Herkömmliche Zugangsmedien wie Codes, Karten und Schlüssel bergen für Kreditinstitute Risiken. Gehen sie verloren oder werden sie gestohlen, sind Filialen trotz Sicherheitsschlössern nicht mehr ausreichend geschützt. Viel Aufwand verursacht zudem die Verwaltung, da Transponder und Schlüssel besonders gesichert aufbewahrt und ihre Aus- und Rückgabe genau dokumentiert werden müssen. Trotz günstiger Anschaffung entstehen für Banken und Sparkassen hohe Kosten durch aufwendige Übergaben und unflexible Abläufe.
Finger als Schlüssel
zu mehr Schutz
Eine Zutrittsberechtigung via Körpercharakteristika ermöglicht demgegenüber mehr Schutz und wirtschaftlichere Abläufe. Fingerabdrücke können nicht abhanden kommen, weitergegeben oder vergessen werden: Jeder Mitarbeiter hat sie stets bei sich. Biometrische Daten und individuelle Berechtigungsprofile lassen sich zudem über eine Softwarelösung zentral und effizient managen. Ein großer Vorteil, wenn Personal flexibel an verschiedenen Standorten arbeitet.
„Biometrie bietet besonders für unsere kleineren Geschäftsstellen höhere Sicherheit“, erläutert Wolfgang Kuhn, Leiter Unternehmensservice der VR Bank Südpfalz, den Hintergrund der Ausrüstung von 13 Filialen mit biometrischen Sicherheitslösungen von Gunnebo. „Das Schlüsselprodukt für unseren umfangreichen Einstieg in diese Technologie war das Fingerprintsystem von Gunnebo.“
Türöffner für den Einsatz
von Biometrie
Aufgrund des hohen Aufwands und steigender Sicherheitsanforderungen sahen die Verantwortlichen die Notwendigkeit, im Bereich der Zugangskontrolle auf eine andere Lösung als dem klassischen Sicherheitsschloss umzusteigen. Vorhaltung von Ersatz- und Zusatzschlüssel, der Abgleich mit Inventurlisten und umständliche Übergaben beim Personalwechsel in der Hauptstelle, 46 Geschäftsstellen und drei Verwaltungsgebäuden waren nur einige Dinge, die am herkömmlichen System störten.
Die Lösung fanden die Banker im Zutrittskontrollsystem SafeDoor von Gunnebo. Es arbeitet auf Grundlage von Minuzien, den Startpunkten, Enden und Verbindungen der Papillarleisten des menschlichen Fingers. Mit einem thermischen Sensor misst das Fingerprintmodul die Temperaturunterschiede auf der Fingerkuppe. „Verunreinigungen durch Cremes und Schweiß beeinträchtigen die Funktionsweise des Sensors in keiner Weise“, hebt Stephan Seifert, Business Line Manager Geschäftsbereich Bank bei Gunnebo Deutschland, den Vorteil dieses Verfahrens hervor.
Verschlüsselte Daten
Über einen Algorithmus, der Vergleichstests in puncto Sicherheit und Effizienz gewonnen hat, werden die Informationen in ein Koordinatensystem übertragen. „Die spezielle Verschlüsselung erlaubt keinen Rückgriff auf das tatsächliche Abbild des Fingers“, beschreibt Seifert die Absicherung vor Missbrauch.
Im Gegensatz zu früheren, einfacheren Lesesystemen sah die Volks- und Raiffeisenbank bei dieser Lösung ihre Anforderungen an Unverwechselbarkeit und Manipulationssicherheit erfüllt. „Die Verwendung von verschlüsselten Minuzien, die bei der Berechtigungsabfrage jeweils neu berechnet und verglichen werden, bietet sehr hohe Sicherheit“, so Wolfgang Kuhn über das System. Die Zutritte von über 500 Personen in fünf Gebäuden an unterschiedlichen Tagen und Zeiten sowie der Zugang von Verbandsprüfern, Werttransport- und Reinigungsdiensten in eigenen Zeitfenstern wurden so realisiert.
Synergien für die Geschäfts-
stellenkonzeption
„Sukzessive wollen wir alle unsere Häuser mit diesen Systemen ausrüsten“, sagt Kuhn über künftige Planungen. Die Grundlage dafür bietet eine Datenbank aller biometrischen Mitarbeiterprofile und die zentrale Verwaltung und Steuerung über die Software SafeControl. „Die Vernetzung und einheitliche Administration ist eine wichtige Grundlage“, macht Kuhn deutlich. Darüber hinaus entstanden für die VR Bank Südpfalz dadurch Synergien bei der Konzeption einiger Geschäftsstellen.
Denn interessant ist die Biometrie für Banken und Sparkassen auch bei der Umsetzung der Vorgaben der UVV Kassen. Im Gegensatz zu statischen Sicherungen wie der BBA-Stelle ermöglichen biometrisch gesicherte Systeme die flexible Plus-Geschäftsstelle. Mitarbeiter sind dadurch vom Zwang zum Sichtkontakt befreit, es entstehen Freiräume zur diskreten Kundenberatung. Für bestimmte Transaktionen, die eine Beteiligung von zwei Mitarbeitern erfordern, weisen die Angestellten ihre Anwesenheit biometrisch nach. Auszahlungen unter Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen sind ebenso möglich wie kundennaher Beratungsservice.
Effizienz und Sicherheit
Im Vorfeld von Neu- und Umbauten hatten zudem Wertflussanalysen gezeigt, dass der Einsatz von biometrisch geschützten Wertschutzschränken und Zugangssystemen sinnvoll ist. Ein Wechsel in der Kundenfrequenz und eine verstärkte Nachfrage nach Servicegesprächen erforderten ein Umdenken. „Wir haben eine bewusste Umrüstung aller kleinen AKT-Stellen vorgenommen“, berichtet Kuhn. In den betroffenen Niederlassungen setzte die VR Bank Südpfalz deshalb auf SB-Lösungen und für die Auszahlung größerer Beträge oder nicht SB-fähiger Transaktionen auf den Tagesgeldtresor SafePoint TT Plus von Gunnebo. Bei hoher Sicherheit ermöglichen diese Systeme mit weniger Personal mehr Service für Kunden: Durch die biometrische Absicherung entfällt der ständige Sichtkontakt für Bankangestellte. Für eine Transaktion müssen sich zwei Beschäftigte oder der Kunde im Vier-Augen-Prinzip innerhalb einer Sperrfrist biometrisch identifizieren. Ist der Nachweis erbracht, kann ein Angestellter die Auszahlung alleine fortführen. So werden auch bei nur zwei Mitarbeitern im Servicebereich diskrete Beratungsgespräche möglich, ohne dass Dienstleistungen wie Auszahlungen vernachlässigt werden.
Lösung für Kleinstzweigstellen
Andere Zweigstellen mit geringerem Kundenaufkommen, in denen dennoch größere Transaktionen möglich sein sollten, rüstete das Geldinstitut mit der biometrischen Schleuse SafeGate zur Kleinstzweigstelle mit Ein-Personen-Besatzung um. Die Schleuse besteht aus einem durchschusshemmenden Durchgang mit zwei gesicherten Türen, von denen die Außentür zum Kundenraum mit einer Kassenfunktion ausgestattet ist. Hintergrundbestände sind über den Zugang durch die Schleuse gesichert.
Beim Eintritt in den Durchgang und Verschluss der ersten Tür wird über eine spezielle Sensorik überprüft, ob sich tatsächlich nur eine Person in der Schleuse befindet. Erst im Anschluss kann sich der Mitarbeiter biometrisch identifizieren und erhält Zugang zu den Hintergrundbeständen, dabei bleibt Tür 1 geschlossen. Danach kann das Geld aus dem geschützten Schleusenbereich über Tür 1 mit Kassenfunktion gesichert ausgegeben werden. „Unsere Mitarbeiter können so nach Wunsch Auszahlungen vornehmen und stehen sonst für Beratungen zur Verfügung“, berichtet Wolfgang Kuhn.
Die vorherige Konzeption band die Mitarbeiter an die Kassenbox oder den AKT-Platz, was den neuen Kundenwünschen nicht mehr entsprach. „Persönliche Servicegeschäfte können im Dialog mit unseren Kunden ausgeführt werden“, beschreibt Kuhn den Vorteil der jetzigen Lösung. „Kundengespräche finden in offener Atmosphäre statt.“ Ein wichtiger Schritt weg vom Klischee des Bankbeamten hinter dickem Panzerglas. In Verbindung mit SB-Systemen, die 24 Stunden für Kunden verfügbar sind, ergibt sich daraus ein deutliches Serviceplus.