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Heft 6/2011
 

Die SB-Trends 2012.Handel und Banken rücken zusammen und entwickeln gemeinsam neue, effiziente Zahlungssysteme via Geldkarte und Mobile Payment. Gleichzeitig erproben Banken neue Zusatzdienstleistungen für ihre SB-Terminals und haben auch im Non-Banking-Bereich damit Erfolg. Die Kundenselbstbedienung erhält eine neue Dimension – Spielraum: Nach oben offen.

Ganz neu ist die Technologie dahinter nicht: Bereits 2002 wurde die Near Field Communication (NFC) entwickelt, zehn Jahre später soll sie nun im Handel flächendeckend zum Einsatz kommen und unsere Zahlungsgewohnheiten revolutionieren. Danach könnten Wartezeiten an Kassen und Abfertigungsstationen bald der Vergangenheit angehören.

Im kommenden Jahr soll die Near Field Communication flächendeckend Einzug in den Alltag der Verbraucher halten: Dann nämlich werden neben den sich bereits heute zunehmend im Markt befindlichen kontaktlosen (NFC-fähigen) Geldkarten der Sparkassen und Karten der Kreditkartenorganisationen auch zunehmend Akzeptanzterminals (-stellen) im Markt verbreiten. Mittels NFC-fähiger Karten können kundenrelevante Daten über eine kurze Distanz mit einem dafür vorgesehenen Empfangsterminal ausgetauscht werden. Wichtig ist: Für den Austausch der Daten zwischen Sender und Empfänger ist keine Internetverbindung erforderlich. Daher könnte zum Beispiel beim Geldabheben an einem entsprechend ausgestatteten SB-Terminal die Registrierung am bankeigenen System via NFC-Technologie erfolgen. Die Autorisierung wird wie gewohnt via PIN durchgeführt. Biometrische Identifikationsverfahren (Fingerabdruck, Venen- oder Irisscan) könnten wiederum in der Zukunft die Ersatzverfahren für die heutige PIN-Prüfung werden.

NFC hält Einzug in Banken
und Handel

Der Handel geht mit dieser Technologie noch einen Schritt weiter. Mit der neuen Geldkarte soll der Kunde künftig direkt am Point of Sale (POS) kontaktlos bezahlen können. Die kontaktlose Geldkarte kann am Geldautomaten, am POS oder im Internet aufgeladen werden. Kleinere Beträge bis 20 Euro können ohne Autorisierung bezahlt werden, höhere Beträge müssen aus Sicherheitsgründen weiterhin via PIN bestätigt werden.

Für den Handel bedeutet das vor allem eines: Runter mit den Kosten, denn das Handling von Bargeld ist teuer und beinhaltet trotz modernster Technik nach wie vor erhebliche Sicherheitsrisiken. Für den Kunden eröffnen sich mit der Karte jede Menge neuer Nutzungsmöglichkeiten, da sie in vielen Bereichen einsetzbar ist: Beispielsweise haben Stadionbetreiber die Vorteile dieser neuen, kostengünstigen und vor allem schnellen Bezahlmethode realisiert und bereits erfolgreich eingeführt (siehe www.geldkarte. de/... bayarena-card).

Mobile Payment auf
dem Vormarsch

Bereits heute sind Smartphones aus dem Leben nicht mehr wegzudenken. Sie erfüllen eine Vielzahl notwendiger Funktionen – vom Telefonieren über webbasierte Kommunikationstools bis hin zur Navigationsfunktion oder dem Check-in am Airport: Applikationen machen es möglich. Mittels App und integriertem NFC-Chip sollen Smartphones in Zukunft auch verschiedene Zahlungsabwicklungsfunktionen erhalten und damit eine weitere wichtige Funktion im Alltag übernehmen können.

Verknüpfung von Services
mit Payment

Durch die NFC-Technologie, zum einen durch integrierte Technik von Mobilfunkanbietern, zum anderen durch eine Brückentechnologie zum Beispiel mittels eines „NFC-Stickers“ von „m-able“ für das Smartphone, wird das Bezahlen mit dem Smartphone im Handel jedoch nicht die einzige Innovation bleiben. Bereits heute kann mit Hilfe des Smartphones der öffentliche Fern- und Flugverkehr bereist werden. Fahrkarten oder Flugtickets gelangen durch wenige Schritte im Internet direkt auf das Smartphone.

Der mobile Ticketservice „Touch&Travel“ der Deutschen Bahn wurde bereits erfolgreich getestet. Tickets können per Smartphone gebucht werden und die Zahlung erfolgt am Ende des Monats via Lastschriftverfahren. Ist das Smartphone mit einem NFC-Chip ausgerüstet, reicht das An- und Abmelden am sog. Touchpoint via einer Touch&Travel-App. Danach berechnet das System selbstständig den Preis für die gefahrene Strecke. Der Schaffner kontrolliert das Smartphone, nicht mehr die Fahrkarte.

People-to-People-Payment

Mittels NFC-fähigem Smartphone ist in naher Zukunft ebenso People-to-People-Payment (P2P) möglich. Eine exemplarische Methode, um den Bezahlvorgang zwischen zwei Personen einfacher zu gestalten, bezieht sich auf ein mobiles Kreditkartenlesegerät, welches lediglich an das Smartphone angedockt wird (www.izettle.com oder www.squareup.com).

Perspektivisch gesehen ist der nächste Schritt, dass mobile Endgeräte einfach aneinandergehalten und der Geldtransfer direkt zwischen den beteiligten Personen abgewickelt wird. Dieses Zahlungsmodell dürfte sich bevorzugt in allen Facetten des ambulanten Handels durchsetzen, in dem es um kleinere Beträge geht und keine Kreditkartenterminals eingesetzt werden.

SB-Banking: Mehrwertservices

Innovationen und Reaktionen auf den kleinen Ausschnitt aus den obengenannten Trends sind erforderlich: Neben SB-Beratungskonzepten der Banken und Self-Check-out-Lösungen im Handel sind zusätzliche Services durch die SB-Geräte anzubieten. Neben den üblichen bankfachlichen Transaktionen (insbesondere Kontoauszug, Überweisung, Bezahlen von Rechnungen, Bargeldein- und -auszahlungen) stehen zunehmend sogenannte „Value Added Services“ im Mittelpunkt (zum Beispiel Aufladen von PrePaid-Handykarten sowie eWallets, Verkauf von Veranstaltungstickets, Versicherungen, Briefmarken, Fahrkarten, Flugtickets und Ausgabe von Coupons und Gutscheinen oder der Download von Musik und Filmen auf Smartphones). Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Bei entsprechend ausgestatteten SB-Geräten in Banken und im Handel können NFC-fähige Handys als Autorisierungs- und Identifikationsmedium oder bei Kiosksystemen als Bezahlinstrument dienen. (Virtuelle) Fahrkarten, Tickets, Coupons etc. würden direkt elektronisch auf das Smartphone übertragen. Ein aktuelles Beispiel für moderne, kundenfreundliche und innovative Gestaltung von SB-Geräten mit multifunktionaler Ausstattung sowie „Kontaktlosfunktion“ hat die Großsparkasse La Caixa aus Spanien in ihrem Projekt „Punt Groc“ realisiert.

Noch favorisieren nicht nur wir Deutschen das Bargeld, trotz allem ist eine Zukunft mit NFC und Mobile Payment als sehr realistisch anzusehen. Dies aber nicht nur im Handel, sondern ebenso im Bankenbereich. Das Banken-SB-Gerät in Verbindung mit Self-Checkout-Lösungen des Handels fungiert künftig als modernes Dienstleistungsallroundsystem, das ständigen Neuerungen unterliegen wird.

Fazit

NFC wird die Mobilfunktechnologie, das Bankenwesen und den Handel nachhaltig verändern. Mobile Payment wird sich auf Grund der hohen Durchdringung mit Smartphones leicht durchsetzen können und die Geldkarte als Zahlungsmittel möglicherweise auf lange Sicht ersetzen. Voraussetzung: Es gibt funktionierende Sicherheitsstandards. Der SB-Bereich der Banken, insbesondere auch an Drittplätzen, wird dann gestärkt aus der Entwicklung hervorgehen, wenn er sich an die neuen Bedürfnisse der Kunden – aber auch des Handels – rechtzeitig anpasst und die neuen Wege mitgeht. Dazu bedarf es aber auch einer aktiven, innovativen Produktentwicklung im SB-Bereich und einer vitalen Adaption neuer Geschäftsmodelle, die die neuen Technologien bieten.

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