Digitale Börsen haben mittlerweile die Präsenzbörse weitgehend abgelöst. Was mit diesem Wandel einhergeht, sind beschleunigte Tradingabläufe. Obwohl den Händlern in den Trading Rooms immer weniger Reaktionszeit zur Verfügung steht, darf dies keinesfalls auf Kosten ihrer Entscheidungsgeschwindigkeit und -qualität gehen. Kann doch eine falsche Entscheidung extrem hohe Verluste für institutionelle und Privatanleger sowie Imageverluste für das Tradingunternehmen nach sich ziehen.
Welche Verluste kann eine mangelnde Sprach-/Datenkommunikation in den Handelsräumen verursachen.
Joachim Huber: Sie können in die hunderte Millionen Euro gehen. Nicht nur das: Werden für Wertpapiere und Derivate bestimmte Kurswerte unterschritten, wird automatisch ein Verkauf dieser Anlagen ausgelöst, Stichwort: Hochfrequenzhandel. Wird in solchen Situationen nicht schnell und richtig gehandelt, werden mögliche hohe Gewinne gleich mit verspielt. Nur wenn an den Dealer Boards in den digitalen Handelsräumen die richtigen Informationen zum richtigen Zeitpunkt präsent sind und sich alle Akteure ad hoc per Sprachkommunikation zusammenschalten und austauschen können, sind überhaupt schnelle und angemessene Reaktionen, Kauf oder Verkauf, möglich.
Also besteht die Herausforderung darin, in und um die Handelsräume herum eine professionelle und integrierte Sprach-/Datenkommunikation umzusetzen?
Joachim Huber: Richtig. Dazu zählen sprachseitig Telefonmakleranlagen, Multifunktionstelefone, Lautsprecher und die richtige Software. Tradinglösungen von IPC beispielsweise unterstützen im Ernstfall bis zu 600 Leitungen parallel für die Zusammenschaltung von Händlern, Brokern, Risikomanagern, Analysten und anderer Middle- und Backoffice-Spezialisten. Für die Integration solcher Lösungen ins Backoffice mit den Daten zum jeweiligen Geschäftsvorfall ist eine konsequente Unterstützung des Session Initiation Protocol, kurz: SIP, erforderlich. Die Sprache ebenso wie die Daten werden über eine gemeinsame VoIP-Kommunikationsplattform übertragen, bevor sie über die Multifunktionstelefone oder Lautsprecher ausgegeben beziehungsweise an den Dealer Boards angezeigt werden. Die Dealer Boards sind mit IPC klassisch als Desktops oder per Soft Turret Software realisierbar.
Teil der Tradinggesamtlösung sind Workflow-applikationen. Sie geleiten die Sprache und Daten zu den betreffenden Ausgabestellen. Wichtig zu wissen: An einem einzigen Handelsarbeitsplatz im Trading Room können allein bis zu neun Bildschirme stehen.
Nicht nur die Daten-, sondern auch die Sprachkommunikation muss nachträglich nachvollziehbar sein. Ist dies bei einer solchen Kommunikationsplattform überhaupt möglich?
Joachim Huber: Sprachaufzeichnung in und zum Knotenpunkt „Handelsraum“ ist ein Muss. Deshalb ist diese Funktionalität ein unverzichtbarer Bestandteil der Tradinglösungen von IPC. Die Sprachaufzeichnungsfunktionalität lässt sich mit einfachen Mitteln auf das Anforderungsprofil des Tradingunternehmens und
-umfelds zuschneiden. Kommen Regularien oder Gesetze hinzu, kann die Tradinglösung ebenso einfach und schnell den neuen Bedingungen angepasst werden.
Übrigens: Zwar können auch mobile Sprachteilnehmer zu einzelnen Geschäftsvorfällen hinzugeschaltet werden. Dieses Szenario scheitert jedoch in der Praxis meist daran, dass mobilseitig jegliche Sprachaufzeichnungsfunktionalität fehlt. Sicherheit und Compliance würden also in diesem Fall zwangsläufig zu kurz kommen.
Wäre nicht eine Intensivierung des Kontakts bei wichtigen Geschäftsvorfällen mittels Videokonferenz wünschenswert?
Joachim Huber: Wünschenswert ist dieser Multimedia-Echtzeitkontakt auf jeden Fall, eben weil er die Qualität der Kommunikation und Entscheidung noch weiter verbessern würde. Deshalb haben wir unsere Tradinglösungen bereits auf die Integration von Videoconferencing über offene Blue-Wave-Schnittstellen abgestimmt. In der Praxis scheitert diese kommunikative Aufwertung meist daran, dass schon die bestehenden Trading Boards mit Informationen voll bestückt sind. Für Videofenster, die groß genug sind, bleibt somit derzeit selten Platz.
Was prädestiniert IPC gegenüber Wettbewerbern als Anbieter?
Joachim Huber: Da ist einmal unsere Präsenz im Markt. Aktuell bringt es IPC auf etwa 200.000 User im Investmentbanking-Bereich, parallel an den Erdöl-, Erdgas- und Strombörsen dieser Welt. Vorinstallierte Traderanwendungen, die auf der neuen Entwicklungsplattform Blue Wave basieren, verkürzen die Projektierungszeit bis zur Einsatzreife. Offenheit und flexible Anwendungserweiterungen sowie ein ausgeprägtes Management für eine effiziente Überwachung, Administration und Wartung sind weitere Highlights unserer sprach-/daten-integrierenden Tradinglösungen.
Im Supportfall unterstützen wir unsere Kunden über drei Global Operation Center in New York, London und Singapur, mit Personal, das über exzellente Expertisen in den Einsatzfeldern Trading Room und Sprach-/Dateninfrastruktur verfügt. Dazu kommen für eine kontinuierliche Weiterentwicklung der IPC-Tradinglösungen drei Testcenter in New Jersey und Connectitut, beide USA, und in London.
Das Interview führte Hadi Stiel, freier Journalist und Kommunikationsberater, Bad Camberg