbeitung von Banknoten bis hin zur sicheren Vernichtung der Noten.
Autor: Erwin Ströbele
Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold: Bis zu 38 Prozent Spareffekt

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Günter Vogt, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold, will die Bargeldprozesse nachhaltig optimieren.
Bild: Ströbele
Die sich ändernden Rahmenbedingungen im Bargeldhandling, vor allem seitens der Bundesbank, erfordern eine geeignete Reaktion der Geldinstitute. Was dabei an Optionen möglich ist, vermittelte Günter Vogt (stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold) jüngst auf der 42. Bankenfachtagung von Wincor Nixdorf in Rottach-Egern. Möglich seien Kooperationen (durchaus auch zwischen Genobanken und Sparkassen), eine strategische Neuausrichtung sowie das Optimieren der Abläufe und Prozesse. Sinnvoll sei die Bündelung aller Zahlungsverkehrsaktivitäten in einem Bereich „Zahlungssysteme“. Bei der Volksbank hat man hier die Funktion von „Beratern für Zahlungssysteme“ geschaffen. Diese bilden künftig das Bindeglied zwischen Firmenkunde und Bank. Das Beratungstool MinD Banker unterstützt bei der Detailanalyse.
Da man jetzt die Hauptstelle „Neuer Platz“ in Paderborn neu geschaffen hat, bot sich die Gelegenheit, die Bargeldkreisläufe neu zu organisieren. Als Basis boten sich im Umfeld neun Geschäfte aus sieben Branchen an. Die Besucherfrequenz liegt bei rund 5.000 pro Tag. Man startete ein Pilotprojekt zur Nutzung einer neuen Kassettentechnologie, welche einen geschlossenen Bargeldkreislauf zwischen Handel und Banken möglich machen soll. Bargeld wird dadurch direkt vom Einzahlungsgerät im Auszahlgerät verwendbar, ohne kostspieligen Zählvorgang.
Die Ziele des Pilotprojekts:
▷Optimierung der Bargeldlogistik in der neuen Hauptstelle.
▷Optimierung des Bargeldhandlings (Ver- und Entsorgung) bei örtlichen Händlern.
▷Aufbau eines Bargeldkreislaufs zwischen ausgewählten Händlern am Ort.
▷Erweiterung des Pilotprojekts zum kompletten Cashcenter an einem logistisch optimalen Standort (ehemalige Bundesbankfiliale).
An konkreten Ersparnissen hat die Genobank 38 Prozent errechnet, die sich zu drei Viertel aus geringeren Personalkosten und zu einem Viertel aus günstigeren Werttransport- und Zinskosten ergeben. Außerdem wird noch mit weiteren sieben bis zehn Prozent Ersparnis durch Optimierung der größtenteils subventionierten Bargeldbearbeitung gerechnet. Voraussetzung dafür ist die Nutzung der neuen Kassettentechnik für Bargeldbestände, wie sie von Wincor Nixdorf angeboten wird. Außerdem muss natürlich der Handel mitspielen. Auch die Anbindung an die Rechenzentren muss gewährleistet sein und nicht zuletzt Sicherheit und Qualität. Als nächste Schritte sind Workshops in Sachen Bargeldhandling mit den anvisierten Zielgruppen geplant, durchgeführt von den entsprechenden Beratern der Bank. Dabei sollen vor allem die Vorteile angesprochen werden: mehr Sicherheit, weniger Fehlbestände, geringere Kosten und Transparenz der Bestände.